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Sektionen

Archiv: Japan Tournee

Toyama Aubade Hall

Interpreten

Programm

Ray Chen

© unbenannt

Biografie

Als Gewinner der Queen Elisabeth Competition 2009 und der Yehudi Menuhin Competition 2008 ist Ray Chen einer der heutzutage überzeugendsten jungen Violinisten. Er veröffentlichte drei von den Kritikern gelobte Alben, wobei eines davon, «Virtuoso», mit dem renommierten ECHO Klassik ausgezeichnet wurde. Mit den Göteborger Symphonikern und Kent Nagano absolvierte Ray Chen eine Fünf-Städte-Tour durch China, mit dem London Philharmonic Orchestra und Christoph Eschenbach ging er auf Europa-Tournee. Im Jahr 2012 war Ray Chen der jüngste Solokünstler, der jemals in dem vom Fernsehen übertragenen Konzert für die Nobelpreispreisträger und die Schwedische Königsfamilie auftrat. Sein Debüt in der Carnegie Hall mit dem Königlichen Philharmonischen Orchester aus Stockholm und Sakari Oramo wurde ebenso mit Standing Ovations quittiert wie sein ausverkauftes Konzert im Musikverein mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Riccardo Chailly. Durch seine zahlreichen Anhänger auf Social Media-Plattformen schafft er es, die klassische Musik auch für ein jüngeres Publikum interessant zu machen. So schreibt er als erster Klassikkünstler überhaupt einen Blog über sein Leben als tourender Solist für RCS Rizzoli, den größten Verlag Italiens.

Der in Taiwan geborene und in Australien aufgewachsene Ray Chen wurde im Alter von 15 Jahren am Curtis Institute of Music aufgenommen und spielt auf der Stradivarius «Joachim» aus dem Jahr 1715, die ihm leihweise zur Verfügung gestellt wird. Er ist stets bemüht, die Grenzen zwischen klassischer Musik, Mode und Popkultur zu durchbrechen und wird von Giorgio Armani unterstützt. Auch das Lifestyle-Magazin «Vogue» hat bereits über ihn berichtet.

Stand

2016

Yutaka Sado

Biografie

Yutaka Sado, in Kyoto geboren, gilt als einer der bedeutendsten japanischen Dirigenten unserer Zeit. Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich ist er seit der Saison 15-16. Ob Berliner Philharmoniker, Konzerthausorchester Berlin, Bayerisches Staatsorchester, die Symphonieorchester von BR, NDR, SWR und WDR, ob Gewandhausorchester Leipzig, Sächsische Staatskapelle Dresden, London Symphony Orchestra, Orchestre de Paris, Mahler Chamber Orchestra oder Santa Cecilia Rom: Die Liste der Orchester, die Yutaka Sado dirigiert hat bzw. wieder dirigieren wird, ist beeindruckend. Seine Karriere entwickelte sich außerhalb Japans zunächst vor allem in Frankreich, wo er 1993 Chefdirigent des Orchestre Lamoureux in Paris wurde.

Der langjährige Assistent von Leonard Bernstein und Seiji Ozawa gewann wichtige Preise wie den Premier Grand Prix des 39. Internationalen Dirigierwettbewerbs Besançon und den Grand Prix du Concours International L. Bernstein Jerusalem. Seine Verbundenheit zu Bernstein führte ihn als «Conductor in Residence» zum Pacific Music Festival in Sapporo. Seit 2005 ist Yutaka Sado Künstlerischer Direktor des Hyogo Performing Arts Center (PAC) und Chefdirigent des PAC-Orchesters. Sados Bekanntheitsgrad in Japan ist enorm, nicht zuletzt dank einer wöchentlichen TV-Sendung, in der er als Dirigent und Moderator Musikfreunden die Welt der klassischen Musik näherbrachte.

