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Witold Lutoslawski

«Mala suita» | «Kleine Suite» für Orchester

Sätze

  • Fujarka

  • Hurra-Polka

  • Lied

  • Tanz

Dauer

11 Min.

Die Freude am Experimentieren und Auskundschaften alternativer Wege - diese Merkmale zählen zu den wichtigen Eigenschaften einer Künstlerpersönlichkeit. Witold Lutoslawski ist ein Paradebeispiel für einen sich wandelnden und immer wieder neu erfindenden Komponisten; sein OEuvre entstand über einen Zeitraum von annähernd 70 Jahren und umfasste mehrere Schaffensperioden: Unter dem strengen Auge der stalinistischen Kulturpolitik, die auch in Polen bindend war, begann Lutoslawskis Karriere mit vorsichtigen Schritten. Aneignungen polnischer Volksmusik finden sich in vielen seiner Werke bis zur Entstalinisierung; Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt dieser Schaffensphase war das Konzert für Orchester (1950-54).

Ein schon früher entstandenes Meisterstück dieser Periode ist die heute aufgeführte «Mala suita», also eine «Kleine Suite», die 1949 bei Lutos?awski von einem Rundfunkensemble in Auftrag gegeben wurde, das sich auf Arrangements traditioneller Musik spezialisiert hatte. Für den Komponisten war der Auftrag eine Gelegenheit, der von ihm selbst so bezeichneten «Gebrauchsmusik » besondere Qualitäten zu verleihen und den einfachen Melodien «ein völlig neues Gesicht» zu geben, wie er sagte. Zur Anwendung kam eine Technik, in der die einfachen Weisen an sich unverändert blieben, durch die unüblich harmonische Ausgestaltung entstand aber ein gänzlich neuartiger Höreindruck.

Die vier Sätze der Suite beziehen ihre Melodien aus der polnischen Region Rzeszów und haben insgesamt einen betont bodenständigen Charakter: Fujarka (Pfeifchen) eröffnet mit einer verträumten Melodie, begleitet von den Streichern. Rasch übernimmt das Orchester die Führung und bringt mit einem stark an Strawinskis «Le sacre du printemps» erinnernden Rhythmus mehr Tempo ins Spiel. Die kleine Flötenmelodie tritt immer wieder mit dem Orchester in einen Dialog und lässt den Satz zu einem breiten Akkord hin ausrollen, bevor sie nochmals einsam verhallt. Weiter geht die muntere Landpartie mit der Hurra-Polka, die in wenigen Takten ein ausgelassenes Fest auf dem Dorfplatz schildert und in starkem Kontrast steht zur folgenden Piosenka (Lied). Auch hier eröffnet ein einsames Blasinstrument (Klarinette), zu dem sich bald die Flöte gesellt und mit einer einfachen Melodie den bukolischen Charakter der Suite unterstreicht. Das Orchester tritt fast unbemerkt hinzu und verwandelt die Piosenka in einen schwelgerischen Strom voll Wehmut, bis das Orchester mit zwei ruhigen Akkorden den Satz beschließt. Der finale Taniec (Tanz) ist der längste Satz der «Kleinen Suite» und zeigt die harmonische Feinarbeit Lutoslawskis besonders eindrucksvoll. Nach einer spritzigen Eröffnung beschwört das Orchester im ruhigeren Mittelteil große Landschaftsbilder herauf, um wieder zur Munterkeit des Anfangs zurückzukehren. Wie ein kecker Nachsatz wirken die letzten Takte, die mit Klamauk das Werk herrlich abrunden.

NÖ Tonkünstler Betriebgesellschaft m.b.H. | Alexander Moore