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Sektionen

Archiv: Benjamin Schmid plays Symphonic Jazz

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Interpreten

Programm

Friedrich Gulda
«Wings. Ein Konzertstück für Violine, Streichorchester und Rhythmusinstrumente»
Duke Ellington
«Prelude to a Kiss» (Bearbeitung für Violine und Orchester: Michael Abene)
Duke Ellington
«Caravan» (in Zusammenarbeit mit Juan Tizol, Bearbeitung für Violine und Orchester: Michael Abene)
Florian Willeitner
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1

Mit diesem Konzertabend zeigt die Plugged-In-Reihe einmal mehr, was sie will und was sie kann: Grenzverletzungen sind hier Programm! Neben Werken von Friedrich Gulda und Duke Ellington präsentieren der Geiger Benjamin Schmid und die Tonkünstler unter der Leitung von Ariel Zuckermann die Symphonischen Tänze aus Leonard Bernsteins «West Side Story». Herz des Programms ist die Uraufführung des Violinkonzerts von Florian Willeitner, ein Auftragswerk für Benjamin Schmid und das Tonkünstler-Orchester. Seine Diskografie, die außer Standardwerken auch Stücke von Korngold, Szymanowski, Weill, Lutoslawski und Schönberg umfasst, prädestiniert Benjamin Schmid ebenso für die Plugged-In-Reihe wie seine Vorliebe für Improvisation und Jazz.

Chill-Out im Schwarzberg (ehemals Ost Klub) ab ca. 21.30 Uhr, Schwarzenbergplatz 10, 1040 Wien
Eintritt frei mit Konzertticket!

Benjamin Schmid

Biografie

Benjamin Schmid arbeitet mit allen herausragenden Orchestern und Dirigenten zusammen und ist besonders für sein weitreichendes Repertoire bekannt. Dabei konzentriert er sich neben der Pflege aller großen Werke für Geige und Orchester besonders auf in Wien entstandene Werke. Mozart, Beethoven, Schubert, Berg, Goldmark, Korngold, Kreisler, Schönberg, Webern und Muthspiel nehmen eine zentrale Stellung ein. Die große Leidenschaft für den Jazz, die sich schon in frühen Jahren bemerkbar machte, spiegelt sich ebenfalls in Benjamin Schmids Konzertkalender wider.

Schmid ist regelmäßig mit Orchestern wie dem Königlichen Concertgebouw Orchester, dem Rotterdam Philharmonic, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Tonhalle Orchester Zürich und den St. Petersburger Philharmonikern zu hören. Eine besonders intensive künstlerische Zusammenarbeit verbindet Benjamin Schmid mit den Wiener Philharmonikern, mit denen er unter anderem 2004 die Salzburger Festspiele eröffnete. 2001 spielte er mit dem Orchester Paganinis Violinkonzert in der Version von Fritz Kreisler unter Leitung von Valery Gergiev. Das Konzert wurde in mehr als 60 Ländern im Fernsehen ausgestrahlt und von der Deutschen Grammophon auf CD und DVD veröffentlicht. Auch kammermusikalisch ist Benjamin Schmid weltweit tätig und gern gesehener Gast auf vielen internationalen Festivals. Rund 40 CDs hat Schmid inzwischen eingespielt, viele wurden mit dem Deutschen Schallplattenpreis und einem Echo Klassik ausgezeichnet. Ein Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik wurde ihm für Aufnahmen des Violinkonzerts Ermanno Wolf-Ferraris verliehen. Neben seiner Karriere als Solist hat Schmid eine Professur am Mozarteum in Salzburg inne und gibt Meisterklassen an der Hochschule Bern. Er konzertiert auf der «Guyot»-Stradivarius aus dem Jahr 1705, die ihm ein anonymer Mäzen zur Verfügung stellt.