Stand

2016

Mitwirkend bei

Yiddish Rhapsody

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Grossbritannien Tournee

Manchester Bridgewater Hall

Grossbritannien Tournee

Leeds Town Hall

Grossbritannien Tournee

London Cadogan Hall

Grossbritannien Tournee

London Cadogan Hall

Grossbritannien Tournee

Nottingham Royal Concert Hall

Grossbritannien Tournee

London Cadogan Hall

Grossbritannien Tournee

Cardiff St David's Hall

Grossbritannien Tournee

Edinburgh Usher Hall

Sabine Meyer spielt Mozart

Wien Musikverein | Großer Saal

Sabine Meyer spielt Mozart

Wien Musikverein | Großer Saal

Tschaikowski 5

Grafenegg Auditorium

Tschaikowski 5

Wien Musikverein | Großer Saal

Tschaikowski 5

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Tschaikowski 5

Wien Musikverein | Großer Saal

Bruckners Unvollendete

Wien Musikverein | Großer Saal

Bruckners Unvollendete

Wien Musikverein | Großer Saal

Bruckners Unvollendete

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Sommernachtsgala 2017

Grafenegg Wolkenturm

Sommernachtsgala 2017

Grafenegg Wolkenturm

Festival-Eröffnung

Grafenegg Wolkenturm

Ludwig van Beethoven

Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

Sätze

  • Allegro ma non troppo

  • Larghetto -

  • Rondo. Allegro

Dauer

42 Min.

Entstehung

1806

Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 wurde am 23. Dezember 1806 in Wien mit Franz Clement als Solisten uraufgeführt. Es blieb für lange Zeit die einzige Aufführung. Erst nach Beethovens Tod schenkten Geiger vereinzelt dem Werk wieder Beachtung, so auch Henri Vieuxtemps 1833 in Wien. Als Meisterwerk entdeckt und erkannt wurde das Konzert aber erst 1844 in London, wo es der damals 13jährige Joseph Joachim, der spätere enge künstlerische Wegbegleiter von Johannes Brahms, unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy spielte. In der romantischen Epoche erkannte man die außergewöhnlich lyrischen, ja poetischen Qualitäten dieses Werkes, die allerdings ganz eng mit dem Interpreten der Uraufführung zusammenhingen. Franz Clement wurde von seinen Zeitgenossen insbesondere wegen der «unbeschreiblichen Zierlichkeit» seines Spiels und der «äußerst lieblichen Zartheit» seines Tons gerühmt. Beethoven arbeitete im Frühjahr 1806 anlässlich der Aufführung der Oper «Fidelio» mit Clement, dem Konzertmeister im Theater an der Wien, zusammen. Dies dürfte der äußere Anlass für Beethoven gewesen sein, ein Violinkonzert «par clemenza pour Clement» («aus Gnade für Clement») zu schreiben, wie auf dem Titelblatt der autographen Partitur vermerkt ist. Clement hat sich zweifellos intensiv mit Beethoven und dessen Konzert auseinandergesetzt, denn der Komponist arbeitete die Solostimme nach der Uraufführung noch zweimal um.

Das Konzert erhielt aber auch noch eine andere Gestalt. Denn einige Monate nach der Uraufführung hätte Beethoven bei einer neuerlichen «gnadenvollen» Zueignung für einen Solisten auf der Titelseite nur ein «i» hinter Clement anfügen müssen. Der Pianist, Komponist und Verleger Muzio Clementi regte während eines Wien-Aufenthalts 1807 Beethoven an, das Violinkonzert für eine Drucklegung in ein Klavierkonzert umzuwandeln, was dieser auch tat, einerseits sicher wegen des lukrativen finanziellen Angebots, andererseits wohl auch, weil ihm an der Musik des Werkes besonders viel gelegen war. Zweifellos schmerzte Beethoven die geringe Resonanz auf das Violinkonzert.

Für die Zeitgenossen mussten die großräumige Konzeption des Werkes und sein besonderer Ausdrucksgehalt irritierend wirken. Bedeuteten schon Mozarts ein Vierteljahrhundert zuvor entstandenen Violinkonzerte einen enormen Entwicklungsschub für diese Gattung, weg von der barocken Concerto-Tradition der Italiener, so tat Beethoven noch einmal einen Riesenschritt, indem er mit einer ausgeweiteten motivischen Verarbeitung und einer symphonischen Anlage die Form des Violinkonzertes für das 19. und das beginnende 20. Jahrhundert prägte. Im rückblickenden Vergleich ist dieses Werk den viele Jahrzehnte später entstandenen Violinkonzerten von Brahms, Tschaikowski und Sibelius viel näher als den Gattungsgenossen des späten 18. Jahrhunderts.

