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Archiv: Respighi Trilogia Romana

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Interpreten

Programm

Ottorino Respighi
«Feste Romane» Symphonische Dichtung

Mit fulminanter Orchestermusik, spektakulären 3D-Projektionen und einem betörenden Spiel von Licht und Schatten zählt das multimediale Gesamtkunstwerk „Trilogia Romana“ zu den musikalischen Highlights der Saison. Videoprojektionen in der Regie der katalanischen Künstlergruppe La Fura dels Baus und Ottorino Respighis «Römische Trilogie», gespielt vom Tonkünstler-Orchester unter Antonio Méndez, nehmen das Festspielhaus-Publikum mit auf eine beeindruckende Reise durch die «ewige Stadt». Mit den «Römischen Fontänen», den «Pinien von Rom» und den «Römischen Festen“ umfasst die zwischen 1916 und 1928 entstandene Trilogie die wohl bekanntesten Werke des italienischen Komponisten. Jeweils in vier Sätze gegliedert, besingen die symphonischen Dichtungen Respighis die Schönheit Roms und erzählen Ereignisse aus der italienischen Geschichte. Während sich in den Videokreationen über dem Orchester römische Straßen und Landschaften aufbauen, kulturelle Stätten und Sehenswürdigkeiten abgebildet werden und bekannte Malereien und Skulpturen zum Leben erwachen, sind die einzigen Live-Protagonisten auf der Bühne die MusikerInnen selbst. Träumerische Impressionen ergänzen ein stimulierendes Hörerlebnis und gewähren womöglich auch einen Blick in Ottorino Respighis Gedankenwelt, als er – ab 1913 selbst in Rom wohnhaft – die berühmten Dichtungen komponierte.

Antonio Méndez

© Besar Likaj

Biografie

1984 in Palma de Mallorca geboren, begann Antonio Mendez seine musikalische Ausbildung in den Fächern Klavier und Geige. Weiters studierte er Komposition und Dirigieren in Madrid und setzte diese Studien in Deutschland an der Universität der Künste in Berlin bei Lutz Köhler und an der Hochschule für Musik «Franz Liszt» in Weimar bei Nicólas Pasquet fort. Als Preisträger des prestigeträchtigen Nikolai-Malko-Wettbewerbs in Kopenhagen im Jahr 2012 und 2013 als Finalist des Nestlé und Salzburg Festival Young Conductors Awards errang er internationale Aufmerksamkeit. Mendez trat unter anderem mit dem Tonhalle Orchester Zürich, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra auf. Zu den Highlights der Saison 14-15 zählten Debüts und Auftritte mit den Wiener Symphonikern, dem Spanischen Nationalorchester und dem Neuen Philharmonieorchester Japan. In der Saison 15-16 tourte Mendez mit der Philharmonie Zuidnederland durch die Niederlande und mit dem Spanischen Nationalorchester durch Japan. Zudem spielte er Aufnahmen mit dem Schottischen Kammerorchester und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart ein und dirigierte Konzerte mit dem BBC Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden und dem Königlichen Philharmonischen Orchester Stockholm.

Stand

2016

Ottorino Respighi

«Fontane di Roma» Symphonische Dichtung

Sätze

  • La fontana di Valle Giulia all'alba

  • La fontana del Tritone al mattino

  • La fontana di Trevi al meriggio

  • La fontana di Villa Medici al tramonto

Dauer

18 Min.

Ottorino Respighi wuchs in seiner Heimatstadt Bologna im opernverrückten musikalischen Klima Italiens auf. Musik war in diesem Land für Jahrhunderte vor allem Opernmusik. Von Monteverdi bis Verdi stand das Musikdrama im Vordergrund. Italienische Komponisten an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert konnten im Gegensatz zu ihren Kollegen im deutschsprachigen und russischen Raum auf keine Tradition der symphonischen Musik zurückgreifen. Bezeichnenderweise übersiedelte Respighi, den es zur reinen Orchestermusik zog, von Bologna, wo er am Liceo musicale ein Musikstudium begonnen hatte, sehr bald nach St. Petersburg, um beim Doyen der russischen Musik, Nikolai Rimski-Korsakow, weiter zu studieren. Diese drei Jahre (1900–1903) prägten das kompositorische Verhalten Respighis nachhaltig, bei Rimski-Korsakow bekam er einerseits eine exzellente Ausbildung in der Instrumentierung und orchestralen Farbgebung, andererseits aber auch die Anregung zur Verbindung von symphonischer Musik mit außermusikalischen Stoffen. Respighi bezeichnete seine russische Zeit, in der er auch als Violaspieler im Orchester des Marinskij-Theaters von      St. Petersburg wirkte, als die für seine Komponistenlaufbahn «entscheidenden Jahre». Russische Klangfantastik schimmert immer wieder durch seine Musik.

