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Archiv: Bartók, Beethoven | Andrés Orozco-Estrada

Grafenegg Wolkenturm

Interpreten

Programm

Béla Bartók
«A kékszakállú herceg vára» | «Herzog Blaubarts Burg» Oper in einem Akt op. 11
- Pause -
Ludwig van Beethoven


Sieben verschlossene Türen, ein zweifelnder Mann und eine neugierige Frau: Das ist die Konstellation eines musikalischen Psychokrimis. Béla Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» ist ein spannungsgeladener Operneinakter und eine Studie über Vertrauen, Neugier und Liebe. Der ungarische Bass Gábor Bretz und die amerikanische Mezzosopranistin Michelle DeYoung werden hinter den Türen geheimnisvollen Schmuck finden, endlose Landschaften und am Ende die absolute Desillusionierung. Thomas Quasthoff tritt als Sprecher auf, und der gefeierte Dirigent Andrés Orozco-Estrada kehrt ans Pult der Tonkünstler zurück, um das Schicksal anschließend mit den pochenden Schlägen von Beethovens 5. Symphonie zu besiegeln.

Michelle DeYoung

© Christian Steiner

Biografie

Michelle DeYoung, aufgewachsen in Colorado und Kalifornien, zählt zu den führenden Mezzosopranistinnen unserer Zeit. Sie trat weltweit an allen großen Opernhäusern auf, darunter die Metropolitan Opera, die Lyric Opera of Chicago, die Houston Grand Opera, das Teatro alla Scala, die Bayreuther Festspiele, die Berliner Staatsoper Unter den Linden, die Opéra national de Paris, das Théâtre du Châtelet und die Tokyo Opera. Zu ihren vielen Rollen zählen Fricka, Sieglinde und Waltraute in Wagners «Der Ring des Nibelungen», Kundry in «Parsifal», Venus in «Tannhäuser», Brangäne in «Tristan und Isolde», Dido in «Les Troyens», Eboli in «Don Carlos», Amneris in «Aida», Judith in «Herzog Blaubarts Burg», die Titelrolle in «Samson et Dalilah», Jocaste in «Oedipus Rex» und die Titelrolle in Brittens «The Rape of Lucretia».

Sie arbeitete mit Orchestern wie dem New York Philharmonic, dem Boston Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Cleveland Orchestra, dem San Francisco Symphony, dem Los Angeles Philharmonic, dem Pittsburgh Symphony Orchestra, den Wiener Philharmonikern, dem Philharmonia Orchestra und dem Königlichen Concertgebouworchester Amsterdam.

Engagements führten Michelle DeYoung in Konzertsäle wie die Carnegie Hall, die Roy Thomson Hall in Toronto, die Londoner Wigmore Hall und das La Monnaie in Brüssel und zu den großen Festivals in Ravinia, Tanglewood, Aspen, Cincinnati, Saito Kinen, Edinburgh, Salzburg und Luzern. Sie arbeitete mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Pierre Boulez, James Conlon, Sir Colin Davis, Stéphane Denève, Christoph von Dohnányi, Gustavo Dudamel, Christoph Eschenbach, Bernard Haitink, Manfred Honeck, James Levine, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Kent Nagano, Seiji Ozawa, Antonio Pappano, André Previn, David Robertson, Donald Runnicles, Esa-Pekka Salonen, Mariss Jansons und Michael Tilson Thomas zusammen.

Zu den oftmals preisgekrönten Einspielungen, die Michelle DeYoung vorgelegt hat, zählen Mahlers dritte Symphonie, die «Kindertotenlieder», »Das klagende Lied» und «Das Lied von der Erde», Berlioz’ «Les Troyens« unter Sir Colin Davis und ein Recital mit Liedern von Liszt, Duparc, Wagner und Strauss.

Stand

2013

Thomas Quasthoff

Biografie

Thomas Quasthoff kann als einer der bemerkenswertesten Sänger seines Fachs bezeichnet werden, der neben den Berliner und Wiener Philharmonikern mit vielen anderen führenden Orchestern regelmäßig auftritt und auf allen wichtigen Konzertpodien sowie bei den großen Festivals als Lied- und Konzertsänger viel gefragt ist. Eine enge Zusammenarbeitet verbindet ihn mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Bernard Haitink, Mariss Jansons, Kurt Masur, Seiji Ozawa, Sir Simon Rattle, Helmuth Rilling, Christian Thielemann und Franz Welser-Möst.