In Beethovens Werk findet sich zwar das mit Figurationen und konzertierenden Elementen durchsetzte Muster des Violinkonzertes, wie er es von den Zeitgenossen Rodolphe Kreutzer und G. B. Viotti kannte, doch es wird überlagert von einer epischen Melodik und der Konzentration auf die kantablen Vorzüge der Violine. Beethovens Musik bringt das Instrument tatsächlich zum Singen, unterstützt und solistisch begleitet von den «atmenden» Holzbläsern, insbesondere dem Fagott (in allen drei Sätzen), aber auch der Oboe und Klarinette.

Die Holzbläser sind es auch, die im ersten Satz das erste Thema vorstellen. Von einem Hauptthema kann man nicht sprechen, denn Beethoven reiht mehrere miteinander verwandte Themen aneinander, die entweder einen ausgeprägten «sanglichen» Charakter haben oder symphonisch-wuchtig in Erscheinung treten. Auch ein Seitenthema im traditionellen Sinn gibt es nicht, denn wenn es der formalen Gesetzmäßigkeit entsprechend auftritt, entpuppt es sich als Weiterentwicklung der vorangegangenen Thematik. Damit entfällt auch der Kontrast zwischen den Themengruppen. Vielmehr tragen die einzelnen Themensegmente gleichzeitig Innigkeit und Erhabenheit in sich.

Spannung erzeugt Beethoven vielmehr durch ein Motiv, mit dem das Werk eröffnet wird und das mehr als fünfzig Mal wiederkehrt: fünf gleiche pochende Töne, zunächst von der Pauke intoniert. Das ruft die Stimmung eines fernen Marsches hervor, der immer wieder geheimnisvoll, drohend, aber mitunter auch zielführend im kantablen Geschehen durchklingt. Die symbolische Bedeutung dieses Motivs strich Beethoven in der Klavierfassung des Werkes noch hervor, indem er die Paukenschläge in die Kadenz einbaute (Kadenzen für das Violinkonzert hat Beethoven keine hinterlassen).

Der Solist braucht in diesem Violinkonzert, besonders im ersten Satz, einen enorm langen Atem. Nach der umfassenden und fesselnden Exposition des Orchesters steigt aus dessen Tiefen die Solovioline hervor und schwingt sich in höchste Lagen auf. Die einzelnen Themensegmente erklingen nun immer wieder in einsamen Höhen als zarter, ja manchmal fragiler Gesang. Zwischendurch verbindet das Orchester die Thematik wieder mit der Erde und setzt imposante symphonische Zeichen. Das Soloinstrument hält sich in diesen Phasen mit Figurationen und Trillerketten in Bewegung, um dann wieder seinen Gesang anzustimmen. Am Ende des Satzes hat sich die Gewissheit durchgesetzt, dass auch Sanftheit Stärke entfalten kann.

Im langsamen Mittelsatz schlägt Beethoven jenen berührenden Ton an, den man aus seinen beiden Romanzen für Violine und Orchester kennt. Die Erfüllung einer formalen Ordnung tritt hier vollkommen in den Hintergrund. Das affirmative Thema besitzt so viel Ausdruckskraft, dass es, umsungen von der Solovioline, alleine durch den ganzen Satz hindurch getragen werden kann, verändert nur durch unterschiedliche Klangfärbungen. Sein punktierter Auftaktrhythmus mündet am Ende des Satzes in eine imposante Streicherpassage, an die unmittelbar das Finalrondo anschließt. Das einfache, aus Dreiklangszerlegungen gebildete Rondothema im 6/8-Takt, von der Solovioline eingeführt, löst sich aus der bisherigen lyrischen Stimmung des Werkes und schlägt einen flotten und heiteren Ton an. Dem Gesang folgt nun der Tanz, der mitunter zur Motorik wird. Das traditionelle konzertierende Moment wird als zuhöchst unterhaltsames Frage- und Antwortspiel zwischen Soloinstrument und Orchester abgehandelt. Dabei wird die Violine am Ende sogar keck – ein Wesenszug, den man ihr nach den ersten beiden Sätzen überhaupt nicht zugetraut hätte. Das Orchester treibt den Satz mit dramatischem Brio an und beschließt ihn markant mit einer Achtel- und einer Viertelnote, der bestimmenden Grundkombination des Rondothemas.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Rainer Lepuschitz

