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Concierto de Aranjuez

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

  1. St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal
    In Kürze verfügbar

    In Kürze verfügbar

    Das Konzert ist zur Zeit exklusiv im Abo erhältlich. Einzelkarten ab 20.5.17.

Interpreten

  • Pablo Sáinz Villegas, Gitarre
  • Tung-Chieh Chuang, Dirigent

Programm

Auf die Frage nach seinem wichtigsten Charakterzug antwortete Joaquín Rodrigo einmal, er sei ein Träumer – und zum Träumen lädt seine Musik besonders im langsamen Satz des berühmten «Concierto de Aranjuez» ein. Inspiriert von persönlichen Erinnerungen an die prachtvollen Gärten des Königlichen Palastes von Aranjuez, vermitteln die tänzerischen Ecksätze etwas von höfischem Zeremoniell und beschwingter Freude, das elegische Adagio aber erinnert an die «Saeta», einen andalusischen Bitt- und Betgesang, der dem Flamenco nahesteht und als herzzerreißende, manchmal auch ohrenbetäubende Klage während der Karwoche angestimmt wird. Pablo Sáinz Villegas, die «Seele der spanischen Gitarre», ist der Solist in diesem populären Herzstück eines Programms unter der Leitung des preisgekrönten jungen taiwanesischen Dirigenten Tung-Chieh Chuang. Umrahmt wird es von Gabriel Faurés elegischer Pavane und von der jugendlich unbeschwerten, mitreißenden dritten Symphonie Franz Schuberts.

Gabriel Fauré

Pavane für Orchester fis-Moll op. 50

Sätze

  • Allegretto molto moderato

Dauer

7 Min.

Entstehung

1887

In eine für den heutigen Hörer ebenso eigentümliche Welt wie in «Pelléas et Melisande» führt auch Gabriel Faurés Pavane für Orchester. Das bezaubernde, nur etwa sieben Minuten lange Stück entstand bereits 1886, also zwölf Jahre vor der Orchestersuite. Fauré hatte es ursprünglich nur für Orchester konzipiert und dabei eine herausragende Rolle für Flöte und Klarinette vorgesehen. Auf Bitten seiner Gönnerin Gräfin Greffulhe fügte er 1887 Chorpartien ein, die im wesentlichen den Part der genannten Soloinstrumente übernehmen. In dieser Form wurde das Werk ein Jahr später im Rahmen der Konzerte Lamoureux in Paris aufgeführt. Schließlich gestattete Fauré der Gräfin, sein Stück für eine Veranstaltung im Bois du Bologne am 21. Juli 1891 in dramatischem Zusammenhang zu verwenden. Da der Komponist die Chorstimmen jedoch nicht zwingend vorgesehen hat (ad libitum), wird die Pavane auch oft in der Ursprungsform, also als reines Orchesterwerk aufgeführt.

Um es ein wenig unwissenschaftlich zu formulieren: Man muss beim Hören der Pavane eigentlich nur die Augen schließen, um sich in eine irreale Traumwelt oder die vergangene Zeit der französischen Belle Époque zu versetzen. Diese kurze Ära, die ungefähr von 1885 bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 andauerte, stellt eine der besten Phasen französischer Kultur dar, vor allem in der Malerei, aber auch in der Musik. Der gestiegene Lebensstandard erlaubte es dem gehobenen Bürgertum, im Schönen zu schwelgen. Dementsprechend ist die Musik der Belle Époque nur selten aufrüttelnd, sondern stattdessen voller melancholisch eingefärbter Poesie und zarter Wehmut. Ihre Wirkung ist die eines weichzeichnenden Gazeschleiers, der über inneren Bildern einer sonnendurchfluteten, idealen Natur liegt. Gabriel Faurés Pavane liefert hierzu den perfekten «Soundtrack». Er bedient sich dabei eines spanischen Tanzes gleichen Namens und dementsprechend flutet die Komposition elegant wiegenden Schrittes über eine Reihe von harmonischen und melodischen Höhepunkten auf und ab.

Auch nach dem Ende der Belle Époque blieb die Popularität der Pavane ungebrochen. 1917 wurde sie zum Standardrepertoire der Ballets Russes und erlebte seitdem ungezählte Bearbeitungen in jede nur denkbare Stilrichtung des Pop. Stellvertretend erwähnt seien hier nur die Versionen so unterschiedlicher Künstler wie Barbara Streisand, Branford Marsalis und Bobby McFerrin. Auch die britische BBC bediente sich der Pavane und schuf hieraus die Titelmelodie für ihre Berichte von der Fußball-Weltmeisterschaft 1998.

© Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft m.b.H. | Karin Martensen

Joaquín Rodrigo

Konzert für Gitarre und Orchester «Concierto de Aranjuez»

