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Archiv: Probenbesuch Sado und Pires

Wien Musikverein | Gläserner Saal

Interpreten

Programm

Einführung / Kurzbeschreibung

Exklusiv für DUETT-Karteninhaber.

Eine Probe ist kein Konzert – aber genau das ist das Spannende daran! Das Tonkünstler-Orchester bietet die Möglichkeit, Arbeitsproben im Wiener Musikverein zu besuchen. Nach einer kurzen, unterhaltsamen Einführung mit Dramaturgin Ute van der Sanden und Musikvermittlerin Esther Planton taucht der Hörer in die Arbeitsatmosphäre des Orchesters ein.

Yutaka Sado

Biografie

Yutaka Sado, in Kyoto geboren, gilt als einer der bedeutendsten japanischen Dirigenten unserer Zeit. Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich ist er seit der Saison 15-16. Ob Berliner Philharmoniker, Konzerthausorchester Berlin, Bayerisches Staatsorchester, die Symphonieorchester von BR, NDR, SWR und WDR, ob Gewandhausorchester Leipzig, Sächsische Staatskapelle Dresden, London Symphony Orchestra, Orchestre de Paris, Mahler Chamber Orchestra oder Santa Cecilia Rom: Die Liste der Orchester, die Yutaka Sado dirigiert hat bzw. wieder dirigieren wird, ist beeindruckend. Seine Karriere entwickelte sich außerhalb Japans zunächst vor allem in Frankreich, wo er 1993 Chefdirigent des Orchestre Lamoureux in Paris wurde.

Der langjährige Assistent von Leonard Bernstein und Seiji Ozawa gewann wichtige Preise wie den Premier Grand Prix des 39. Internationalen Dirigierwettbewerbs Besançon und den Grand Prix du Concours International L. Bernstein Jerusalem. Seine Verbundenheit zu Bernstein führte ihn als «Conductor in Residence» zum Pacific Music Festival in Sapporo. Seit 2005 ist Yutaka Sado Künstlerischer Direktor des Hyogo Performing Arts Center (PAC) und Chefdirigent des PAC-Orchesters. Sados Bekanntheitsgrad in Japan ist enorm, nicht zuletzt dank einer wöchentlichen TV-Sendung, in der er als Dirigent und Moderator Musikfreunden die Welt der klassischen Musik näherbrachte.

Stand

2016

Mitwirkend bei

Beethoven

Wien Musikverein | Großer Saal

Beethoven

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Beethoven

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Abonnementkonzert

Baden Casino | Festsaal

Abonnementkonzert

Wiener Neustadt Sparkassensaal

Symphonic Motown

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Seid umschlungen, Millionen

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Schostakowitsch 5

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Schostakowitsch 5

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St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Dvorák 8

Grafenegg Auditorium

Dvorák 8

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Dvorák 8

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Wien Musikverein | Großer Saal

Johannes Brahms

Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Sätze

  • Allegro non troppo

  • Andante moderato

  • Allegro giocoso

  • Allegro energico e passionato - Più allegro

Dauer

45 Min.

Entstehung

1884/85

Johannes Brahms scheute sich lange Zeit davor, Symphonien zu komponieren. An den befreundeten Hermann Levi schrieb er in einem Brief: «Ich werde nie eine Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon, wie es unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört.» Mit dem Riesen war Beethoven gemeint, dessen kompositorische und vor allem symphonische Hinterlassenschaft Brahms als übermächtig empfand. Er umging lange Zeit die Symphonie, wich ihr aus, obwohl es ihn zu ihr drängte. Die Monumentalität des 1. Klavierkonzertes ist darauf zurückzuführen, dass Brahms mit dem musikalischen Material ursprünglich symphonische Pläne hatte. Und als der junge Komponist für das Orchester in Detmold komponierte, verbarg er seine symphonischen Ambitionen hinter der Bezeichnung Serenade, auch wenn das Werk großteils als veritable Symphonie daherkommt.

Dort, wo er sich sicher fühlte, in der Komposition von Variationen, bahnte sich Brahms dann mit den für Orchester instrumentierten Haydn-Variationen den Weg zur Symphonie. Den schon sehr weit gediehenen Entwürfen zum Kopfsatz seiner ersten Symphonie c-moll folgten allerdings noch einmal eineinhalb Jahrzehnte Wartezeit, ehe es Brahms wagte, die Symphonie zu vollenden und 1876 der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das war der Durchbruch, dem nun in kurzen Abständen zahlreiche symphonische Werke folgten: In den folgenden elf Jahren drei weitere Symphonien (D-Dur, F-Dur,  e-moll), zwei Ouvertüren («Tragische» und «Akademische»), das Violinkonzert D-Dur, das 2. Klavierkonzert ­B-Dur und das Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-moll.

