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Traum des Gerontius

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Interpreten

Programm

Ein alter Mann stirbt. Seine Gebete, die Fürbitten der Freunde und die Segenssprüche des Priesters sind verklungen. Ein Schutzengel lotst seine Seele vorbei an gierigen Dämonen und, nach der Fürsprache des Todesengels und der Reinigung im Fegefeuer, ihrer endgültigen Erlösung zu: Starker Stoff für ein starkes Stück Musik! Edward Elgars «The Dream of Gerontius» steht in England auf der Hitliste der meistgespielten Oratorien nach Händels «Messiah» und Mendelssohns «Elias». Es basiert auf einer fast 900 Zeilen umfassenden Dichtung des seligen Kardinals John Henry Newman und wurde 1900 in Birmingham unter der Leitung von Hans Richter uraufgeführt. Der englische Nationalkomponist Elgar betrachtete sein gut anderthalbstündiges, voluminös besetztes Oratorium immerhin als sein Hauptwerk. Gemeinsam mit den Tonkünstlern musizieren renommierte Vokalsolisten und der Wiener Singverein; am Pult steht Michael Schönwandt, seit Jahren gern gesehener Gastdirigent des Orchesters.

Sarah Connolly und Tenor Steve Davislim mussten ihre ursprünglich für dieses Programm vorgesehenen Engagements krankheitsbedingt absagen. Ihre Solopartien werden kurzfristig von Mezzosopranistin Sara Fulgoni und Tenor David Butt Philip übernommen.

Matthew Rose

© Lena Kern

Biografie

Der britische Bassist Matthew Rose studierte am renommierten Curtis Institute of Music und wurde darauf Ensemblemitglied des Royal Opera House Covent Garden. 2006 debütierte er beim Glyndebourne Festival und sang seither auch an der Mailänder Scala, in Lyon, Houston und New York. In verschiedenen Mozart-Opern war er an der Bayerischen Staatsoper in und der Deutschen Oper in Berlin zu erleben. Zu seinen jüngeren Engagements zählen sein Debüt als Baron Ochs in Chicago und als Raimondo in «Lucia di Lammermoor» am Royal Opera House in London. Als Konzertsänger trat er beim Edinburgh Festival und bei den BBC Proms auf. Außerdem ist er mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und Kent Nagano sowie mit der achten Symphonie von Mahler mit dem London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Vladimir Jurowski zu erleben.

Auch als Liedgestalter ist Matthew Rose weltweit gefragt. Er trat im Concertgebouw Amsterdam, in der Londoner Wigmore Hall und im Kennedy Center in Washington auf. In der aktuellen Saison stehen Schuberts «Winterreise» mit Gary Matthewman in der Wigmore Hall ebenso im Gastspielkalender wie ein Programm mit Werken von Purcell, Britten, Loewe und Schubert in der New Yorker Carnegie Hall. Zu seinen CD-Aufnahmen gehört die von der Kritik gefeierte «Winterreise» mit dem Pianisten Gary Matthewman und der «Schwanengesang» mit Malcolm Martineau, eingespielt bei Stone Records.

Stand

2017

Mitwirkend bei

Traum des Gerontius

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Wiener Singverein

Biografie

Seit mehr als 150 Jahren beweist der Wiener Singverein, dass Amateure Musik auf höchstem Niveau machen können. Der Chor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zählt zu den besten Konzertchören der Welt. 1812 wurde die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ins Leben gerufen. Für die «Chorübungsanstalt» der jungen Gesellschaft wurde Antonio Salieri als Leiter verpflichtet.

1858 entschloss sich die Gesellschaft der Musikfreunde zu einer neuen Organisation ihres Musiklebens. Während die Instrumentalmusik in die Hände von Profis übergegangen war, sollte die Chormusik die Domäne der Liebhaber bleiben. So entstand der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien als Zweigverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Mit dem jungen Johann Herbeck am Pult erreichte der neu formierte Chor von Beginn weg ein Spitzenniveau, das ihn zum begehrten Interpreten bedeutender Uraufführungen machte. So hob der Singverein 1867 die ersten drei Sätze des Brahms-Requiems aus der Taufe, sang 1898 die erste vollständige Aufführung von Verdis «Quattro pezzi sacri» - mit der Uraufführung des «Ave Maria» - und war Premieren-Chor bei Bruckners «Te Deum», Mahlers achter Symphonie und Franz Schmidts «Buch mit sieben Siegeln».

