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Carl Nielsen

Ouvertüre zur Oper «Maskarade»

    Dauer

    5 Min.

    Entstehung

    1905

    Carl Nielsen gilt heute als der bekannteste dänische Komponist und wird gern umstandslos in einer Handbewegung mit seinen Zeitgenossen Grieg und Sibelius in die «skandinavische Schublade» gelegt. Die sich daraus ergebende gedankliche Trias tut den drei Komponisten großes Unrecht an – nicht zuletzt weil jeder von ihnen einen eigenen, ganz und gar unnachahmlichen Stil entwickelte und die Männer teils nicht einmal miteinander persönlich bekannt waren. Und so ist die Aufführung der Ouvertüre zu «Maskarade», die in Dänemark als Nationaloper verehrt wird, ein guter Anlass, um Carl Nielsen etwas besser kennenzulernen.

    Auf Fünen als siebtes von zwölf Kindern im Jahr 1865 geboren, wuchs Carl Nielsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Von seinem Vater und einem Lehrer seines Heimatorts erhielt er zunächst Violinunterricht. Später wechselte er zur Trompete, um einen Platz in der Militärkapelle zu bekommen. Man ermöglichte ihm schließlich das Musikstudium in Kopenhagen, wo Carl Nielsen unter anderem bei Nils Gade studierte und fleißig lernte. 1889 wurde er als Geiger in die Königliche Hofkapelle aufgenommen, in etwa zu dieser Zeit entstand seine erste Komposition, die Streichersuite op. 1. In den 1890er-Jahren machte sich Carl Nielsen einen lokalen Namen, der große Durchbruch gelang aber erst viel später im Jahr 1912 mit seiner Symphonie Nr. 3 «Espansiva» und dem Violinkonzert. In diesen Werken erlangte Nielsen mit seiner unverkennbar kantigen, ja mitunter schroffen Tonsprache schließlich internationale Aufmerksamkeit.

    Ganz und gar lieblich geht es in «Maskarade» zu, die Carl Nielsens einzige komische Oper darstellt. Entstanden nach einer Rokoko-Komödie von Ludvig Holberg (dessen Name uns aus Edvard Griegs Suite «Aus Holbergs Zeit» bestens bekannt ist), wurde das Lustspiel 1724 uraufgeführt und richtete sich zu seiner Zeit als scharfer Protest gegen eine behördliche Einschränkung von Maskenfesten. Nicht ganz 200 Jahre später griffen Carl Nielsen und der Librettist Vilhelm Andersen zu dem einst aufrührerischen Stoff, um eine hinreißende Geschichte auf die Bühne zu zaubern, die an der Schwelle zum 18. Jahrhundert angesiedelt ist: Zwei wohlhabende Väter haben beschlossen, ihre Kinder zu verheiraten. Auf einem Maskenball lernen sich die beiden zufällig kennen, ohne um die Identität der oder des jeweils anderen zu wissen. Die Kinder verlieben sich und setzen sich bei ihren jeweiligen Eltern für ihre gemeinsame Liebe ein – bis am Ende die Masken fallen und sich alles in Wohlgefallen auflöst.

    Ganz im Stil der Opera buffa legt Carl Nielsen die Musik zu seinem Bühnenwerk unbeschwert und heiter an. Die Ouvertüre zu «Maskarade» greift die zahlreichen eingängigen Melodien der folgenden Oper auf und versprüht Heiterkeit und Lebensfreude. Die energischen Klänge heben den Vorhang zu einem großen Fest, mit dionysischer Kraft drängt die Musik vorwärts und treibt die Hörer in einen hell erleuchteten Ballsaal, in dem wir uns schon bald wiederfinden werden.

    Das Spielerische durchzog auch die Entstehung des Werks selbst: Um die Abgabefrist für «Maskarade» einzuhalten, reichte Nielsen sein Werk unvollständig ein. Als man das Stück schließlich zur Vorstellung zuließ, stellte Nielsen in aller Eile noch die fehlenden Teile fertig. Die heute aufgeführte Ouvertüre wurde erst eine Woche vor der Uraufführung am 11. November 1906 fertig, was ihrem unglaublichen Erfolg bis heute keinen Abbruch tut. Noch heute zählt die «Maskarade»-Ouvertüre zu den populärsten Stücken aus Nielsens Feder.

    © NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Alexander Moore