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Dvorák 8

Wien Musikverein | Großer Saal

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Interpreten

Programm

Mit Maurice Ravels jazzig-lässigem Klavierkonzert in G-Dur stellte sich Leonard Bernstein als Solist und Dirigent schon 1948 dem Wiener Publikum vor, in Haydns Symphonien spürte er später mit Hingabe deren intelligentem Witz nach, und an Antonín Dvořák liebte er die melodiöse Süffigkeit und den rhythmischen Elan, die sich beide gerade in der achten Symphonie besonders opulent entfalten: Yutaka Sado dirigiert ein schillerndes Programm, bei dem die festlich jubelnden Eruptionen in allen drei Werken als Reverenz an Bernsteins Musikantentum und Wesensart gelten dürfen. Doch auch die gefühlvolle Seite kommt nicht zu kurz – im traumhaften langsamen Satz des Ravel-Konzerts etwa, dessen melancholisch schwebende Melodik der blinde junge Pianist Nobuyuki Tsujii entfaltet. Oder im Adagio von Haydns 102. Symphonie, das als Abschiedsgeschenk für eine in London gewonnene Freundin gilt. Und vollends im schwelgerischen Sentiment von Dvořáks Achter, in der Hell und Dunkel, Wehmut und Jahrmarktsjubel auf hinreißende Weise zusammenwirken.

Nobuyuki Tsujii

Nobuyuki Tsujii

Biografie

Nobuyuki Tsujii wurde 1988 in Japan geboren und zeigte  schon in frühester Kindheit seine große musikalische Begabung. Das Klavier wurde zum Ausdrucksmittel seiner inneren Welt. Klavierliteratur erarbeitet sich der von Geburt an blinde Nobu, wie ihn seine Familie und Freunde nennen, mit einem Vorspieler – über das Hören und Nachspielen und so erfolgreich, dass er 2009 sensationell die Goldmedaille beim Van Cliburn-Klavierwettbewerb gewann. Inzwischen trat er mit einigen der besten Orchester und Dirigenten auf, gab Konzerte mit den Orchestern der BBC, des Mariinski-Theaters, mit dem Seattle Symphony Orchestra und natürlich allen wichtigen japanischen Klangkörpern.

Über Nobu erschienen in Japan einige Bücher, seine erste CD «debut» kam 2007 heraus. Es folgten zahlreiche weitere Aufnahmen, darunter Mussorgskis «Bilder einer Ausstellung» und das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Yutaka Sado. Eine Tournee mit dem Orpheus Chamber Orchestra führte ihn in der vorigen Konzertsaison erneut in die USA und die Carnegie Hall in New York, wo er auch schon mit einem Rezital zu Gast war. Unmittelbar vor seinem Gastspiel beim Tonkünstler-Orchester gab Nobu eine Reihe von Konzerten in Kalifornien und Kanada.

Das in einer amerikanisch-japanischen Koproduktion erschienene cineastische Porträt «Touching the Sound – Die Klangwelt des blinden Pianisten Nobuyuki Tsujii» wurde im September 2014 beim Filmfestival in San Diego präsentiert und im Ok-tober von der britischen Klassik-Zeitschrift «Gramophone» zur DVD des Monats gekürt. ORF und WDR haben den Film koproduziert. Regie führte der renommierte Filmemacher Peter Rosen, der Nobu zwei Jahre lang begleitete und mit seinem Film versucht, die Welt sicht- und hörbar zu machen, wie sie der blinde Musiker erlebt. Die DVD ist im Handel erhältlich.

Stand

2015

Mitwirkend bei

Dvorák 8

Grafenegg Auditorium

Dvorák 8

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Dvorák 8

St. Pölten Festspielhaus | Großer Saal

Dvorák 8

Wien Musikverein | Großer Saal

Yutaka Sado

Biografie

Yutaka Sado, in Kyoto geboren, gilt als einer der bedeutendsten japanischen Dirigenten unserer Zeit. Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich ist er seit der Saison 15-16. Ob Berliner Philharmoniker, Konzerthausorchester Berlin, Bayerisches Staatsorchester, die Symphonieorchester von BR, NDR, SWR und WDR, ob Gewandhausorchester Leipzig, Sächsische Staatskapelle Dresden, London Symphony Orchestra, Orchestre de Paris, Mahler Chamber Orchestra oder Santa Cecilia Rom: Die Liste der Orchester, die Yutaka Sado dirigiert hat bzw. wieder dirigieren wird, ist beeindruckend. Seine Karriere entwickelte sich außerhalb Japans zunächst vor allem in Frankreich, wo er 1993 Chefdirigent des Orchestre Lamoureux in Paris wurde.