Sein Debüt beim Oregon-Bach Festival 1995 legte den Grundstein für Thomas Quasthoffs steile Karriere in den USA. Mittlerweile ist er dort ein gern gesehener Gast sowohl bei den großen Orchestern als auch Festivals. Auch in die New Yorker Carnegie Hall, wo er 1999 sein gefeiertes Liederabenddebüt mit Schuberts «Winterreise» gab, kehrt er regelmäßig zurück.

2003 begab sich der Künstler erstmals auf die Opernbühne und sang den Minister in Beethovens «Fidelio» mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle bei den Salzburger Osterfestspielen. 2004 folgte dann sein umjubeltes Debüt an der Wiener Staatsoper als Amfortas in Wagners «Parsifal» unter der künstlerischen Leitung von Donald Runnicles, wo er 2005 in derselben Rolle unter Sir Simon Rattle wieder zu hören war.

Thomas Quasthoff war bereits Artist in Residence im Wiener Musikverein, im Concertgebouw Amsterdam, in der Carnegie Hall, beim Lucerne Festival sowie in Baden-Baden, Hamburg und im Barbican Centre. 2010 kam er mit seinem zweiten Jazz-Programm «Tell it like it is» heraus, das Songs aus Jazz, Soul und Blues vereint und ihn in die wichtigsten Konzertsäle Europas führte. Außerdem führte er im Februar 2011 seinen Liedwettbewerb «Das Lied» erfolgreich in die zweite Runde.

Einladungen der Saison 2011/12 beinhalten u.a. Liederabende mit Justus Zeyen in Paris, Berlin, München, Baden-Baden und Essen, mit András Schiff im Wiener Konzerthaus sowie Duo-Liederabende mit Michael Schade in Graz und Nordamerika. Brahms’ «Liebeslieder» führen ihn zusammen mit Martina Janková, Bernarda Fink und Michael Schade auf Tournee durch Europa. Des Weiteren wird der Künstler mit Mendelssohns «Elias» unter Ivor Bolton sowie mit Schönbergs «Gurreliedern» mit den Wiener Philharmonikern unter Zubin Mehta im Wiener Musikverein und bei der Sommernachtsgala 2012 in Grafenegg auftreten.

Neben vielen anderen Preisen und Grammy-Nominierungen wurden drei seiner CDs mit einem Grammy ausgezeichnet: Mahlers Lieder «Aus des Knaben Wunderhorn» (mit Anne Sofie von Otter) unter Claudio Abbado und orchestrierte Schubert-Lieder (mit dem Chamber Orchestra of Europe, ebenfalls unter Claudio Abbado). Den dritten Grammy gewann er 2006 für seine Einspielung von Bach-Kantaten mit den Berliner Barocksolisten. Seine jüngsten CDs sind Aufnahmen mit Italienischen Arien von Joseph Haydn, die er mit dem Freiburger Barockorchester einspielte sowie die Veröffentlichung von «Tell It Like It Is».

Seine Gesangsausbildung erhielt Thomas Quasthoff bei Charlotte Lehmann und Ernst Huber-Contwig in Hannover. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen – darunter den ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München (1988), den Schostakowitsch-Preis in Moskau (1996) und den Hamada Trust/Scotsman Festival Prize (Edinburgh International Festival 1996). Seit 1996 hatte Thomas Quasthoff eine Professur an der Musikhochschule in Detmold inne und wechselte im Herbst 2004 an die Hanns Eisler Hochschule in Berlin, wo er sich intensiv dem Sängernachwuchs widmet. Dazu zählt auch der von ihm ins Leben gerufene Liedwettbewerb, der 2009 erstmals in Berlin stattfand und für alle zwei Jahre geplant ist.