Mit Herbert von Karajan trat der Singverein ins Medienzeitalter ein. Während der mehr als vier Jahrzehnte dauernden Partnerschaft sang der Chor unter Karajan rund 250 Konzerte und war exklusiver Partner bei Oratorienaufnahmen auf Schallplatte und Video.

Mit Johannes Prinz - Chordirektor seit 1991 - ging der Wiener Singverein ins 21. Jahrhundert. Der Chor arbeitet heute regelmäßig mit den international wichtigsten Dirigenten zusammen, darunter Daniel Barenboim, Bertrand de Billy, Riccardo Chailly, Gustavo Dudamel, Vladimir Fedosejev, Mariss Jansons, Zubin Mehta, Riccardo Muti, Seiji Ozawa, Georges Prêtre, Sir Simon Rattle und Christian Thielemann.

Unter Thielemann war der Chor 2010 Partner der Wiener Philharmoniker bei einer DVD-Neuproduktion der Beethoven-Symphonien. Weitere international beachtete Schallplattenaufnahmen des Wiener Singvereins entstanden zuletzt mit Mahlers zweiter und dritter Symphonie unter Pierre Boulez - letztere wurde mit dem Grammy ausgezeichnet. 2013 erschien der Livemitschnitt des Jubiläumskonzerts zum 200. Geburtstag der Gesellschaft der Musikfreunde: Unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt sang der Singverein Händels «Timotheus» in der Fassung von 1812. Auch diese CD wurde international ausgezeichnet.

In der Konzertsaison 15-16 ist der Chor in einem eigenen Singvereins-Zyklus der Gesellschaft der Musikfreunde im Musikverein zu hören. Daneben wird er regelmäßig zu internationalen Gastauftritten eingeladen. Bei den Salzburger Festspielen trat er 2013 unter Gustavo Dudamel und Riccardo Chailly auf, 2014 unter Daniel Barenboim. Höhepunkt seiner Tourneen in der Saison 13-14 waren Konzerte mit Beethovens neunter Symphonie in Japan, dirigiert von Christian Thielemann. Unter Thielemann sang er im Herbst 2010 auch Mahlers achte Symphonie in München.

Stand

2016

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Johannes Prinz

© Studio Wilke

Biografie

Johannes Prinz, 1958 in Wolfsberg, Kärnten, geboren, kam in einem musisch geprägten Elternhaus schon früh mit der Musik in Berührung. Im Alter von neun Jahren wurde er Mitglied der Wiener Sängerknaben und fand in Ferdinand Grossmann einen wichtigen Lehrer, der seinen weiteren Weg ebenso bestimmte wie Erwin Ortner, bei dem er zahlreiche Chorleiterkurse besuchte.

Seine akademische Ausbildung absolvierte Johannes Prinz an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Er schloss die Studien der Musik- und Instrumentalmusikerziehung und die Ausbildung zum Gesangslehrer mit Auszeichnung ab. Zusätzlich studierte er hier Dirigieren bei Karl Österreicher.

Von 1982 bis 1992 leitete er den neu gegründeten Chor der Wiener Wirtschaftsuniversität, der in kurzer Zeit international bekannt und bei hochrangigen Wettbewerben mit ersten Preisen ausgezeichnet wurde. Von 1988 bis 1995 übernahm er zusätzlich die Leitung des Kammerchors der Wiener Musikuniversität, von 1995 bis 2007 die des Wiener Kammerchors.

Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien verpflichtete Johannes Prinz 1991 als Chordirektor des Wiener Singvereins. Unter seiner Leitung hat der Chor sein Renommee als einer der international herausragenden Konzertchöre gefestigt. Konzertprojekte mit führenden Orchestern unter den weltbesten Dirigenten bezeugen dies ebenso wie Einladungen zu Festivals, internationale Tourneen und Auszeichnungen für Schallplattenaufnahmen.

