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Archiv: Probenbesuch | Bilder einer Ausstellung

Wien Musikverein | Gläserner Saal

Vladislav Sulimsky

Biografie

Geboren in Weißrussland, absolvierte Vladislav Sulimsky das Rimski-Korsakow-Konservatorium in St. Petersburg und nahm an Meisterklassen bei Elena Obraztsova, Dmitri Hvorostovsky, Vladimir Atlantov, Dennis O'Neal und Renata Scotto teil. Er gewann den 2. Platz beim Elena Obraztsova Wettbewerb in Moskau und erste Preise bei der International Rimski-Korsakow Competition und dem Giacomo Lauri-Volpi Wettbewerb in Rom. Seit 2004 ist Vladislav Sulimsky Mitglied des Mariinski-Theaters, wo er etwa als Rodrigo in «Don Carlo», Germont in «La traviata» und Belcore («L'elisir d'amore») zu erleben war. Des Weiteren trat er an der Opéra de Paris, am Teatro Real in Madrid, am Teatro Regio di Torino und an der Deutschen Oper Berlin auf. Am Bolschoi-Theater in Moskau stand er in Tschaikowskis «Die Zauberin» und als Eugen Onegin auf der Bühne.

In den vergangenen Jahren gab Vladislav Sulimsky sein Debüt am Musiktheater Malmö als Miller in Verdis «Luisa Miller», er trat als Conte di Luna in «Il trovatore» am Mariinski-Theater sowie als Rodrigo («Don Carlo») im Festspielhaus Baden-Baden auf und sang am Theater an der Wien den Fürsten Kurjatew («Die Zauberin»). In der Spielzeit 15-16 debütierte er am Theater Basel als Verdis Macbeth, im Sommer 2016 als Alberich («Das Rheingold») beim Edinburgh International Festival. Im Juni und Juli 2017 wird er als Tomskij in Tschaikowskis «Pique Dame» an der Oper Stuttgart zu erleben sein.

Stand

2017

Dmitrij Kitajenko

© Gert Mothes

Biografie

Dmitrij Kitajenko gehört zu den großen Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit. Seit Jahrzehnten leitet er regelmäßig die bedeutenden Orchester Europas, Amerikas und Asiens. In Leningrad (heute St. Petersburg) geboren, studierte er zunächst an der berühmten Glinka-Musikschule und am Rimski-Korsakow-Konservatorium, später bei Leo Ginzburg in Moskau sowie bei Hans Swarowsky und Karl Österreicher in Wien. 1969 war er Preisträger beim 1. Internationalen Herbert-von-Karajan-Dirigierwettbewerb und wurde mit 29 Jahren Chefdirigent des Stanislawski-Theaters. 1976 übernahm er die Leitung der Moskauer Philharmoniker. Später war er u. a. Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters und des Bergen Philharmonic Orchestra. Seit 2012 ist Dmitrij Kitajenko Erster Gastdirigent des Konzerthausorchesters Berlin. Im September 2015 ernannte ihn das Qatar Philharmonic Orchestra zum Ehrendirigenten.

Mit dem Gürzenich-Orchester Köln, dessen Ehrendirigent er seit 2009 ist, hat Kitajenko preisgekrönte Einspielungen der Symphonien von Schostakowitsch, Prokofjew, Tschaikowski und Rachmaninow vorgelegt. Insgesamt umfasst seine Diskografie mehr als 250 Aufnahmen. Im Herbst 2016 erschien Tschaikowskis «Nussknacker» und Strawinskis Divertimento aus «Der Kuss der Fee». Für sein Lebenswerk und seine Einspielungen erhielt Dmitrij Kitajenko im März 2015 den «Lifetime Achievement Award» bei den International Classical Music Awards.

Stand

2017

Modest Mussorgski

Vorspiel zur Oper «Chowanschtschina» (Bearbeitung: Dmitri Schostakowitsch)