Die Symphonie Nr. 4 e-moll op. 98 komponierte Brahms während der Sommermonate 1884 und 1885 in Mürzzuschlag in der Steiermark, er selbst dirigierte die Uraufführung am 25. Oktober 1885 in Meiningen mit der berühmten Hofkapelle. Auf einer Tournee des Orchesters durch Deutschland und die Niederlande fand die Symphonie schnelle und große Verbreitung. Die berühmt gewordenen ersten vier Töne des Werks mit ihrer abfallenden großen Terz und aufsteigenden kleinen Sext sind eine Art Leitmotiv; Details daraus erlangen in verschiedenen Formen in der gesamten Symphonie Bedeutung, vor allem die fallende Terz, die in mehreren Folgen wieder auftritt, aber auch die Quint zwischen erstem und drittem Ton, die den Umfang der Hauptthemen aller drei folgenden Sätze festlegt. Im Aufbau der Symphonie fällt auf, dass die klassische Sonatenhauptsatzform in allen vier Sätzen durchschimmert, aber nirgends in der traditionellen Art erhalten ist.

Der Kopfsatz (Allegro non troppo) verbindet die Sonatensatz-Disposition (Hauptthema, Seitenthema und Schlussgruppe in einer Exposition, Durchführung, Reprise der Exposition und Coda) mit mehreren Variationsreihen, wobei das viertönige Hauptmotiv eine Vielzahl von Metamorphosen erlebt. Die herkömmliche Festsetzung von thematischem Material in der Exposition reicht Brahms nicht mehr aus, eigentlich beginnt das Variieren schon mit dem zweiten, veränderten Auftreten des Hauptmotivs. Dieses doppelgleisige Verfahren bewirkt den ungemein dichten, verschlungenen und verwobenen Charakter der Musik.

Der zweite Satz (Andante moderato) wird von einem ernsten, feierlichen The­ma in den Bläsern eingeleitet und bringt dann, wie in einem Sonatensatz, ein Seitenthema. In der Folge baut Brahms auf dem Terzintervall unruhigere Episoden auf, ehe nunmehr die Streicher in einem lan­gen, choralhaften Abschnitt das ernste Bläserthema in eine tröstliche Stimmung umwandeln. In diesem Satz fällt durch gele­gentliche Färbungen in der phrygischen Kirchentonart schon ein sakraler An­klang auf, der dann im Finale seine Bestätigung findet.

Als dritten Satz (Allegro giocoso) komponierte Brahms eine Art Burleske. Die grundlegende C-Dur-Fröhlichkeit des Satzes wird durch rhythmische Akzente und dynamische Kontraste mitunter ins Übertriebene gesteigert. In der klanglichen Gestaltung wird das Instrumentarium gegenüber den sonstigen Sätzen um Piccoloflöte, Kontrafagott, eine dritte Pauke und Triangel erweitert. Brahms verbindet Elemente der Sonatenhauptsatzform mit dem Rondo. Seitensatzgruppen erfüllen die Funktion der Couplets, während das Hauptthema in verschiedenen Abstufungen vom strahlenden Jubel bis zu graziler Bewegung aufscheint.

Im Finalsatz (Allegro energico e passionato) baut Brahms auf einem Thema aus der Bach-Kantate «Nach Dir, Herr, verlanget mich» (BWV 150) eine grandiose Passacaglia auf, die mit ihrem Charakter des unentwegt Fortschreitenden offenbar die Unendlichkeit des Todes gegenüber der Vergänglichkeit des Lebens darstellt. Blechblasinstrumente, die zuvor nicht zum Einsatz kamen, exponieren die sakralmusikalischen Themen: Posaunen, die schon seit dem 17. Jahrhundert und später etwa auch in der Salzburger Kirchenmusikpraxis der Mozart-Zeit ein besonderes Klangsymbol religiöser Musik waren. Das Passacaglia-Thema erlebt 30 Variationen, Brahms kehrt also auch in seinem letzten Symphoniesatz zu der von ihm so geschätzten Form der Variation zurück. Die Bläser führen – wie im zweiten Satz – das Thema ein. Die Form eines Sonatensatzes erzielt Brahms hier über den Umweg von differenzierter Gestaltung des einzigen Themas in den klanglichen, dynamischen, harmonischen und rhythmischen Bereichen. Der Satz erlangt in der Flötenvariation und der folgenden Variation von Oboe, Klarinette und Celli eine innige und tieftraurige Phase, aus der die Bläsergruppe mit der Wiederkehr der entschiedenen Gestalt des Satzbeginns herausführen. Bis zu den markanten Schlussvariationen und zum letzten Akkord behält Brahms aber eine dunkle Stimmung bei.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Rainer Lepuschitz