Vom Deutschen Bundespräsidenten wurde ihm 2005 der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen und ein Jahr später erhielt er den Europäischen Kulturpreis, der ihm in der Dresdner Frauenkirche überreicht wurde. 2009 wurde Thomas Quasthoff mit der Gold Medal der Royal Philharmonic Society in London sowie mit dem Herbert von Karajan Musikpreis des Festspielhauses Baden-Baden ausgezeichnet. Außerdem wurde ihm 2009 der Titel Österreichischer Kammersänger verliehen und 2011 erhielt Thomas Quasthoff die Wigmore Hall Medal.

Stand

2011

Andrés Orozco-Estrada

© Peter Rigaud

Biografie

Andrés Orozco-Estrada, geboren in Kolumbien und ausgebildet in Wien, ist ein international profilierter und äußerst gefragter Künstler. Er machte 2004 auf sich aufmerksam, als er im Wiener Musikverein beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich einsprang.

Zahlreiche Engagements bei internationalen Orchestern folgten, ebenso eine höchst erfolgreiche musikalische Zusammenarbeit mit dem Tonkünstler-Orchester, dessen Chef dirigent er seit 09-10 ist. Zur gleichen Zeit übernahm er für vier Jahre die Position des Chefdirigenten beim Orquesta Sinfónica de Euskadi. Andrés Orozco-Estrada hat bereits mit einigen der weltweit führenden Orchester zusammengearbeitet, darunter die Wiener Philharmoniker, die Münchner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig, das Mahler Chamber Orchestra, das City of Birmingham Symphony Orchestra, das Orchestra di Santa Cecilia Rom, das Orchestre National de France , das London Symphony Orchestra, die Göteborger Symphoniker, das Rotterdam Philharmonic Orchestra sowie die Radiosinfonieorchester des hr (Frankfurt), des NDR (Hamburg) und des WDR (Köln).

Im Sommer 2014 gab er in Glyndebourne sein Debüt mit Mozarts «Don Giovanni». In letzter Zeit debütierte er mit großem Erfolg beim Oslo Philharmonic und Pittsburgh Symphony Orchestra. In Kürze stehen Debüts beim Concertgebouworchester Amsterdam und bei den Salzburger Festspielen auf dem Programm.

Mehrere CDs entstanden mit den Tonkünstlern mit Werken von Mahler, Mendelssohn Bartholdy, Uraufführungen österreichischer Komponisten und Berlioz’ «Symphonie fantastique» (OehmsClassics). 2014 folgten bei demselben Label die Symphonien Nr. 1 und 3 von Mendelssohn Bartholdy sowie im März 2015 eine Gesamteinspielung der Symphonien von Johannes Brahms und die Symphonien Nr. 4 und 5 von Mendelssohn Bartholdy.

Mit Beginn der Saison 14-15 übernahm Andrés Orozco-Estrada die Positionen des Music Director beim Houston Symphony und des Chefdirigenten beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks Frankfurt. Außerdem wird er ab September 2015 die Position des Ersten Gastdirigenten beim London Philharmonic Orchestra antreten.

Stand

2015

Mitwirkend bei

Mahler 8

Wien Musikverein | Großer Saal

Mahler 8

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Mahler 8

Wien Musikverein | Großer Saal

Mahler 8

Wien Musikverein | Großer Saal

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Sätze

  • Allegro con brio

  • Andante con moto

  • Allegro -

  • Allegro

Dauer

36 Min.

Entstehung

1803/04-08

Ludwig van Beethoven schuf mit den drei aufeinanderfolgenden Achtelnoten und der anschließenden halben Note um eine große Terz tiefer das wohl markanteste Motiv der klassischen Musik. «So pocht das Schicksal an die Pforte.» Diese Worte zum Motiv wurden Beethoven von seinem Vertrauten Anton Schindler in den Mund gelegt. Deshalb bekam die Symphonie Nr. 5 c-moll op. 67 den hochtrabenden Beinamen «Schicksalssymphonie». Bohrend, hartnäckig, unerbittlich zieht sich dieses «Klopf-Motiv» in verschiedenen Ausprägungen durch die Symphonie. Deutlich ist jedem Takt des Werkes das Ringen um die Exis­tenz anzuhören, das Ankämpfen gegen Leid, Schmerz, Schrecken und Unterdrückung. Geradlinig, unverhüllt, ja geradezu plakativ wie sonst nie formulierte hier Beethoven musikalisch seine Botschaft.