Richard Strauss

«Ein Heldenleben» Tondichtung op. 40

Sätze

  • Der Held

  • Des Helden Widersacher

  • Des Helden Gefährtin

  • Des Helden Walstatt

  • Des Helden Friedenswerke

  • Des Helden Weltflucht und Vollendung

Dauer

45 Min.

Entstehung

1897-99

 Richard Strauss  hatte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Komponist und Dirigent in ganz Europa einen Namen gemacht: 1898 trat er seine neue Stelle in Berlin an, als Erster königlich-preußischer Hofkapellmeister, nachdem er zum zweiten Male im Unfrieden aus München, wo er sich später so zu Hause fühlen sollte, geschieden war. Man wollte ihm dort den vakanten Posten des Generalmusikdirektors nicht geben – der knapp Fünfunddreißigjährige schien den Verantwortlichen noch zu unerfahren, obwohl er in seinem Werkverzeichnis bereits zur Ziffer 40 vorgedrungen war, als Konzert- und Operndirigent in Meiningen, München und Weimar gewirkt und sich sein Ruf über die Landesgrenzen hinaus längst gefestigt hatte. Doch ließ sich’s der gewitzte Strauss nicht verdrießen und fand in Berlin Arbeitsbedingungen vor, die ihm später erlaubten, seine bisher noch relativ kläglich verlaufene Karriere als Opernkomponist voranzutreiben. Bis zur Komposition seines «Heldenlebens» hatte er ja bloß den relativ wenig erfolgreichen «Guntram» geschrieben, eine dreiaktige, sehr an Wagner orientierte, nach eigenem Libretto komponierte Heldenoper. Seine symphonischen Dichtungen waren, bis auf den Nachzügler «Alpensinfonie» (1915) allesamt vor den wichtigen Opern entstanden (auch die «Sinfonia domestica» wurde ein Jahr vor der «Salome» uraufgeführt). Damit erscheint es uns heute fast ein wenig verfrüht, wenn Strauss noch vor seinen großen Opernerfolgen ein Werk wie das «Heldenleben» komponierte, das zwar nicht nur autobiographisch konzipiert sein dürfte, aber auf jeden Fall direkte Parallelen zu seinem Leben zulässt.

Am 15. April 1897 notierte Strauss in ein Tagebuch: «Sinfonische Dichtung Held und Welt beginnt Gestalt zu bekommen; dazu als Satyrspiel Don Quixote.» Gleichzeitig also arbeitete Strauss an zwei Tondichtungen: Die eine hat eine literarische Figur im Zentrum, die andere einen nicht näher bezeichneten anonymen Helden, der sich ebenso gegen echte oder eingebildete Widersacher auflehnt, liebt, kämpft und schließlich der Welt entsagt. Die beiden verhalten sich dennoch wie ein recht ungleiches Zwillingspaar, wobei Strauss knapp nach den seinem Tagebuch anvertrauten Zeilen an Gustav Kogel, den Dirigenten der Frankfurter Museumskonzerte, schrieb: «Don Quixote und Heldenleben sind so sehr als direkte Pendants gedacht, daß besonders Don Qu. erst neben Heldenleben voll und ganz verständlich ist. Da es zudem die allererste (entscheidende) Aufführung von Heldenleben ist, läge mir viel daran. Es ist ja dann ein stark fortschrittliches Programm […] Aber für die allererste Aufführung von Heldenleben darf ich schon ein bißchen frech sein.» Nun, eine Doppelaufführung sollte es nicht werden, nicht zuletzt deshalb, weil der «Don Quixote» schon ein Jahr früher fertig war. Doch ein weiterer Bezug zu einem anderen Werk der Musikgeschichte ist es, auf den Strauss selbst gerne, mit einem deutlichen Augenzwinkern, hinwies: «Da Beethovens Eroica bei unseren Dirigenten so sehr unbeliebt ist und daher nurmehr selten aufgeführt wird, componiere ich jetzt, um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, eine große Tondichtung Heldenleben betitelt (zwar ohne Trauermarsch, aber doch in Es-dur, mit sehr viel Hörnern, die doch einmal auf Heroismus geeicht sind).» Eine echte Verwandtschaft mit Beethovens Symphonie gibt es nicht, obwohl Strauss im April 1898 in sein Tagebuch notierte: «An Eroica etwas weiter arbeitend.» Am 3. März 1899 schließlich war es so weit: Richard Strauss selbst brachte das Wilhelm Mengelberg und dem Concertgebouworchester Amsterdam gewidmete Werk bei den Frankfurter Museumskonzerten zur Uraufführung.

