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Beethoven 5

Wien Musikverein | Großer Saal

  1. Wien Musikverein | Großer Saal
    In Kürze verfügbar

    In Kürze verfügbar

    Das Konzert ist zur Zeit exklusiv im Abo erhältlich. Einzelkarten sind erhältlich ab 1.8.18 (mit Pluspunkt) bzw. ab 29.8.18 (Allgemeiner Verkaufsstart).

Interpreten

  • Angela Hewitt, Klavier
  • Yutaka Sado, Dirigent

Programm

Johann Sebastian Bach
Konzert für Klavier und Orchester f-Moll BWV 1056
- Pause -
Ludwig van Beethoven

Angela Hewitt sorgt derzeit mit der Aufführung des kompletten Klavierwerks von Johann Sebastian Bach als «Bach Odyssey» weltweit für Aufsehen. Nun endlich stellt sich die kanadische Ausnahmepianistin auch dem Abonnementpublikum der Tonkünstler vor: mit Bach, womit sonst! Zwei Cembalokonzerte leitet die renommierte Barock-Expertin selbst, vom Instrument aus – natürlich in bestem Einvernehmen mit Chefdirigent Yutaka Sado, der ihren Auftritt mit Musik der Wiener Klassik umrahmt: Joseph Haydns 86. Symphonie, eine seiner «Pariser Symphonien», und mit Ludwig van Beethovens «Fünfter» ein Publikumsliebling par excellence.

Joseph Haydn

Symphonie D-Dur Hob. I:86

Sätze

  • Adagio - Allegro spiritoso

  • Capriccio: Largo

  • Menuet: Allegretto

  • Finale: Allegro con spirito

Dauer

26 Min.

Joseph Haydn erhielt um das Jahr 1785 vom Pariser Konzertveranstalter Concert de la Loge Olympique den Auftrag, einige Symphonien für das hauseigene Orchester zu schreiben. Nun war Haydn, der zeitlebens mit den geringen Möglichkeiten auf Esterhaza haderte, ein Ensemble von etwa 15 bis 25 Mann gewöhnt. Das Pariser Orchester verfügte damals über stolze 65 spielende Mitglieder, und so waren ihm ganz neue Perspektiven der Instrumentierung eröffnet – er konnte im Normalfall kaum auf gleich zwei Trompeten und Pauken hoffen. Obendrein gestattete sich Haydn aufgrund seiner hohen Popularität beim Pariser Publikum (bereits vor den Pariser Symphonien außerordentlich) einige kompositorische Kunstkniffe und direkte musikalische Zitate französischer Provenienz. Seine Beliebtheit ist auch einer zeitgenössischen Kritik aus dem Jahr 1788 zu entnehmen: «In allen Konzerten wurden Symphonien von Herrn Haydn gespielt. Mit jedem Tag wird man mit ihnen vertrauter und es wächst die Bewunderung für die Werke  dieses außerordentlichen Genies. Er versteht sich so gut darauf, in jedem seiner Werke jedem einzelnen Thema die reichsten und vielfältigsten Entwicklun­gen abzugewinnen.»

Obwohl die Symphonie Nr. 86, fünfte der sechs Pariser-Symphonien, nicht mit einem eigenen Beinamen belegt wurde (wie drei der anderen, «die Henne», «der Bär» oder «die Königin»), zählt allein das Hauptthema des ersten Satzes bereits zu den größten Schöpfungen der Musikgeschichte. Nach einer ausführlichen langsamen Einleitung ertönt es, dieses an sich simple, doch gerade darin so geniale Kopfmotiv des Allegro spiritoso.

Einen Bogen zur Adagio-Einleitung des ersten Satzes schlägt Haydn im kuriosen zweiten Satz seiner Symphonie, dessen Thema klar damit verwandt ist. Dieses symphonische Capriccio strotzt nur so vor Originalität und regsamer, kleingliedriger Themenvariierung – das getragene, trotzige Hauptthema ändert seine Gestalt ständig. Besonders die harmonischen Wendungen und zarten Instrumentierungskniffe verleihen dem Satz seine besondere Note.

Wie oft bei Haydn verbirgt sich die wahre Schönheit des Menuetts im Trio: Hier tänzelt ein lieblicher Ländler in französischer Manier einher, der seinesgleichen allein wegen der exquisiten Instrumentierung (Holzbläser) nur bei Haydn selbst finden kann.