Joseph Haydn

Symphonie D-Dur Hob. I:6 «Le Matin»

Sätze

  • Adagio - Allegro

  • Adagio - Andante

  • Menuet

  • Finale. Allegro

Dauer

21 Min.

Entstehung

1761

Die Sonne geht auf in der symphonischen Musik: Wer denkt da nicht zuerst an Edvard Griegs «Morgenstimmung» und Richard Strauss´ «Also sprach Zarathustra»? Doch schon bei Joseph Haydn, also lange bevor sich die sogenannte Programm-Musik in der Orchesterliteratur etabliert hatte, finden sich musikalische Darstellungen, in der sich Zeitwahrnehmung und Zeiterfahrung wie die Tageszeiten und damit einhergehende Abläufe im Tagesrhythmus widerspiegeln. Der vom Orchester illuminierte Sonnenaufgang in Haydns Oratorium «Die Schöpfung» ist als klassisches Beispiel musikalischer Naturbeschreibungen bekannt. Bereits 1761, also 35 Jahre zuvor, fasste Haydn mit seiner Symphonie Nr. 6 eine Sonnenaufgangsszenerie in Töne.

Am 1. Mai 1761 hatte er seinen Dienstvertrag als Vizekapellmeister am Fürstenhaus Esterházy in Eisenstadt unterschrieben und gab seinen Einstand mit einem ganzen Bündel an Symphonien: Nicht eine, nein, drei Kompositionen dieser Gattung sollten ihm die Gunst des Hofes sichern. Dass die Tageszeiten-Trilogie Haydns einziger symphonischer Zyklus bleiben sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt freilich noch niemand. Was also lag näher, als den Morgen, «Le Matin», nach barockem Vorbild in einer langsamen, ausschließlich den Streichern vorbehaltenen Adagio-Einleitung aufsteigen zu lassen? Gleich darauf schnellt jubelnd wie die Morgenlerche die erste Passage der Soloflöte empor und stimmt mit dem Allegro jenen Musizierstil an, der Haydns «Tageszeiten»-Zyklus so einzigartig macht: die Verschmelzung des Konzertierens nach barockem Concerto-grosso-Prinzip und des gestalterischen Raffinements der Wiener Klassik. Nicht zuletzt deshalb hat der Tonkünstler-Chefdirigent Yutaka Sado den Zyklus in das Programm seiner ersten Konzertsaison mit dem Orchester aufgenommen; «Le Midi» und «Le Soir» wird er 2016 in weiteren Konzerten dirigieren.

«Le Matin» erwies sich für den gerade erst 29-jährigen Haydn als genialer Schachzug: Er sah für jeden seiner Musiker eine solistische Aufgabe vor, stellte seinen Arbeitgeber zufrieden und gab somit einen grandiosen Auftakt am Hof in Eisenstadt. Man betrachte nur die Vielfalt der Solopartien: Der erste Satz, kurz und spritzig, bleibt solistisch der Flöte vorbehalten, das ausgedehnte, dreiteilige Adagio ist ein Konzertsatz für Solovioline und Streichorchester. Durch den dritten Satz, ein Menuett mit Trio-Teil, defiliert eine ganze Parade von Soloinstrumenten ? zuerst die Soloflöte, danach sämtliche weitere Blasinstrumente. Im Trio kommt das Fagott zu unerwarteten Ehren, das Haydn in seinen früheren Symphonien fast ausschließlich zur Verstärkung des Basses besetzte. Und, sogar: ein Solo-Kontrabass!

Das sich aufschwingende Motiv der Soloflöte wird im vierten Satz, einem Allegro im Zweivierteltakt, von der Solovioline und vom Tutti aufgegriffen und zieht sich in munteren Auf- und Abwärtsbewegungen durch das gesamte Finale. Faszinierend, was Haydn mit einer schlichten D-Dur-Tonleiter, formiert als Sechzehntel-Lauf, alles anzufangen weiß! Der «Urvater der Symphonie» zeigt hier nicht nur seine frühe Meisterschaft und seinen kreativen Geist, sondern lässt auch schon seine Größe als Wegbereiter der Wiener Klassik erahnen. Mit ihrem unwiderstehlichen Charme, ihrer spritzigen Eleganz und heiter-gelösten Ausstrahlung gehört Haydns «Le Matin» zweifellos zu jenen seiner eher selten (ein-)gespielten Orchesterwerken, die eine weitaus stärkere Präsenz im modernen Musikleben verdienen. Bei aller aphoristischen Kürze trumpft die Symphonie mit Innovationsgeist und spielerischer Energie auf, und ihre Aufführung ist den Interpreten eine dankbare Herausforderung ? damals wie heute.

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Ute van der Sanden