Als Gast übernahm Johannes Prinz Choreinstudierungen beispielsweise beim Bayerischen Rundfunkchor, beim Berliner Rundfunkchor, beim RIAS-Kammerchor, beim Spanischen Rundfunkchor Coro de RTVE und bei der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor. 2003 leitete er zusammen mit Maria Guinand aus Venezuela den World Youth Choir. In den vergangenen Jahren profilierte sich Johannes Prinz auch vermehrt als Orchesterdirigent. Er arbeitete dabei mit den Wiener Symphonikern, dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien und dem Tschaikowski-Symphonieorchester Moskau und anderen Klangkörpern zusammen.

1985 erhielt Johannes Prinz einen Lehrauftrag an der Wiener Musikuniversität. Seit 2000 ist er Universitätsprofessor für Chorleitung an der Kunstuniversität Graz. Er leitet regelmäßig internationale Chorleiterkurse und Masterclasses und ist Jurymitglied bedeutender Chorwettbewerbe.

Gerne, sagt Johannes Prinz, könne man seine Biografie auf einen Satz kürzen. Der hieße dann: Johannes Prinz - Chorleiter aus Passion.

Stand

2016

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Sara Fulgoni

Sara Fulgoni

Biografie

Sara Fulgoni tritt in den großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt auf und ist für ihr vielfältiges Repertoire, ihre nuancenreiche Stimme und ihre bemerkenswerte Bühnenpräsenz bekannt. Zu den wichtigsten Rollen ihrer Laufbahn gehört die Carmen in Bizets gleichnamiger Oper. Die Mezzosopranistin sang diese Partie beispielsweise in Toulouse, Valencia und Genf, an der Walisischen und an der Englischen Nationaloper sowie -+ als erste westliche Interpretin seit der Kulturrevolution - beim Pekinger Musikfestival.

Die britische Sängerin erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1993 den zweiten Preis der Kathleen Ferrier Awards. Nachdem sie das barocke und klassische Opernrepertoire erarbeitet hat, beschäftigt sie sich nun zunehmend mit dramatischen Partien und ist damit weltweit erfolgreich - ob in Barcelona, Toulouse, Amsterdam, Lyon, Montpellier, Wien oder Salzburg, ob an der Mailänder Scala, der Bayerischen Staatsoper oder an der San Francisco Opera. Als Konzertsängerin arbeitete sie mit Vladimir Ashkenazy, Riccardo Chailly, Giuseppe Sinopoli und Jukka-Pekka Saraste zusammen. Viele CD-Aufnahmen dokumentieren ihr Wirken, darunter Cherubinis d-Moll-Messe mit Riccardo Muti und die Puccini-Oper «Suor Angelica» mit Antonio Pappano. In der Saison 16-17 ist sie als Fricka in der «Walküre» von Wagner zu erleben, eine der Eröffnungsproduktionen an der neuen Grange Park Opera im englischen Surrey.

Stand

2017

Mitwirkend bei

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David Butt Philip

David Butt Philip

Biografie

Der britische Tenor David Butt Philip, aufgewachsen in Somerset, war Chorknabe an der Kathedrale von Peterborough. Er absolvierte die Royal Academy of Music in London und das Jette Parker Young Artists Programme des Königlichen Opernhauses. 2011 erhielt er den John Christie Award in Glyndebourne, drei Jahre später gab er an der English National Opera sein gefeiertes Debüt als Rodolfo in Puccinis «La Bohème». Künftige Verpflichtungen beinhalten weltweit Aufgaben im Opern- und Konzertfach, darunter das Rollendebüt als Erik in Wagners «Der fliegende Holländer», die Partie des Froh im «Rheingold», Beethovens Neunte mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio und mit dem London Philharmonic Orchestra sowie Elgars «The Dream of Gerontius» und Händels «Messiah».