Die Symphonie c-moll, deren erste Skizzen bis ins Jahr 1803, als Beethoven noch an der «Eroica» arbeitete, zurückreichen und die in den Jahren 1806 bis 1808 teilweise parallel zur «Pastorale» ausgearbeitet wurde, bildet das Zentrum in einer Schaffensperiode Beethovens, in der er mit den Ideen der französischen Revolution beschäftigt war und den gewachsenen Befreiungskampf des Bürgertums gegen ständestaatliche Ungleichgewichte künstlerisch mitfocht. (Dabei geriet bekanntlich der ursprünglich bewunderte Feldherr Napoleon, nachdem er sich zum Kaiser ausgerufen hatte, in die Zornesmühle des Komponisten, der die Widmung der «Eroica» an den Franzosen widerrief.) Beethoven begeisterte sich über die Wirren der Kriege und Wechselhaftigkeit der täglichen Politik hinaus für ein humanistisches Weltbild und für die Verwirklichung brüderlicher Ideale.

Es ist also eine musikalisch-ideologische Absicht Beethovens gewesen, dass er in die 5. Symphonie – wie in andere Werke auch – offizielle Musikstücke der Französischen Revolution als Zitate aufnahm: Der Siegeshymne von Lacombe entspricht das Hauptthema im Finale der Symphonie, seine Fortführung ähnelt der so genannten «Hymne dithyrambique» von Rouget de l’Isle, in der die «Liberté» besungen wird. Melodisch sind des Weiteren Vorbilder bei dem in Paris wirkenden Italiener Luigi Cherubini und bei dem mit Revolutionsmusiken befassten Franzosen François Gossec auszumachen.

Mit einer Fermate (einem musikalischen Haltezeichen) ist der vierte Ton des «Klopf-Motivs» im ersten Satz (Allegro con brio) versehen. Damit bekommt das Motiv seine eigene Ordnung, wird über den gewohnten Lauf der Dinge hinausgehoben. Um die außerordentliche Bedeutung dieses Vorgangs zu unterstreichen, hat Beethoven den lang anhaltenden Ton beim zweiten Einsatz des Eröffnungsmotivs noch um eine halbe Note verlängert. Normale Zeitabläufe werden dadurch außer Kraft gesetzt. Wenn das Schicksal anklopft, ist «die Zeit gekommen» und dadurch verändern sich die Dinge einschneidend.In einer anderen Passage des ersten Satzes scheint Beethoven die Zeit anzuhalten und eine Melodie überhaupt aus dem existentiellen Ringen heraustreten lassen zu wollen: Das Oboen-Rezitativ am Beginn der Reprise im Adagio-Tempo wird von zwei Fermaten eingerahmt. Beethoven blendet dieses Oboensolo aus dem Geschehen aus. Hier erhebt über die Allgemeinheit hinweg ein einzelnes Individuum, als direkt Betroffener, von Leiden erfüllt seine Stimme. Als Hörer wird man zum Mitbetroffenen.

Dem unerbittlichen c-moll-Kopfsatz folgt ein nach C-Dur aufgehelltes Andante con moto, in dem sich ein zuversichtlich einherschreitendes Thema zwischendurch einem Triumphzug anschließt, sich dann aber wieder der Beschäftigung mit inneren Werten zuwendet. Die Apotheose des Finales klingt in den Forte-Passagen des Orchesters bereits prophetisch an.

Bevor aber der Schlussjubel ungehemmt ausbrechen kann, führt die Musik im Scherzo (Allegro) noch einmal in bedrohliche, düstere, unheimliche Sphären, in denen auch das «Klopf-Motiv» widerhallt. Im Trioteil ergreifen die Bässe und Violoncelli mit einem energischen Thema die Initiative, aber der Durchbruch zum Licht gelingt erst nach einer totalen Zurücknahme der Dynamik, aus der sich eine grandiose Steigerung entwickelt. Ein letztes Mal mahnt sogar in diesem jubelnden Finale (Presto) das «Klopf-Motiv», doch schließlich reiht sich auch das Schicksal in den nicht enden wollenden Triumphzug ein.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Rainer Lepuschitz