    Dauer

    6 Min.

    Es ist keine Überraschung, dass Opern und Vokalkompositionen sowie programmatische Werke eine große Rolle in Mussorgskis Schaffen spielen, wenn auch viele davon unvollendet geblieben sind - zum Teil, weil er sich voller Enthusiasmus lieber in ein neues Projekt stürzte, als das vorherige abzuschließen; zum Teil, weil sich die Arbeit an manchen Werken über Jahre hinzog und Krankheit und früher Tod die Fertigstellung verhinderten. Seine großartige Oper «Chowanschtschina» etwa reüssierte erst posthum und zunächst in der verfälschenden Instrumentierung von Rimski-Korsakow, dann in einfühlsameren Versionen von Strawinsky, Schostakowitsch und anderen auf der Bühne. Der Titel lässt sich ungefähr mit «Die Chowanski-Schweinerei» übersetzen: Die Historienoper behandelt eine vom Chowanski-Clan gestellte korrupte Staatsmacht und die blutig ausgetragene Kirchenspaltung im orthodoxen Glauben während des 17. Jahrhunderts. Das beliebte Vorspiel, das auch den heutigen Abend eröffnet, setzt als symphonische Dichtung mit lyrischem Zauber die Schönheit des erwachenden Morgens über dem Fluss Moskwa auf dem Roten Platz in Musik. Die Kirchenkuppeln erglänzen im Licht der aufgehenden Sonne, die Glocken rufen zur Frühmesse - eine zarte Idylle, die sich schockartig von den kommenden Ereignissen absetzt. Für das heutige Konzert haben sich Dmitrij Kitajenko und das Orchester für die 1959 entstandene Instrumentierung von Dmitri Schostakowitsch entschieden.

    NÖ Tonkünstler Betriebgesellschaft m.b.H. | Walter Weidringer

    Modest Mussorgski

    «Lieder und Tänze des Todes» für Singstimme und Orchester (Instrumentierung: Edison Denissow)

    Sätze

    • Wiegenlied

    • Ständchen

    • Trepak

    • Der Feldherr

    Dauer

    20 Min.

    Entstehung

    1875/77 (1983)

    «Meine handelnden Personen sollen auf der Bühne sprechen, wie lebendige Menschen reden, aber dabei so, dass Charakter und Kraft der Intonation der handelnden Personen, gestützt vom Orchester, welches das musikalische Gewebe ihres Sprechens bildet, ihr Ziel direkt erreichen, d. h., meine Musik soll die künstlerische Nachbildung der menschlichen Rede in all ihren feinsten Biegungen sein, d. h., die Töne der menschlichen Rede als äußere Erscheinungsformen des Denkens und Fühlens, sollen, ohne Übertreibung und Zwang, zu einer wahrheitsgetreuen, genauen, aber künstlerischen, hochkünstlerischen Musik werden.» Was der 29-jährige Mussorgski 1868 im Hinblick auf die Oper geschrieben hat, gilt auch für die Charaktere in seinen Liedern.

    Die «Lieder und Tänze des Todes» entstanden 1875 und 1877 parallel zur «Chowanschtschina» für Singstimme und Klavier nach Gedichten von Arseni Arkadjewitsch Golenischtschew- Kutusow. Der ursprünglich geplante Titel «Danses macabres» spielt auf die Totentanz-Zyklen der bildenden Kunst an, die im 14. Jahrhundert aufkamen. Sie zeigen, wie alle Menschen, von den Ärmsten der Armen bis zu den höchsten geistlichen und weltlichen Autoritäten, ungeachtet ihres Standes vom sprichwörtlichen Sensenmann geholt werden; außerdem dachte Mussorgski an eine größere Sammlung. Schließlich ist es bei vier Liedern geblieben - «balladeske Gesänge, deren jeder vom Sterben eines Menschen, der vierte vom Massensterben in der Schlacht handelt», schreibt der Lied-Experte Werner Oehlmann. Der Tod - in der russischen Sprache übrigens weiblichen Geschlechts - singt nacheinander ein krankes Kind in den ewigen Schlaf, er umwirbt ein junges Mädchen, das am Fieber zugrunde geht, er tanzt mit einem betrunkenen Bauern, der auf dem Heimweg vom Wirtshaus im Schnee erfriert, und «er befiehlt als Feldherr den Gefallenen des Schlachtfeldes», erläutert Oehlmann. Stets erscheint er dabei «in zweideutiger Gestalt als überredender Verführer und als harter, allmächtiger Triumphator, aber nicht eigentlich als böser, zerstörender Dämon, sondern trotz des Grauens, das ihn umgibt, als mitleidiger Erlöser, der die leidenden Menschen zur Ruhe führt.» Mussorgski kleidet das, eng an den Text angeschmiegt, in düstere Farben und unheimliche Wendungen, vermittelt aber auch einen tröstlichen Aspekt am Sterben, der selbst wieder Grauen verursachen mag. Der russische Komponist Edison Denissow hat die «Lieder und Tänze des Todes» 1983 in ein orchestrales Gewand gekleidet, das diese Intentionen einfühlsam und farbenreich verstärkt.

    NÖ Tonkünstler Betriebgesellschaft m.b.H. | Walter Weidringer