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Sektionen

Carl Maria von Weber

Ouvertüre zur Oper «Oberon»

Sätze

  • Adagio sostenuto ed il tutto pianissimo possibile - Allegro con fuoco

Dauer

9 Min.

Entstehung

1826

Carl Maria von Weber war bereits schwer an der Schwindsucht erkrankt, als er im Winter 1826 nach London reiste, um an der Oper von Covent Garden die Uraufführung seiner Oper «Oberon» vorzubereiten. Nach Webers 1821 in Berlin uraufgeführtem Geniestreich «Der Freischütz» und einem Erfolg mit «Euryanthe» in Wien 1823 wollte auch London eine Oper des gefeierten Komponisten und Königlichen Kapellmeisters von Dresden haben. Weber, der noch im Umfeld der Wiener Klassik aufwuchs und u. a. bei Michael Haydn in Salzburg und Abbé Vogler in Wien studierte, wurde mit seinen Musiktheaterwerken zum Begründer der romantischen deutschen Oper und Wegbereiter für Wagners Musikdrama. Dabei darf man nicht übersehen, dass Weber vor seinem Wirken als Operndirektor in Prag und Dresden und seinen kompositorischen Opernerfolgen eine beachtliche Laufbahn als Konzertpianist eingeschlagen und Instrumentalmusik wie Sonaten, Charakterstücke und Konzertstücke für Klavier sowie Symphonien komponiert hatte. Es war dann auch seine Orchestersprache, die durch ein besonders differenziertes Klangfarbenspektrum und anschauliche Instrumentierung zu einem eigenständigen dramaturgischen Faktor der Opern wurde.

Überwältigend, wie in der «Oberon»-Ouvertüre nach der geheimnisvollen und flirrenden Einleitung der Allegro-Jubel losbricht. Das Kernmotiv von Oberons Hornruf am Beginn verbindet in der Folge insgesamt sieben verschiedene Themen aus der Oper. Der Ursprung des Hornmotivs zeigt, wie sorgfältig Weber die musikalische Stimmung seiner Opern plante und vorbereitete. Um die Welt des Orients in der Geschichte von «Oberon» musikalisch adäquat zu erfassen, arbeitete er originale arabische Themen ein, die er in musikwissenschaftlichen Abhandlungen fand. Die markante aufsteigende Terz aus einem ägyptischen Marsch und einem türkischen Tanz machte Weber zum typischen Signal von Oberons Hornruf.

Der Elfenkönig Oberon «inszeniert» nach einem Streit mit seiner Gattin Titania, ob denn nun Männer oder Frauen in der Liebe treuer seien, eine Liebesgeschichte, die den Ritter Hüon von Bordeaux nach Bagdad führt, wo er die Kalifentochter Rezia entführt und freit. Das Paar wird durch Oberons Zutun in zahlreiche kritische Situationen gebracht, doch die Beiden bleiben einander trotz aller Ablenkungsmanöver und Trennungen treu. Am Ende sind sie glücklich vereint und Oberon und Titania ziehen in friedlicher Gemeinsamkeit auf einer Wolke vorüber. Musikalischer Höhepunkt der Oper ist zweifellos Rezias Ozeanarie, in der sie die Verwandlung des Meeres von einem stürmischen Ungeheuer zu einem im Sonnenlicht strahlenden Wellenkreis schildert. Harmonik und Motivsymbolik bereiten in dieser Arie bereits Wagners Musiksprache vor. Die Thematik von Rezias Jubel nimmt Weber als effektvollen Schluss in der Ouvertüre vorweg.

Auch «Oberon» wurde zu einem Triumph für Weber, der über die Stimmung bei der Premiere am 12. April 1826 an seine Frau, die Sängerin Caroline Brandt, schrieb: «Wie ich ins Orchester trat, erhob sich das ganze überfüllte Haus und ein unglaublicher Jubel, Vivat- und Hurra-Rufen, Hüte- und Tücher-Schwenken empfing mich und war kaum wieder zu stillen.» Wenige Wochen später starb Weber entkräftet in London. 1844 veranlasste Richard Wagner die Überführung von Webers sterblicher Hülle nach Deutschland und die Beisetzung in Dresden.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Rainer Lepuschitz