Ursprünglich waren den einzelnen Teilen des «Heldenlebens» Zwischenüberschriften zum besseren Verständnis vorangestellt, die Strauss jedoch später streichen ließ. Obwohl sie demnach in modernen Partituren nicht mehr stehen, haben sich die eingangs aufgeführten sechs programmatischen Hinweise dennoch als guter Leitfaden durch das Werk etabliert und bis heute erhalten – zumal damit auch die Themen eindeutig zuordenbar sind. Die Eröffnung der  symphonischen Dichtung präsentiert den «Helden». Drei Themen werden ineinander verwoben, wobei das erste, hoch aufragende, die tragende Rolle behält. Durch eine klare Zäsur davon abgetrennt schleichen sich meckernd «Des Helden Widersacher» hinein und unterbrechen eine weitere Aufbauschung des zuvor ungestört vor sich hin triumphierenden Helden. Das neue Thema wird von der Flöte, «scharf und spitzig» vorgestellt, von den anderen Holzbläsern übernommen und erfährt durch eine Bordunquint im tiefen Blech seine gewissermaßen kleinkarierte Grundierung. Strauss’ Vater meinte dazu: «Die Widersacher, das geht nach meiner Ansicht etwas zu sehr übers Musikalische hinaus, denn solche Widersacher, die sich so unschön benehmen, lässt man – unter seiner Würde – links liegen.» Zu bildhaft erschien die drastische Darstellung der Kritiker sowohl Vater Strauss als auch vielen damaligen Hörern. Sie alle konnten aber, ebenso wie die Widersacher im Werk selbst, durch die erhobenen Hauptes auftretende Mitstreiterin in Form der Solovioline, «Des Helden Gefährtin», wieder beruhigt werden. Diese Gefährtin will erst umschmeichelt werden, erweist sich eine Zeit lang durchaus als widerspenstig, bevor der sich immer mehr aufbäumende Held nach einer letzten, heftigen Weigerung in Form einer Kadenz der trotzigen Violine (mit «schnell und keifend» überschrieben) und langsamer Zähmung sich endlich mit seiner Gefährtin in schönster Zweisamkeit vereint.

In den Schluss dieser zuletzt so herrlich in sich ruhenden Liebeswelt mischt sich von ferne das Motiv der Widersacher, bevor schließlich die Fanfaren der Fern-Trompeten den nahenden Kampf ankündigen: «Des Helden Walstatt» betreten Held und Gefährtin gemeinsam, erheben sich immer wieder unbezwungen über die Widersacher, begleitet von heftigem Schlachtengetrommel. Das Thema des Helden wird darin zunehmend stärker, aber immer wieder von den Widersachern und den Kampffanfaren zerteilt – wie auch die anderen Themen gewissermaßen wortwörtlich im Schlachtgetümmel in Stücke zerrissen werden. Der Held geht schließlich gestärkt aus den Kämpfen  hervor – sein Thema wird jetzt vom ganzen Orchester getragen, bevor sich wieder kurz die Kritiker in Form der leeren Quint im tiefen Blech einmengen: Diesmal schreitet der Held nicht zum Kampf, sondern lässt «Des Helden Friedenswerke» für sich sprechen. Hier hat Strauss Themen seiner bisherigen Werke mit denen des «Heldenlebens» vereint: «Don Juan», «Till Eulenspiegel», «Tod und Verklärung», «Macbeth», «Also sprach Zarathustra», «Guntram» oder sogar das Lied «Traum durch die Dämmerung» sind darin verarbeitet. Doch die leere Quint ertönt erneut, der Held ist wütend und begehrt auf, durch heftige Streicherfiguren repräsentiert. Es bleibt ihm nur, sich zurückzuziehen (das Heldenthema wird gewissermaßen wütend in der Luft zerrissen) und, eingeleitet von wiegenden Figuren des Englischhorns, «Des Helden Weltflucht und Vollendung» zu betreiben. In diese friedlichen Gefilde, dessen Thema die Gefährtin schon früher vorgestellt hat, mischen sich ein letztes Mal die Widersacher, dringen ein in den beruhigten Kosmos. Erst die Solovioline der Gefährtin verhilft dem Helden, die Widersacher endgültig hinter sich zu lassen und sie stimmt ein in den elegischen, erfüllten Abgesang, aus dem sich der Held ein letztes Mal aufbäumt, bevor er in sich zusammensinkt.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Markus Hennerfeind