David Butt Philip verfügt über ein breites Bühnenrepertoire und sang in Mussorgskis «Boris Godunow» ebenso wie in Puccinis «Madama Butterfly», Bizets «Carmen» und weiteren Schlüsselpartien seines Stimmfachs von Mozart, Verdi und Richard Strauss. Im Konzertbereich war der Sänger mit der Märchenkantate «Das klagende Lied» von Mahler, mit Rossinis «Petite Messe solennelle», Verdis Requiem und der «Nelson-Messe» sowie der «Schöpfung» von Haydn zu hören. Dabei arbeitete er mit Dirigenten wie Wladimir Jurowski und führenden Londoner Orchestern zusammen. Rezitals in der Wigmore Hall gestaltete er zusammen mit Simon Lane und dem Solstice Quartet.

Stand

2017

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Michael Schonwandt

Biografie

Michael Schønwandt war von 2000 bis 2011 Musikdirektor der Königlichen Kapelle und der Königlich Dänischen Oper in Kopenhagen, mit der er schon seit 1979 eng verbunden ist. Von 2010 bis 2013 war er als Chefdirigent der Niederländischen Radio-Kammerphilharmonie tätig. Auch als Chef des Berliner Sinfonie-Orchesters - heute Konzerthausorchester Berlin - und als erster Gastdirigent des Théâtre de la Monnaie in Brüssel, des Dänischen Nationalen Radio-Symphonieorchesters, des Königlich Philharmonischen Orchesters Flandern und der Staatsoper Stuttgart macht er sich einen Namen. Mit Beginn der Spielzeit 15-16 übernahm er das Amt des Chefdirigenten des Orchesters der Opéra National de Montpellier.

Neben seiner engen Verbindung zur Kopenhagener Oper dirigierte Michael Schønwandt an führenden Opernhäusern: Royal Opera House Covent Garden in London, Théâtre de la Monnaie in Brüssel, Wiener Staatsoper, Opéra National de Paris, Deutsche Oper Berlin sowie in Bayreuth. Als international gefragter Konzertdirigent leitete er die Berliner und die Wiener Philharmoniker, die Wiener Symphoniker und das RSO Wien, das Royal Concertgebouw Orchestra, das Philharmonia Orchestra London, das London Philharmonic Orchestra, das London Symphony Orchestra und viele weitere Klangkörper. Sein besonderes Interesse für dänische Musik spiegelt sich in Gesamtaufnahmen der Symphonien von Carl Nielsen, Niels Gade and Christopher Weyse wider. Erstaufführungen dänischer Komponisten beinhalten die Oper «The Handmaid´s Tale» von Poul Ruders, die mittlerweile auch in einer preisgekrönten CD-Einspielung unter seiner Leitung vorliegt.

In den kommenden Spielzeiten Michael Schønwandt unter anderem am Royal Opera House Covent Garden, an der Opera National de Paris, an der Staatsoper Wien, beim Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam und dem Mozarteum Orchester Salzburg sowie beim Orchester der Komischen Oper Berlin.

Stand

2016

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Traum des Gerontius

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Edward Elgar

«The Dream of Gerontius» für Soli, Chor und Orchester op. 38

    Dauer

    100 Min.

    Entstehung

    1899

    John Henry Newman (1801?1890), anglikanischer Pfarrer an der Universitätskirche von Oxford, wandte sich nach einer Italienreise und einem Aufenthalt in Rom von der evangelikalen Theologie ab und fand über die Lehren der Alten Kirche zum Katholizismus. Die römisch-katholische Kirche erschien ihm als einleuchtende Fortführung der Urkirche. Als Kardinaldiakon die zentrale Persönlichkeit des britischen Katholizismus im 19. Jahrhundert, leitete Newman die Kongregation der Oratorianer in England und verfasste neben einer Reihe von Lehrschriften und Traktaten auch Gedichte mit geistlichen Inhalten, darunter 1865 «The Dream of Gerontius». In fast 900 Zeilen und einem teils lyrischen, teils dramatischen Stil schildert Newman darin das Sterben eines alten Mannes und das Aufsteigen seiner Seele in die Ewigkeit.