In einer Reihe groß angelegter Tondichtungen wandte sich Respighi dem Genre der Programmmusik zu, weil es ihm die Möglichkeiten zu schillernder Klangpoesie und farbenreicher Tonmalerei eröffnete. Mit «Fontane di Roma» («Brunnen von Rom») schuf Respighi einen Typus des «Poema sinfonico», in dem durch die Viersätzigkeit und das Wechselspiel von langsamen und schnellen Sätzen die lange Tradition der symphonischen Musik mit den programmmusikalischen Intentionen einer durchgängigen Tondichtung verschmolz. Respighi wandte dieses Modell auch in den weiteren Werken seiner «Römischen Trilogie», den «Pinien von Rom» und den «Römischen Festen», an. Den harmonischen Reiz erhöhte Respighi durch Hinzunahme von kirchenmusikalischen Tonarten. In den «Fontane di Roma» schildert der Komponist seine Empfindungen beim Anblick von vier berühmten Brunnen zu jeweils jener Tageszeit, in der das Objekt der Schilderung den stärksten Eindruck macht: der Brunnen des «Valle Giulia» im frischen Dunst der Morgendämmerung, der Tritonenbrunnen im schillernden Morgenlicht, der Trevibrunnen im glanzvollen Mittagslicht und der Brunnen der Villa Medici zur besinnlichen Zeit des Sonnenuntergangs.

Respighi schuf eindringliche Stimmungsbilder und prickelnde, funkelnde und rauschende Wasserspiele. Der Impressionismus der Franzosen hinterließ auch bei diesem mediterranen Komponisten seine Spuren. Gleichzeitig kann man in den kühnen Klangkonstellationen des zweiten Satzes den russischen Einfluss und sogar Strawinski heraushören. In der pathetischen Klangsteigerung des dritten Satzes näherte sich Respighi schon der Via Appia, über die er dann im Finale seiner «Pinien von Rom» die römischen Legionen marschieren ließ.

© Rainer Lepuschitz | Tonkünstler

Ottorino Respighi

«Pini di Roma» Symphonische Dichtung

Sätze

  • I Pini di Villa Borghese

  • Pini presso una catacomba

  • I Pini del Gianicolo

  • I Pini della Via Appia

Dauer

20 Min.

Ottorino Respighi ist uns in erster Linie für seine «Römische Trilogie» bekannt, zu denen neben den heute aufgeführten «Pini di Roma» auch noch die «Fontane di Roma» und die «Feste Romane» zählen. Alle drei symphonischen Dichtungen besingen in einer klassizistisch-romantischen Klangsprache die Schönheit der Stadt Roms und gemahnen, teils in einer schon zur Entstehungszeit nicht mehr angemessenen und rückwärts gewandten Ästhetik an Ereignisse aus der italienischen Geschichte.