Der langjährige Assistent von Leonard Bernstein und Seiji Ozawa gewann wichtige Preise wie den Premier Grand Prix des 39. Internationalen Dirigierwettbewerbs Besançon und den Grand Prix du Concours International L. Bernstein Jerusalem. Seine Verbundenheit zu Bernstein führte ihn als «Conductor in Residence» zum Pacific Music Festival in Sapporo. Seit 2005 ist Yutaka Sado Künstlerischer Direktor des Hyogo Performing Arts Center (PAC) und Chefdirigent des PAC-Orchesters. Sados Bekanntheitsgrad in Japan ist enorm, nicht zuletzt dank einer wöchentlichen TV-Sendung, in der er als Dirigent und Moderator Musikfreunden die Welt der klassischen Musik näherbrachte.

Stand

2016

Mitwirkend bei

Beethoven

Wien Musikverein | Großer Saal

Beethoven

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Beethoven

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Baden Casino | Festsaal

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Symphonic Motown

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Symphonic Motown

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Seid umschlungen, Millionen

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Schostakowitsch 5

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Joseph Haydn

Symphonie B-Dur Hob. I:102

Sätze

  • Largo-Vivace

  • Adagio

  • Menuet:Allegro

  • Finale:Presto

Dauer

26 Min.
Maurice Ravel

Konzert für Klavier und Orchester G-Dur

Sätze

  • Allegramente

  • Adagio assai

  • Presto

Dauer

20 Min.

Entstehung

1929-32

Maurice Ravel  entschied erst spät in seinem Leben, für sich ein eigenes Klavierkonzert zu komponieren. Nach viel Klaviermusik, Kammermusik, Liedern, Balletten und sogar Opern fehlte im Werkkatalog dieses nicht zuletzt auch fabelhaften Pianisten bloß ein Werk für Klavier und Orchester. 1929 nahm er es in Angriff; es war auch als Referenz an Mozart gedacht und zählt heute zu den beliebtesten Klavierkonzerten überhaupt. Nun wollte es der Zufall, oder eigentlich: der Wiener Pianist Paul Wittgenstein, dass Ravel, kurz nachdem er mit der Arbeit an seinem G-Dur-Klavierkonzert begonnen hatte, ein weiteres, spezielles Werk für die Besetzung Klavier und Orchester schreiben sollte – allerdings eines für die linke Hand allein. So ergab es sich, dass Ravel gleichzeitig an zwei Konzerten arbeitete: Auf seinem Flügel lag links ein Packen Noten für das G-Dur-Konzert, rechts bewahrte er das linkshändige Werk auf. Und obwohl kein Zweifel besteht, dass beide Werke ureigenster Ravel sind, könnten sie doch unterschiedlicher nicht sein – sowohl stilistisch als auch, klarerweise, spieltechnisch. Ravel selbst äußerte sich dazu im Juli 1931 in einem Interview für den Daily Telegraph: «Gleichzeitig zwei Konzerte zu konzipieren war eine interessante Erfahrung. Dasjenige, das ich selbst spielen werde [dazu sollte es nicht mehr kommen], ist ein Konzert im wahrsten Sinne des Wortes.

Darunter verstehe ich, dass es im Geiste der Konzerte Mozarts und Saint-Saëns’ geschrieben ist. Meiner Meinung nach muss die Musik eines Konzerts leicht und brillant und nicht auf Tiefsinn und dramatische Wirkung bedacht sein […] Zuerst hatte ich gedacht, mein Konzert als ‹divertissement› zu bezeichnen. Dann erschien mir dies aber als unnötig, weil der Begriff ‹concerto› selbst klar genug den Charakter des Werks erfasst. In mancher Hinsicht ist dieses Konzert nicht ohne Beziehungen zu meiner Violinsonate. Es enthält einige Anspielungen auf den Jazz, aber nicht viele.»

