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Sektionen

Antonín Dvorák

Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Sätze

  • Allegro maestoso

  • Poco adagio

  • Scherzo. Vivace - Poco meno mosso

  • Finale. Allegro

Dauer

34 Min.

Entstehung

1884/85

Antonín Dvorák hatte auf seiner ersten England-Reise im Juni 1884 als Komponist und Dirigent große Erfolge feiern können und war sowohl mit der Ehrenmitgliedschaft als auch einem Kompositionsauftrag der London Philharmonic Society zurückgekehrt. «Ich beschäftige mich zur Zeit mit einer neuen Symphonie (für London) und überall denke ich an nichts anderes als mein neues Werk, das die Kraft haben muss, die ganze Welt zu bewegen, und Gott gebe, dass es so wird!» Nach seiner unbeschwert melodiösen, von Licht durchfluteten Sechsten Symphonie, die als böhmisches Gegenstück zur Zweiten seines Mentors und lebenslangen Freundes Johannes Brahms gelten darf, schlägt Dvořák nun bewusst pathetisch düstere, ja tragische Töne an.

Schon die Wahl der Tonart ist bezeichnend: Wie Beethovens Neunte steht das Werk in d-moll und greift auch das ewige Thema des «per aspera ad astra» wieder auf, entwickelt sich durch Nacht zum Licht – ein Stoff, wie kaum ein anderer geeignet, «die ganze Welt zu bewegen». Unmittelbare Bezüge ergeben sich aber auch zu Brahms’ Dritter, die Dvořák im Jahr davor tief beeindruckt hatte.

Mit mangelnder Eigenständigkeit hat das nicht das Geringste zu tun, vielmehr mit dem gestiegenen Anspruch einer Gattung, die längst selbstbezüglich geworden war: Jede neue Symphonie musste schon damals die großen Werke der Vorgänger bedenken, verarbeiten und sich an ihnen messen (lassen). Und als Werk von hoher Eigenart, das auch in Dvořáks symphonischem Schaffen einzigartig dasteht, blieb der Erfolg dem Stück seit seiner Uraufführung im April 1885 in London unter Leitung des Komponisten treu. Der Stirnsatz im 6/8-Takt hebt über einem Orgelpunkt mit einem grüblerisch brütend die Mollterz umkreisenden Thema an, dem sich ein energisch hochfahrendes Motiv anschließt. Ergänzt durch die rhythmischen Impulse zweier konkurrierender Auftaktfiguren steigert sich der Satz zu harschen dramatischen Aufwallungen, während die lyrische Tröstung des Seitenthemas sich kaum je durchsetzen kann.

Ähnlich gefährdet scheint der zweite Satz, während das Scherzo hinter seiner melancholischen Tanz-Oberfläche die schmerzverzerrte Grimasse nur mühselig zu verbergen im Stande ist. Das Finale schließlich formt das hochfahrende Motiv des ersten Satzes zu seinem Hauptthema um, beginnend mit Oktavsprung und fallendem Halbton. (Trauer-) Märsche, Kontrapunktik und schroffe Akzente zögern die erlösende Wendung nach D-Dur buchstäblich bis zu den letzten Takten hinaus.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Walter Weidringer