Respighi ist aber mehr als «nur» ein Bewahrender. Neben seinen «römischen» Werken ist er auch für sein gregorianisches Schaffen bekannt. Dazu gehören etwa die vier sinfonischen Impressionen «Antiche Danze ed Arie per liuto» (1917, 1924, 1932), das «Concerto Gregoriano» (1921) und die Oper «Lucrezia» (1937), die mit ihren dramatischen Rezitativen entfernt an Monteverdi erinnert. Anders als bei Debussy wurde Ottorino Respighi die Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt. 1879 als Sohn eines Klavierlehrers in Bologna geboren, erhielt er bereits als Kind Violin- und Klavierunterricht. Von 1891 bis 1899 studierte er am Liceo musicale in Bologna Violine und Viola bei Federico Sarti sowie Komposition bei Luigi Torchi und Giuseppe Martucci. Nach seinem Abschluss am Liceo hatte er eine kurze Anstellung als Bratschist im Orchester der Stadt Bologna und nahm dann 1900/01 und nochmals 1902/03 ein Engagement an die Opera Italiana im Theater in Sankt Petersburg an. Dort begegnete er Nikolai Rimski-Korsakow, bei dem er einige Kompositionsstunden nahm und dessen farbige Orchesterbehandlung ihn stark beeinflusste. 1902 studierte er außerdem kurz bei Max Bruch in Berlin. Von 1903 bis 1908 arbeitete er wieder als Orchestermusiker in Bologna und trat dabei zunehmend mit eigenen Kompositionen sowie mit Bearbeitungen barocker Werke hervor. Ein zweiter Aufenthalt in Berlin 1908/09, wo er seinen Lebensunterhalt als Pianist in einer Gesangsschule verdiente, weitete seinen musikalischen Horizont nochmals und brachte ihm erste kompositorische Anerkennung außerhalb Italiens ein. Mit der Aufführung seiner Solokantate «Aretusa» 1911 wandte sich Respighi verstärkt der Klavierbegleitung zu. Da seine Hoffnung auf eine feste Anstellung am Liceo musicale in Bologna nicht in Erfüllung ging, nahm er 1913 eine Professur für Komposition am Liceo musicale di Santa Cecilia in Rom an. Zu seinen Schülern gehörte ab 1915 die Komponistin und Sängerin Elsa Olivieri Sangiacomo, die Respighi 1919 heiratete. Sie dürfte ihn beflügelt haben: 1916 schaffte er den Durchbruch als Komponist – mit den «Fontane di Roma». Vor allem sein in Koloristik und Instrumentation virtuoser Orchesterstil, der auch zarte Stimmungen und expressive Ausbrüche ermöglicht, wurde immer wieder gerühmt - etwa von Altmeister Giacomo Puccini. Seine Kunst verstand er in einer nationalen, nicht aber nationalistischen Weise, was sich in der Verwendung alter Volksthemen zeigt. Außerdem steht sie für eine Abwendung vom Verismo in Italien. Gemeinsam mit Alfredo Casella, Ildebrando Pizzetti und Gian Francesco Malipiero entsteht eine zeitgenössische Musikkultur, die Einflüsse aus ganz Europa verarbeitet. In seinen späteren Jahren unternahm Respighi zahlreiche Reisen im In- und Ausland zur Aufführung seiner Werke, wobei er sowohl als Dirigent als auch als Klavierbegleiter (meist seiner Frau), gelegentlich auch als Solopianist auftrat. Seine Musik erfreute sich auch bei der faschistischen Regierung großer Beliebtheit, ohne dass sich Respighi jedoch enger mit ihr einließ. Ab 1933 konnte Respighi aus gesundheitlichen Gründen keine neuen Originalwerke mehr vollenden. Er starb im Alter von knapp 57 Jahren an einem Herzleiden. Seine Frau Elsa überlebte ihn um 60 Jahre und kümmerte sich während dieser Zeit intensiv um die Pflege seines musikalischen Erbes. Die «Pini di Roma» («Römische Pinien») entstanden 1923/24 als zweiter Teil seiner «Römischen Trilogie» und bestehen aus vier ineinander übergehenden Stimmungsgemälden, die aber inhaltlich kontrastieren: Das erste Bild, die «Pinien der Villa Borghese», zeigt Kinder, die im Borghese-Garten (einer Parkanlage in Rom, Anm.) spielen, die Musik macht ihr Getrappel und Geblödel hörbar. Das zweite Bild hat einen melancholischeren Anstrich: Die «Pinien in der Nähe der Katakomben» werden zu Wächtern des Todes, die zwei Tenor-Posaunen und die Bass-Posaune singen wie Priester. Das dritte Bild, «Pinien des Gianicolo» liefert nächtliche Stimmung: Es ist in der Nähe des Janus-Tempels am Gianicolo angesiedelt – Janusköpfige Götter öffnen Türen und Tore und markieren damit den Beginn eines neuen Jahres. Eine Nachtigall kräht – von einer CD, zur Zeit der Entstehung von einer anderen künstlichen Schallquelle. Respighi war der erste, der einen Tonträger in seine Komposition einbaute - und die Klangmalerei kurzerhand zur Klangfotografie machte. Das vierte Bild, «Pinien der Via Appia» beginnt im Morgengrauen: Römische Legionäre ziehen im Gefunkel der Morgensonne über die einstige römische Schicksalsstraße. Trompeten ertönen und die Armee zieht triumphierend auf das Capitol. © Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H. | Daniela Tomasovsky (Bearbeitung: Alexander Moore)