Stand

2015

Ariel Zuckermann

© Felix Broede

Biografie

Der in Israel geborene Ariel Zuckermann begann seine Musikerkarriere als Flötist und zählt mittlerweile zu den gefragtestenDirigenten der jüngeren Generation. Er absolvierte sein Dirigierstudium bei Jorma Panula in Stockholm und legte 2004 bei Bruno Weil an der Musikhochschule München sein Diplom ab. 2007 trat er sein Amt als Chefdirigent des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt an. Mit Beginn der Saison 15-16 wurde Ariel Zuckermann zum Music Director des Israel Chamber Orchestra ernannt. Zu weiteren Highlights dieser Saison zählen die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Geiger Benjamin Schmid bei DalaSinfoniettan und beim Tonkünstler-Orchester sowie Wiedereinladungen zum Luzerner Sinfonieorchester und zum Telavi International Music Festival. Eine CD Produktion mit der Sinfonia Varsovia rundet die Saison ab.

Bereits zu Beginn seiner Karriere präsentierte sich Ariel Zuckermann als vielversprechende, Akzente setzende Dirigentenpersönlichkeit, weshalb er für die Saison 03-04 zum Assistenten von Iván Fischer beim Budapest Festival Orchestra berufen wurde. Im November 2007 gab Zuckermann sein Debüt in der Philharmonie Berlin mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Er dirigierte unter anderem das Bayerische Staatsorchester, die NDR Radiophilharmonie, das Sinfonieorchester Basel und das Luzerner Sinfonieorchester, das Israel Philharmonic Orchestra, die Ungarische Nationalphilharmonie, das Radio-Symphonieorchester Wien, die Tschechische Philharmonie und die Camerata Salzburg. Darüber hinaus hob er in München die Neuproduktion der Donizetti-Oper «Viva La Mamma» aus der Taufe, danach Telemanns Lustspiels «Pimpinone».

Stand

2015

Leonard Bernstein

Symphonische Tänze aus dem Musical «West Side Story»

Sätze

  • Prologue

  • «Somewhere»

  • Scherzo

  • Mambo

  • Cha-Cha

  • Meeting Scene

  • «Cool», Fugue

  • Rumble

  • Finale

Dauer

22 Min.

Entstehung

1960

Leonard Bernstein zählte nicht nur in den USA, sondern weltweit zu den beliebtesten Dirigenten seiner Zeit. Auch in Wien war Bernstein seit den 1960er Jahren regelmäßig zu Gast, um Konzerte und Opern zu dirigieren. Während die anderen beiden Komponisten des heutigen Abends, Samuel Barber und William Walton, vor allem als Komponisten Berühmtheit erlangten und sich ihre sonstigen Aktivitäten weniger im Bewusstsein hielten, ist Leonard Bernstein bis in die Gegenwart als eines der musikalischen Universalgenies des 20. Jahrhunderts anerkannt. Seine Kompositionen werden zwar heute nicht mehr in ihrer Gesamtheit gespielt, doch in größerer Menge, als man hierzulande denken würde. Sein Werdegang ist rasch erzählt: Leonard Bernstein studierte in Harvard Klavier und Komposition, wurde 1943 Assistenzdirigent von Artur Rodzinski in New York, sprang wenig später kurzfristig für den erkrankten Bruno Walter ein und gelangte so gewissermaßen über Nacht zu landesweiter Bekanntheit. Er war in der Folge mehr als zehn Jahre Chefdirigent des New York Philharmonic und leitete in dieser Funktion (und darüber hinaus) mehr als 50 so genannte Young People’s Concerts, Lehrsendungen für Kinder und Jugendliche (und Erwachsene), die in vergleichbarer Qualität nirgendwo sonst zu erleben waren. Vor allem nach Wien bestand zeitlebens eine enge Verbindung mit den Wiener Philharmonikern, die sich auch in vielen Platten- und Videoaufnahmen manifestierte. Beliebtheit über die klassischen Konzertsäle hinaus erlangte Bernstein durch das Musical – dessen Qualität und musikalischer Anspruch freilich in keiner Weise mit späteren, allzu simpel gestrickten, einfallslosen Machwerken gleichen Namens zu vergleichen ist. Nach «On the Town» (1944) folgte 1953 «Wonderful Town» und schließlich 1957 sein vielleicht größter Erfolg, «West Side Story».  Diese moderne Romeo-und-Julia-Geschichte, übertragen auf rivalisierende Banden in New York (in der Urfassung noch «East Side Story» genannt), zählt seit ihrer Uraufführung am 26. September 1957 am New Yorker Winter Garden Theater zu den Meilensteinen des Genres. Die Handlungsdichte und musikalische Vielfalt, die Bernstein gemeinsam mit Stephen Sondheim (Gesangstexte), Arthur Laurents (Buch) und Jerome Robbins (Choreographie) erarbeitet hat, ist bis heute unübertroffen. Das Stück spielt im Manhattan der 1950er Jahre. Tony (von den amerikanischen Jets) und Maria (von den puertoricanischen Sharks) verlieben sich ineinander. Darüber entspinnt sich eine Kette unglücklicher Rivalitäten und Zufälle, die schließlich zu Tonys Tod führt und darüber zur (momentanen) Versöhnung und zum Einsehen der verfeindeten Banden. In den ersten zwei Jahren wurde die «West Side Story» en suite gespielt und brachte es in New York auf 772 Aufführungen. Marcel Prawy brachte schließlich 1968 das Musical als deutschsprachige Erstaufführung nach Wien.