    1991, ein Jahrhundert nach seinem Tod, wurde John Henry Kardinal Newman CO vom amtierenden Papst Johannes Paul II. der Titel «Ehrwürdiger Diener Gottes» zuerkannt. Anlässlich der Überführung seiner sterblichen Überreste 2008 in die Oratorianer-Kirche in Birmingham fand man im Sarg John Henry Newmans lediglich Kleiderreste vor. Schließlich wurde Newman 2010 bei einem Gottesdienst in Birmingham von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen.

    Edward Elgar wuchs als Sohn eines Klavierstimmers und Musikalienhändlers in Worcester auf, wo der Vater, ein Protestant, als Organist in der katholischen Kirche von St. George wirkte. Die Mutter des am 2. Juni 1857 geborenen Edward war fünf Jahre davor zum katholischen Glauben konvertiert, ihr Ehemann folgte ihr darin erst auf dem Sterbebett. Ihre Kinder ließen sie katholisch taufen. Edward Elgar, der - vom väterlichen musikalischen Umfeld inspiriert - bereits im Alter von zehn Jahren erste Kompositionsversuche unternahm, erlernte mehrere Instrumente, neben Violine, Orgel und Klavier auch Fagott. Der Musiker gab Instrumentalunterricht - dabei lernte er in der Klavierschülerin Caroline Alice Roberts seine spätere Ehefrau kennen - und spielte Violine in verschiedenen regionalen Orchestern, so auch beim «Three Choirs Festival», das alle drei Jahre in Worcester, alternierend mit Gloucester und Hereford, stattfand. In dessen Rahmen wurden schließlich die ersten Chor-Orchester-Kompositionen Elgars aufgeführt, die den Komponisten innerhalb der englischen Chorszene bekannt machten: die Kantate «The Black Knight» und das Oratorium «The Light of Life».

    Um die Jahrhundertwende gelang Elgar mit seinen «Enigma Variations» für Orchester und dem Chor-Orchesterwerk «The Dream of Gerontius» der nationale und internationale Durchbruch. Er erlangte den Status des bedeutendsten britischen Komponisten seit Purcell. Die wichtigsten und einflussreichsten Musiker seiner Zeit wie der Dirigent Hans Richter und der Geiger Fritz Kreisler widmeten sich Elgars Musik. Als dem Komponisten kurz vor der Jahrhundertwende vom Vorsitzenden des angesehenen Birmingham Triennial Music Festival den Vorschlag erhielt, Kardinal Newmans Gedicht «The Dream of Gerontius » zu vertonen, ging er darauf bereitwillig ein, war dem Katholiken das geistlich-literarische Werk Newmans doch innig vertraut. Gemeinsam mit dem Geistlichen Richard Bellasis schuf Elgar eine gegenüber der Dichtung gestraffte Textfassung zur Vertonung.

    Das Sterben des Gerontius - der Name ist abgeleitet vom griechischen Wort für Greis: géron -, seine Gebete, Träume und seine Furcht vor dem Tod sowie der Beistand der Freunde und der Segen des Priesters bilden fast ungekürzt gegenüber Newmans Dichtung den ersten Teil. Die literarisch sechs verschiedenen Abschnitte vom Weg der Seele des Gerontius in das Jenseits fasste Elgar zum zweiten Teil seines Werkes zusammen, behielt aber die wesentlichen Handlungsstränge der Dichtung bei: Die Seele, erwartet und begleitet von einem Schutzengel, wandert durch die Himmelsräume. Vorbei an den Dämonen und den klagenden Seelen im Fegefeuer sowie mit Unterstützung der fürbittenden Engel gelangt sie für einen Augenblick in die Gegenwart Gottes und wird mit Fürsprache des Todesengels in die höchsten Sphären zu den Gerechten aufgenommen.