Maurice Ravel schrieb also das G-Dur-Konzert eigentlich für sich selbst – er war schließlich auch ein fabelhafter Pianist, der sich auf der Höhe seines Ruhmes befand. Allerdings erlaubte ihm seine sich langsam, aber stetig verschlechternde Gesundheit nicht mehr, die Uraufführung am 14. Jänner 1932 auch selbst zu spielen. Die mit Ravel lange Jahre befreundete Pianistin Marguerite Long saß bei der Premiere am Flügel, Ravel stand am Pult des Orchestre Lamoureux.

Der erste Satz (Allegramente) beginnt mit einem Peitschenschlag, auf den sofort über wirbelnden Klaviergirlanden die Piccoloflöte mit einem an ein baskisches Volkslied erinnernden Thema einsetzt. Schlag auf Schlag tauchen, enorm kunstvoll und doch mit scheinbar leichter Hand aneinandergefügt, gleich vier weitere Themen auf, die zunehmend von der Sphäre des Jazz beeinflusst sind. Formal wiederum bleibt Ravel im Kopfsatz der klassischen Form verpflichtet, wenn auch durch die abwechslungsreiche Instrumentierung so verschleiert, dass weder die ausgelassene Durchführung, noch die raffiniert sich einschleichende Reprise leicht auszumachen sind. Lauscht man jedoch genau, verrät eine zarte Passage mit glitzernden Harfenglissandi und die bald darauf folgende Klavier-Kadenz mit langen Trillerketten den Eintritt der Coda, die den Satz schließlich launig-lärmend beschließt.

Der zweite Satz (Adagio assai) bildet dazu den denkbar größten Kontrast: Das Klavier alleine singt eine beinahe unendliche Melodie, «die an Mozart erinnert, den Mozart des Klarinettenquintetts …, das schönste Stück, das er geschrieben hat,» meint Ravel, und fügt noch hinzu: «diese fließende Melodie! Wie habe ich um sie Takt für Takt gerungen! Fast hätte es mich umgebracht.» Das Klavier behält dabei in der linken Hand durch den ganzen Satz eine gleichbleibende Figur bei, über der sich in der Folge nicht nur die rechte Hand mit immer neuen Figurationen erhebt, sondern auch die Holzbläser einige der schönsten Orchestersoli der Musikgeschichte beisteuern.

Die ausgelassene Atmosphäre des ersten Satzes kehrt im Finale (Presto) zurück, allerdings noch deutlich knalliger und schneller. Der Gedanke an Strawinskis «Petruschka» oder Saties «Parade» liegt hier nahe, an eine Zirkus- oder Jahrmarktsszene also. Doch ist es letztlich die Welt des klassischen Rondosatzes, «im Geiste Mozarts und Saint-Saëns’», dem das unglaublich rasch seinem Ende zurasende Presto, in verknappter, ausgelassener, jazziger Weise, folgt: Effektvollere, und dabei so leicht fließende Musik für Klavier und Orchester ist nie geschrieben worden.

Nun, Ravel selbst sollte sich an seinen beiden Klavierkonzerten nicht mehr allzu lange erfreuen dürfen. Das eigentlich für ihn selbst komponierte in G-Dur konnte er aufgrund seiner fortschreitenden Erkrankung nicht mehr aufführen – aber immerhin dirigierte er es selbst. Das Konzert für die linke Hand hörte er erst 1937, selbst längst arbeitsunfähig und gezeichnet vom unaufhaltbaren Verfall: «Ich habe noch so viel Musik im Kopf, ich habe noch nichts gesagt, ich habe noch alles zu sagen», klagte er, doch an Arbeit war nicht mehr zu denken. Seine letzten vollendeten Werke nach den beiden Konzerten waren 1932 die drei Lieder «Don Quichotte à Dulcinée». Nach Jahren des Leidens und einer zuletzt noch unternommenen, jedoch zwecklosen Gehirnoperation starb Ravel am 28. Dezember 1937. Sein heute gespieltes Konzert in G-Dur gilt nicht nur in seiner einzigartigen Verbindung aus Witz, Spielfreude und melancholischen Momenten, tatsächlich im Geiste der großen Vorbilder Mozart und Saint-Saëns, als eine der gelungensten Schöpfungen auf dem Gebiet des Klavierkonzerts, sondern es steht auch am Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt des einmaligen Schaffens von Maurice Ravel.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Markus Hennerfeind