1960 zog Bernstein einige Nummern zu einer Orchestersuite zusammen, die in der Abfolge den Geschehnissen des Musicals folgen. Die Symphonischen Tänze wurden bei einer Gala zu Ehren von Leonard Bernstein vom New York Philharmonic unter Lukas Foss am 13. Februar 1961 erstmals aufgeführt und zählen heute zu den populärsten Orchesterstücken des Komponisten.

Die Suite wird mit dem Prologue (Allegro moderato) eröffnet, dem Tanz der Jets und Sharks. Damit wird die gefahrvolle Welt der konkurrierenden Banden vorgestellt, die sich auch musikalisch in einer unklaren Zwischenwelt aus Dur und Moll in greller Instrumentierung mit allerlei Schlagwerk und gehetzten, knappen rhythmischen Gesten ausdrückt. An zweiter Stelle folgt eines der populärsten Lieder aus der Feder Leonard Bernsteins, «Somewhere» (das im Musical erst im zweiten Akt kommt, Adagio), der Traum eines Mädchens von einer friedfertigen, einträchtigen Welt. Das Scherzo (Vivace e leggiero) steht im Musical vor dem Lied und nimmt genau diese erträumte Stimmung vorweg, indem es beide Welten musikalisch auf schlichte Weise miteinander verbindet. Aus Mambo (Meno presto) und Cha-Cha (Andantino con grazia), einer Szene in der Sporthalle, wo sich beide Gangs jeweils auf einer Seite versammeln, entwickelt sich schließlich die erste Begegnung von Tony und Maria (Meeting Scene, Meno mosso): ein zartes Aufeinanderzugehen in schlichten Orchesterfarben. Bernstein bereitet im Orchester auch schon Tonys späteres Lied «Maria» vor (nicht in der Suite enthalten), das mit seinem Auftauchen am Ende des Mambos angedeutet und im Cha-Cha und in der Meeting Scene deutlich zu erkennen ist. Die weitere Liebesgeschichte bleibt in den Symphonischen Tänzen ausgespart, zunächst kommen in der «Cool» Fugue (Allegretto) die verfeindeten Banden wieder zum Zug, die Bernstein in einer jazzigen Fuge (deren Hauptthema alle zwölf Noten der chromatischen Tonleiter enthält) zusammenfasst, die sich schließlich im Nichts verliert. Der Rumble (Molto Allegro), im Stück am Ende des ersten Aktes, umreißt in knapper, dramatisch hochgepeitschter Form die unselige Rauferei mit zwei Morden: Bernardo bringt Riff um, zehn Takte später tötet Tony schließlich Bernardo. Das Finale (Adagio) bezieht sich auf das Ende der Love-Story: Tony ist tödlich verwundet und stirbt in den Armen von Maria. Die Geschichte endet in einer Art Prozession über dumpfen Bassnoten, in einer letztlich trügerischen Einheit, deren Bestand gefährdet ist. Musikalisch drücken das die zarten C-Dur-Akkorde in hoher Lage aus; tief darunter erklingt ein Fis im Bass, als desolate, unruhige Basis einer unklaren Zukunft.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Markus Hennerfeind