    Elgar vertonte den mystisch-transzendentalen Stoff mit einer feierlichen und friedvollen Musik. Er fühlte sich kompositorisch in die Ängste des Sterbenden ein und spürte den Fragen der Seele nach. Das Jenseits hüllte er in mysteriöse und ekstatische Klänge. Den irdischen Faktor der Zeit setzt Elgar außer Kraft, indem er den ersten wie den zweiten Teil jeweils ohne Unterbrechung als Strom in die Ewigkeit komponiert, in dem die Harmonien und Melodien ineinanderfließen. Diese musikalische Form gewann Elgar aus der Struktur der Dichtung und setzte sich damit von der traditionellen Anlage eines Oratoriums und der Unterteilung in Rezitative, Arien und Chöre ab. Er schuf ein geistliches Musikdrama für Gesangssolisten, Chor und Orchester. Auf dem Titelblatt steht: «The Dream of Gerontius by Cardinal Newman set to music by Edward Elgar op. 38». Das Wort Oratorium sparte er aus. Elgar sah sein sakrales Werk auch als ein Epos über «einen im Leben ganz und gar weltlich eingestellten Mann, der nun Rechenschaft ablegen muss. Darum habe ich seinen Part nicht mit Kirchenklängen ... angefüllt, sondern mit guter, ehrlicher, vollblütiger, romantisch erinnerter Weltlichkeit». Elgar vertonte seine Vision von Tod und Verklärung.

    Richard Strauss war es übrigens, der anlässlich der kontinentalen Erstaufführung von «The Dream of Gerontius» 1901 beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf Elgar als «the first English Progressivist» bezeichnete und so wie andere Fachleute voll des Lobes über Elgars Chor-Orchesterwerk war. Womit diese Aufführung den «Gerontius» auf seinen Erfolgsweg brachte, denn die Uraufführung 1900 in Birmingham hatte in einem Desaster geendet. Ihre mangelnde Qualität lag daran, dass durch die späte Lieferung des Notenmaterials nur sehr wenig Probenzeit zur Verfügung stand und dadurch vor allem der Chor mit Elgars zuhöchst komplexer Komposition überfordert war.

    Elgar knüpft ein Netz von Leitmotiven und setzt die Instrumente des Orchesters als dramatischen Gestaltungsfaktor auf ausdrucksstarke und symbolkräftige Weise ein. In einem bedeutsamen Orchester-Präludium werden die fünf wesentlichen Motive vorgestellt, die im Verlaufe der weiteren Komposition den Themenbereichen Gericht, Furcht, Gebet, Schlaf und Schmerz zugeordnet werden. Die monumentale Komposition verläuft von d-Moll aus nach D-Dur, im Barock die Tonart Gottes - D stand damals für «Deus». Mit der Titelfigur schuf Elgar eine große Tenorpartie, die sich mit einer lyrisch-expressiven Charakteristik gegen die klangmächtigen Ensembles des Chors und des Orchesters behauptet. Ein gewichtiges Wort hat der Bass-Solist als Priester und Todesengel mitzureden. Im zweiten Teil immer an der Seite und im Dialog mit der Seele des Gerontius ist der Schutzengel (Mezzosopran). Von ihm begleitet besteht die Seele die jenseitigen Abenteuer und gelangt mit ihm schließlich in verklärte Sphären.

    Dem Chor kommen vielerlei Rollen zu. Er singt die ins Gebet vertieften Freunde des Gerontius in angedeuteter alter kirchenmusikalischer Praxis teilweise choraliter, dann wieder in Wechselgesängen, ähnlich liturgischen Antiphonen. Im zweiten Teil verkörpert der Chor zunächst die Dämonen, die in einer teuflischen Doppelfuge hämisch nach der Seele geifern. Es folgen die Engel, die Gottes Herrlichkeit preisen - zunächst verklärt mit Frauenstimmen, dann in einem grandios zum Höhepunkt gesteigerten Himmelschor. Die betenden Stimmen von der Erde werden wie ein unendlich entferntes Rauschen zu Gehör gebracht, ehe von den Seelen im Fegefeuer der Psalm «Lord, Thou hast been our refuge» angestimmt wird. Alle Musik läuft in dem Werk auf jenen Moment inmitten des zweiten Teils zu, in dem die Seele die Herrlichkeit Gottes zu schauen bekommt. Ein einziger Akkordschlag erklingt: «For one moment, must every instrument exert its fullest force», schrieb Elgar in die Partitur. Ein Klangblitz auf dem Sonnenton A leuchtet auf. Das Unvorstellbare - hier wird's Ereignis.

    © Nö Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Rainer Lepuschitz