Antonín Dvorák

Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Sätze

  • Allegro con brio

  • Adagio

  • Allegretto grazioso

  • Allegro ma non troppo

Dauer

36 Min.

Entstehung

1889

Antonín Dvorák verdankt seinen späten künstlerischen Durchbruch eigentlich Johannes Brahms. Dieser hatte dafür gesorgt, dass die «Slawischen Tänze» im Druck erschienen und damit einen entscheidenden Impuls für die internationale Anerkennung gaben. Aber nicht nur in den populären Tänzen vermochte Dvorák das Wesen seiner Heimat in musikalisch farbenfrohen Ausdrucksvarianten niederzulegen, auch sein symphonisches Œuvre sprudelt immer wieder geradezu über vor böhmischer Melodienüppigkeit. Eines der besten Beispiele dafür ist seine achte Symphonie, die er selbst als «ein von seinen anderen Symphonien verschiedenes Werk» sah, und das er «mit individuellen, in neuer Weise ausgearbeiteten Gedanken» zu erfüllen gedachte. Sein Biograph Otakar Šourek hatte diesen Einblick in die Geschichte der Symphonie von Dvorák noch selbst erfahren. Tatsächlich markiert die Symphonie auch einen Wendepunkt in seiner Kompositionsweise: Entgegen der ästhetischen Vorstellungen etwa eines Johannes Brahms begann er, Programmmusik zu schreiben – etwa seinen Klavierzyklus «Poetische Stimmungsbilder» oder die symphonischen Dichtungen «In der Natur», «Karneval» und «Othello». Überdies geht er in der Gesamtanlage des Werkes mit der symphonischen Form recht frei um. Die Entstehung der manchmal auch «Die Englische» genannten Symphonie (Herbst 1889) fällt in eine Zeit ungetrübter Schaffenskraft und vor allem auch gewachsener internationaler Anerkennung von Dvoráks Werk.

Erst am 10. August 1889 schrieb Dvorák an seinen Freund Alois Göbl: «Sie wollen wissen, was ich tue? Ich habe den Kopf voll, wenn der Mensch das nur gleich aufschreiben könnte! Aber was nützt es, ich muss langsam machen, soweit die Hand will und das Übrige wird der Herrgott geben … Es geht über die Erwartung leicht und die Melodien fliegen mir nur so zu …» Zur Zeit des Briefes vollendete er noch sein Klavierquartett op. 87 und schon am 26. August 1889 setzte er die Arbeit an den ersten Entwürfen zur neuen Symphonie fort, die in wenigen Wochen fertig skizziert vorlag. Es mag auch an seinem Landhäuschen in Vysoká liegen, dass er eine derart vielfältige, reichhaltige Symphonie so rasch zu Papier bringen konnte – diente ihm doch gerade die freie Natur zeitlebens als Inspirationsquelle. Die Ausarbeitung und Instrumentierung nahm er dann in Prag vor, am 8. November 1889 war die Symphonie fertig, jetzt erweitert um die Fanfaren zu Beginn des Finales, die in der Skizze noch nicht enthalten waren. Die Uraufführung dirigierte Dvorák selbst in einem Konzert der Umelecká Beseda im Prager Rudolfinum am 2. Februar 1890. Die Widmung der Symphonie ging an die Franz-Josefs-Akademie für Wissenschaft und Kunst in Prag, deren Mitglied Dvorák zwei Monate später wurde. Warum aber bezeichnete man das Werk lange als «Englische»?Musikalische Gründe gibt es dafür nicht, doch tatsächlich englische: Seit seinem ersten Besuch in London im Jahr 1884 war Dvorák immer wieder eingeladen worden, dort zu dirigieren, da ihn die Briten außerordentlich schätzten. Aus diesem Grund verlieh ihm die Universität von Cambridge im Juni 1891 die Ehrendoktorwürde, und er bot im Gegenzug seine achte Symphonie als «Exercise» an – widmete sie also ein weiteres Mal. Hinzu kam, dass sich Dvorák, an Selbstbewusstsein deutlich reicher als noch vor einigen Jahren, mit seinem Verleger Nikolaus Simrock (der eine Art Vorkaufsrecht an Dvoráks Werken hatte) immer mehr stritt und sich schließlich weigerte, ihm die Rechte für die Symphonie zu überlassen. Simrock wollte ihm, mit Hinweis auf die schlechten Aussichten bei großen Orchesterwerken, nur einen Mindestpreis zahlen. Dvorák wandte sich daraufhin an den englischen Verlag Novello, der mit Freuden die Symphonie annahm und sie im Jänner 1892 in Partitur, Stimmen und einer Fassung für Klavier zu vier Händen herausgab. Simrock wurde vor vollendete Tatsachen gestellt – und «Die Englische» war geboren. Somit wird man vergeblich im musikalischen Innenleben der Symphonie nach dem «typisch Englischen» suchen. Dvoráks Biograph Otakar Šourek meinte viel mehr: «Sie macht den Eindruck, als wäre sie unmittelbar der böhmischen Natur und dem tschechischen Volk entsprungen.» Und genau als das war sie auch gedacht, denn immerhin bedankte sich der Komponist persönlich in einer Privataudienz bei Kaiser Franz Joseph für die Aufnahme in die Akademie mit eben dieser Symphonie, als einer Komposition in der Tonsprache seiner Heimat.

