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Thomas Adès

«Concentric Paths» Konzert für Violine und Kammerorchester

Sätze

  • Rings

  • Paths

  • Rounds

Dauer

20 Min.

Entstehung

2005

Das Violinkonzert «Concentric Paths» ist ein besonders ansprechendes Beispiel für die Musiksprache des britischen Komponisten Thomas Adès. Entstanden ist es als Auftragswerk der Berliner Festspiele und des Los Angeles Philharmonic in enger Zusammenarbeit mit dem Solisten Anthony Marwood, der das Werk 2005 bei den Berliner Festspielen zur Uraufführung brachte. Adès selbst leitete dabei das Chamber Orchestra of Europe. Publikum und Kritiker waren sofort begeistert, seither zählt es mit weltweit über 1.000 Aufführungen zu den beliebtesten zeitgenössischen Violinkonzerten. 2010 brachte das New York City Ballet sogar eine auf «Concentric Paths» basierende Choreografie zur Uraufführung.

Für Augustin Hadelich, den Solisten des heutigen Abends, stellt «Concentric Paths» die wichtigste Erweiterung des Violinrepertoires seit György Ligetis Konzert von 1992 dar - nachzulesen im Booklet seiner im März 2014 bei Avie erschienenen Einspielung mit dem Liverpool Philharmonic Orchestra. Mit seinen extremen Anforderungen an den Solisten und seiner großen emotionalen Kraft steht das Konzert nach Hadelichs Einschätzung in einer Reihe mit den Werken von Beethoven, Sibelius und Bartók - alles Komponisten, die vom Solisten das Unmögliche verlangten und so die Grenzen des Machbaren verschoben. Augustin Hadelich findet es sehr spannend, mit einem lebenden Komponisten zusammenzuarbeiten, und hat Thomas Adès besucht und ihm das Violinkonzert vorgespielt, um Unklarheiten zu beseitigen. Fasziniert beobachtete der Geiger, wie sich der Komponist immer wieder ans Klavier setzte, um einige der Orchesterstimmen mitzuspielen, die er auswendig im Kopf hatte. Am allerwichtigsten war ihm, dass die Strukturen aus kleineren und größeren Kreisen, die dem Stück den Namen «Konzentrische Pfade» gegeben haben, in jedem der drei Sätze klar herausgearbeitet werden. Die Notenausgabe zeigt ein Bild aus dem Himmelsatlas von Andreas Cellarius von 1660 mit dem Titel «Die Lage der Erde und der sie umgebenden Himmelskreise». Aufgebaut ist das Violinkonzert wie ein Triptychon mit zwei kürzeren, schnellen Außensätzen um einen langsamen Mittelsatz, der länger ist als die beiden anderen zusammen. Nervös flimmernd hebt die Solovioline im ersten Satz, Rings, an, bewegt sich in rasendem Tempo in extremen Höhen, als hetzte sie atemlos auf einer weit entfernten Umlaufbahn irgendwo im Weltall. Während die Zentrifugalkraft in den Kreisen der Solovioline unmittelbar erfahrbar wird, gestaltet sich das anfangs lichte Umfeld durch schrille Blecheinwürfe und Schlagwerk immer spannungsgeladener.

Im Zentrum des Werks steht der umfangreiche und intensive zweite Satz Paths, der an eine barocke Chaconne erinnert. Auf einer sich wiederholenden Basslinie überlappen sich die Kreise der in immer höhere Register aufsteigenden Solovioline und des rhythmisch akzentuierten Orchesters, es kommt zu dramatischen Reibungen, die in eine sehnsuchtsvollen Geigenmelodie münden. Diese Stelle zählt für Augustin Hadelich zu den schönsten Passagen der gesamten Violinliteratur. Im dritten Satz Rounds wechselt das wiederkehrende Eröffnungsthema mit kontrastierendem Material wie in einem Rondo. Adès gibt an, dass das Orchester mit spielerischer Leichtigkeit «stabilen Zyklen in harmonischer Bewegung aber unterschiedlicher Geschwindigkeit» folgt. Die Solovioline schwebt teilweise frei darüber. Das helle, tanzartige Finale fegt so die vorangegangene Dunkelheit fort.

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Maila von Haussen