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Einojuhani Rautavaara

Konzert für Harfe und Orchester

Sätze

  • Pesante

  • Adagietto

  • Solenelle

Dauer

23 Min.

Entstehung

2000

Er ist der Doyen der finnischen Musik: Einojuhani Rautavaara. 1928 in Helsinki geboren, erreichte er erst in den 1990er Jahren international die ihm gebührende Anerkennung, nachdem er in Finnland längst zu den bedeutendsten Meistern seiner Zunft zählte. Viele Jahre prägte Rautavaara als Kompositionsprofes-sor auch die junge Generation finnischer Komponisten an der Sibelius-Akademie. Er selbst durchmaß unterschiedliche Phasen in seinem schöpferischen Leben, während derer er sich stilistisch vom Neoklassizismus über strenge Dodekaphonie bis zu seinem seit den 1980er Jahren gepflegten frei-tonalen Neo-Romantizismus entwickelte. In diese Richtung geht auch sein heute gespieltes Harfenkonzert.

Wie so oft lässt sich die Fülle an Werken, die ein Komponist während eines langen Lebens schreibt, letztendlich viel besser unter «Personalstil» einordnen, der in Rautavaaras späten Jahren eine deutliche mystische Note trägt. Er schätzte früh den hohen Wert der Intuition und der Bestimmung eines schöpferisch tätigen Menschen, der, einer Hebamme gleichend, Kunst in unsere Welt bringt, die bereits außerhalb unserer Wahrnehmung existiert. Er komponierte acht Symphonien, Konzerte für unterschiedliche Soloinstrumente, Kammermusik, Chorwerke und eine ganze Reihe von Opern.

Über sein etwa 20-minütiges Harfenkonzert schrieb er im Jahr der Uraufführung: «Als ich im März 1999 Minneapolis besuchte, schlug man mir vor, ein Harfenkonzert für das Minnesota Orchestra zu komponieren. Konzerte für Harfe sind recht selten, vielleicht, weil Komponisten das Instrument nicht sonderlich gut kennen. Seine Konstruktion und die Spieltechnik erweisen sich als problematisch, und dazu ist es schwierig, ein ausreichendes Gleichgewicht zwischen Soloinstrument und Orchester herzustellen. Ich selbst hatte schon früher eine Ballade für Harfe und Streichorchester komponiert. Um sicher zu gehen, dass die Solopartie des neues Konzerts auch spielbar war, bat ich zwei Harfenistinnen, Skaila Kanga in London und Reija Bister in Helsinki, sie aus der Sicht des Interpreten zu kommentieren. Für die spätere Veröffentlichung wurde die Solopartie zusätzlich von Kathy Kienzle, der Solistin bei der Uraufführung im Oktober 2000 in Minneapolis, durchgesehen und korrigiert.»

Rautavaara weiter: «Das Orchester ist mit den üblichen Streichern, Bläsern und Schlaginstrumenten besetzt. Dem Soloinstrument habe ich zusätzlich zwei Orchesterharfen zur Seite gestellt, da ich, wenn nötig, einen üppigen, prachtvollen Harfenklang erzeugen wollte. Nach der langsamen Orchestereinleitung des Pesante wird die Musik immer dramatischer. Es treten ungewöhnliche Harfentechniken und Effekte auf, beispielsweise überschäumende Akkorde, metallische Klänge oder Donner. Das Adagietto beginnt als archaisch anmutendes, schlichtes Wiegenlied. Allmählich wird er mittels langer, für die Harfe typischer gebrochener Akkorde immer sanglicher. Das Finale wird Solenne, das heißt feierlich als Dialog zwischen drei Harfen und dem Orchester gespielt. Wieder scheint die Musik zum Drama hin zu tendieren. Bis sie zur Anfangstextur zurückkehrt, wobei man auch das erste Thema aus der Einleitung des ersten Satzes vernimmt.»

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Markus Hennerfeind