Die Celli eröffnen, unterstützt von Klarinetten, dem ersten Fagott und Hörnern, mit einem schwärmerischen Thema den Kopfsatz der Symphonie. Weniger folgt Dvorák hier den Regeln der Sonatenhauptsatzform, viel mehr gönnt er dem Reichtum der Themen und Motive die Freiheit rhapsodischer Entfaltung und weiträumiger Steigerungen. Flugs erscheint ein zweites Thema, in e-moll, ruhiger als das von g-moll nach G-Dur aufgehellte und variierte Hauptthema. Plötzlich setzt eine Wiederholung des ersten Teiles ein, doch entpuppt sich der Rückgriff auf den Symphoniebeginn als Auftakt zu einem dramatisch erhitzten Durchführungsabschnitt. Eine klassische Reprise bleibt bewusst ausgespart zugunsten des unweigerlich rhythmisch zündenden Vorwärtsdrangs. Die beiden Mittelsätze erscheinen uns in erster Linie als eindringliche, immer wieder schwärmerisch aufrauschende Stimmungsmalerei: Das Adagio entwickelt sich vom herrlich dunkel gefärbten Balladenton des Beginns in einen tänzerischen Verlauf, woraus sich wiederum kantigere, schärfere Momente entspinnen. Allerlei Selbstzitate sind darin verwoben, das dritte der «Poetischen Stimmungsbilder» op. 85 oder das Choralthema der «Hussiten»-Ouvertüre. Nach einem Rückgriff auf die Anfangsstimmung kommt der Satz beinahe zum Stillstand, bevor daraus ein schmerzlich auffahrendes Hornthema zu einem Poco più animato mit schmetternden Trompeten führt – und von dort zurückfließt in den von abwärts gleitenden Figuren umspielten tänzerischen Duktus. An einen stilisierten, wehmütigen Walzer erinnert sodann der dritte Satz, Allegretto grazioso, dessen (nicht so bezeichnetes) Trio auf einem Thema aus Dvoráks eigener Oper «Tvrdé palice» («Die eigensinnigen Dummköpfe») basiert. Die schmissige Coda lässt die wehmütige Walzer-Stimmung plötzlich vergessen und scheint sie im Nachhinein als Trugbild zu entlarven. Gleichzeitig bereitet sie den Boden für das effektvolle Finale, dessen glänzende Instrumentierung den Kehraus-Charakter noch verstärkt. Das Hauptthema wird drei Mal variiert, bevor es in der vierten Variation ausbricht, Fortissimo und mit den berühmten Horntrillern versehen. In scharfem Kontrast schließt ein marschartiges zweites Thema an, aus dem sich sodann, freilich zögerlicher, etwas abgeklärter als zu Beginn, erneut das Hauptthema entspinnt. Es wird zunehmend ruhiger, verdämmert beinahe, bevor es doch noch ein letztes Mal stürmisch explodiert.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Markus Hennerfeind