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Sektionen

Ottorino Respighi

«Fontane di Roma» Symphonische Dichtung

Sätze

  • La fontana di Valle Giulia all'alba

  • La fontana del Tritone al mattino

  • La fontana di Trevi al meriggio

  • La fontana di Villa Medici al tramonto

Dauer

18 Min.

Ottorino Respighi wuchs in seiner Heimatstadt Bologna im opernverrückten musikalischen Klima Italiens auf. Musik war in diesem Land für Jahrhunderte vor allem Opernmusik. Von Monteverdi bis Verdi stand das Musikdrama im Vordergrund. Italienische Komponisten an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert konnten im Gegensatz zu ihren Kollegen im deutschsprachigen und russischen Raum auf keine Tradition der symphonischen Musik zurückgreifen. Bezeichnenderweise übersiedelte Respighi, den es zur reinen Orchestermusik zog, von Bologna, wo er am Liceo musicale ein Musikstudium begonnen hatte, sehr bald nach St. Petersburg, um beim Doyen der russischen Musik, Nikolai Rimski-Korsakow, weiter zu studieren. Diese drei Jahre (1900–1903) prägten das kompositorische Verhalten Respighis nachhaltig, bei Rimski-Korsakow bekam er einerseits eine exzellente Ausbildung in der Instrumentierung und orchestralen Farbgebung, andererseits aber auch die Anregung zur Verbindung von symphonischer Musik mit außermusikalischen Stoffen. Respighi bezeichnete seine russische Zeit, in der er auch als Violaspieler im Orchester des Marinskij-Theaters von      St. Petersburg wirkte, als die für seine Komponistenlaufbahn «entscheidenden Jahre». Russische Klangfantastik schimmert immer wieder durch seine Musik.

In einer Reihe groß angelegter Tondichtungen wandte sich Respighi dem Genre der Programmmusik zu, weil es ihm die Möglichkeiten zu schillernder Klangpoesie und farbenreicher Tonmalerei eröffnete. Mit «Fontane di Roma» («Brunnen von Rom») schuf Respighi einen Typus des «Poema sinfonico», in dem durch die Viersätzigkeit und das Wechselspiel von langsamen und schnellen Sätzen die lange Tradition der symphonischen Musik mit den programmmusikalischen Intentionen einer durchgängigen Tondichtung verschmolz. Respighi wandte dieses Modell auch in den weiteren Werken seiner «Römischen Trilogie», den «Pinien von Rom» und den «Römischen Festen», an. Den harmonischen Reiz erhöhte Respighi durch Hinzunahme von kirchenmusikalischen Tonarten. In den «Fontane di Roma» schildert der Komponist seine Empfindungen beim Anblick von vier berühmten Brunnen zu jeweils jener Tageszeit, in der das Objekt der Schilderung den stärksten Eindruck macht: der Brunnen des «Valle Giulia» im frischen Dunst der Morgendämmerung, der Tritonenbrunnen im schillernden Morgenlicht, der Trevibrunnen im glanzvollen Mittagslicht und der Brunnen der Villa Medici zur besinnlichen Zeit des Sonnenuntergangs.

Respighi schuf eindringliche Stimmungsbilder und prickelnde, funkelnde und rauschende Wasserspiele. Der Impressionismus der Franzosen hinterließ auch bei diesem mediterranen Komponisten seine Spuren. Gleichzeitig kann man in den kühnen Klangkonstellationen des zweiten Satzes den russischen Einfluss und sogar Strawinski heraushören. In der pathetischen Klangsteigerung des dritten Satzes näherte sich Respighi schon der Via Appia, über die er dann im Finale seiner «Pinien von Rom» die römischen Legionen marschieren ließ.

© Rainer Lepuschitz | Tonkünstler