Sätze

  • Allegro con spirito

  • Adagio

  • Allegro gentile

Dauer

20 Min.

Entstehung

1939

Joaquín Rodrigo kam im Jahr nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts zur Welt und starb im Jahr vor dem Ende des 20. Jahrhunderts. Und die Hälfte jenes Jahrhunderts, das er fast zur Gänze erlebte, und darüber hinaus zählte und zählt er dank einer seiner Kompositionen zu einer Berühmtheit des Musiklebens in aller Welt: dem «Concierto de Aranjuez» für Gitarre und Orchester. Für die Popularität des Werkes lassen sich einige Erklärungen finden:– Der Titel, der an die Sommerresidenz des spanischen Königshauses der Bourbonen im Süden von Madrid auf dem Weg nach Andalusien erinnert, an die einmalige Atmosphäre in den weiten prachtvollen Gärten mit seinen wilden wie regulierten Gewässern, den gefiederten Bewohnern,  den schönen Magnolien und natürlich der Architektur des Schlosses, das einen mit  den Armen seiner Seitentrakte zu umfangen scheint.– Die musikalische Mischung aus historischer südlicher Tanzmusik, lebendiger spanischer Volksmusik und persönlicher Ausdrucksmusik mit unverstelltem Sentiment.– Der Solopart der Gitarre mit gehaltvoller Melodik und Harmonik, wunderbaren Arabesken, einer leidenschaftlichen Kadenz und schwungvoller Rhythmik.– Die eingängige und stimmungsvolle Orchestersprache, in der das Melodische in satten Farben und das Rhythmische in pulsierenden Akzenten ausgelebt wird.– Der Dialog zwischen der Gitarre und anderen Soloinstrumenten sowie dem ganzen Orchester, der nicht nur für den Musiker, sondern auch für den Hörer die Möglichkeit einer Identifizierung mit dem eigenen Ich im Solopart gegenüber der Mitwelt bietet. Rodrigo spricht auf direkte Weise die individuelle musikalische Empfindung an.– Die traurig-romantische Stimmung im langsamen Satz, mit einer sich wehmütig vortastenden Hauptmelodie, die etwas improvisiert aus dem Moment heraus entstanden wirkt, nach der Gitarre von verschiedenen Instrumenten wie dem Englischhorn, Fagott und Horn wie ein Lamento weitergesungen und in schwermütigen Gefühlsaufwallungen vom ganzen Orchester angestimmt wird. Die mit verminderten Septakkorden spannungsreich gefärbte Harmonik trägt ein Übriges zur melancholischen Wirkung dieses Satzes bei, dessen Melodie es in den Sechzigerjahren im Schlager «Mon amour» sogar in die Popregionen schaffte und vom Jazztrompeter Miles Davis für sein Album «Sketches of Spain» transkribiert wurde.

Der Eröffnungssatz beginnt mit einem fanfarenhaft wirkenden Solo der Gitarre, die den mitreißenden Rhythmus in das Orchester hineinträgt und ein von den Streichern eröffnetes, heiteres melodisches Treiben auslöst. Vogelrufe, auch des Kuckucks, sprechen die Stimme der Natur in den Gärten. Aber jede Anspielung solcher Art ist geschmackvoll in das gesamte musikalische Geschehen eingebunden und wirkt nie plump-programmmusikalisch.Das Finale wechselt von den Parks ins Schloss zu einem höfischen Tanzfest, wo graziös bis lebhaft Zweier- und Dreiertakt gegen- und miteinander tanzen.

Joaquín Rodrigo, der aus der Nähe von Valencia stammte, sammelte nach einer ersten Lehrzeit am dortigen Konservatorium wichtige musikalische Eindrücke und Erfahrungen bei einem fünfjährigen Aufenthalt in Paris, wo der außergewöhnlich begabte Musiker freundschaftliche Aufnahme in den Kreisen seines berühmten Landsmannes Manuel de Falla, aber auch von Maurice Ravel, Arthur Honegger und Darius Milhaud fand. Sein Kompositionslehrer an der Pariser École Normale de Musique war Paul Dukas, der Schöpfer des unsterblichen «Zauberlehrlings» in Tönen. Der Neoklassizismus, der sich ihm in Paris einprägte, blieb Rodrigo sein komponierendes Leben lang ein wesentliches stilistisches Mittel, das er mit historischen und aktuellen Einflüssen spanischer Musik anreicherte.Die Uraufführung des «Concierto de Aranjuez» 1939 in Barcelona machte den Musiker, der sich bereits als Dirigent und Pianist einen guten Namen erworben hatte, auch als Komponisten faktisch über Nacht berühmt, das Werk wurde zu einer der meistgespielten Kompositionen des klassischen Musikrepertoires überhaupt. Die Gitarristen – und das Konzertpublikum – auf der ganzen Welt waren und sind Rodrigo aber auch dankbar für ähnlich gelungene Werke wie die «Fantasía para un gentilhombre», die selbst einen begnadeten Gitarristen wie Pepe Romero zu technischen Höchstleistungen herausforderte, das «Concierto para una fiesta», das «Concierto Madrigal» und das «Concierto Andaluz». In äußerst anspruchsvollen Solowerken für Gitarre wie etwa «Invocación y danza» schlug Rodrigo eine überaus avancierte Tonsprache an, die der Gitarre neue, moderne Regionen erschloss.

Joaquín Rodrigo lebte ab den späten Vierzigerjahren in Madrid, wo er als Professor für Musikgeschichte am Konservatorium und als Musikkritiker sowie Radioredakteur wirkte, und gelangte als musikalische Persönlichkeit Spaniens zu höchstem Ansehen. Der Künstler, der ab seinem dritten Lebensjahr nach einer Diphtherieerkrankung fast vollständig blind war, erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. 1992 verlieh der spanische König Juan Carlos dem Schöpfer des «Concierto de Aranjuez» den Ehrentitel «Marqués de los Jardines de Aranjuez».

© Rainer Lepuschitz | Tonkünstler

Franz Schubert

Symphonie Nr. 3 D-Dur D 200

Sätze

  • Adagio maestoso - Allegro con brio

  • Allegretto

  • Menuetto. Vivace - Trio

  • Presto vivace

Dauer

23 Min.

Entstehung

1815