Und wo sonst als bei Haydn hält der Ideenreichtum über vier Sätze ungebrochen an, bleibt noch Material für ein solch insistierendes, spritziges Finale übrig? Dass dieses einmalige Thema nach vielfältiger, origineller Verarbeitung dann sogar von der Pauke mitgespielt wird, später das Thema über einem prächtigen Bordun erklingt, mag allein für den außerordentlichen Haydn’schen Einfallsreichtum stehen – und sein sicheres Gefühl für Effekt: Nur bei dem ältesten der drei berühmten Wiener Klassiker wird man so oft durch unvorhergesehene Wendungen und Täuschungen überrascht.

© NÖ Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Rainer Lepuschitz

Johann Sebastian Bach

Konzert für Cembalo und Streichorchester d-Moll BWV 1052

Sätze

  • Allegro

  • Adagio

  • Allegro

Dauer

23 Min.
Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Sätze

  • Allegro con brio

  • Andante con moto

  • Allegro -

  • Allegro

Dauer

36 Min.

Entstehung

1803/04-08

Ludwig van Beethoven schuf mit den drei aufeinanderfolgenden Achtelnoten und der anschließenden halben Note um eine große Terz tiefer das wohl markanteste Motiv der klassischen Musik. «So pocht das Schicksal an die Pforte.» Diese Worte zum Motiv wurden Beethoven von seinem Vertrauten Anton Schindler in den Mund gelegt. Deshalb bekam die Symphonie Nr. 5 c-moll op. 67 den hochtrabenden Beinamen «Schicksalssymphonie». Bohrend, hartnäckig, unerbittlich zieht sich dieses «Klopf-Motiv» in verschiedenen Ausprägungen durch die Symphonie. Deutlich ist jedem Takt des Werkes das Ringen um die Exis­tenz anzuhören, das Ankämpfen gegen Leid, Schmerz, Schrecken und Unterdrückung. Geradlinig, unverhüllt, ja geradezu plakativ wie sonst nie formulierte hier Beethoven musikalisch seine Botschaft.

Die Symphonie c-moll, deren erste Skizzen bis ins Jahr 1803, als Beethoven noch an der «Eroica» arbeitete, zurückreichen und die in den Jahren 1806 bis 1808 teilweise parallel zur «Pastorale» ausgearbeitet wurde, bildet das Zentrum in einer Schaffensperiode Beethovens, in der er mit den Ideen der französischen Revolution beschäftigt war und den gewachsenen Befreiungskampf des Bürgertums gegen ständestaatliche Ungleichgewichte künstlerisch mitfocht. (Dabei geriet bekanntlich der ursprünglich bewunderte Feldherr Napoleon, nachdem er sich zum Kaiser ausgerufen hatte, in die Zornesmühle des Komponisten, der die Widmung der «Eroica» an den Franzosen widerrief.) Beethoven begeisterte sich über die Wirren der Kriege und Wechselhaftigkeit der täglichen Politik hinaus für ein humanistisches Weltbild und für die Verwirklichung brüderlicher Ideale.

Es ist also eine musikalisch-ideologische Absicht Beethovens gewesen, dass er in die 5. Symphonie – wie in andere Werke auch – offizielle Musikstücke der Französischen Revolution als Zitate aufnahm: Der Siegeshymne von Lacombe entspricht das Hauptthema im Finale der Symphonie, seine Fortführung ähnelt der so genannten «Hymne dithyrambique» von Rouget de l’Isle, in der die «Liberté» besungen wird. Melodisch sind des Weiteren Vorbilder bei dem in Paris wirkenden Italiener Luigi Cherubini und bei dem mit Revolutionsmusiken befassten Franzosen François Gossec auszumachen.

Mit einer Fermate (einem musikalischen Haltezeichen) ist der vierte Ton des «Klopf-Motivs» im ersten Satz (Allegro con brio) versehen. Damit bekommt das Motiv seine eigene Ordnung, wird über den gewohnten Lauf der Dinge hinausgehoben. Um die außerordentliche Bedeutung dieses Vorgangs zu unterstreichen, hat Beethoven den lang anhaltenden Ton beim zweiten Einsatz des Eröffnungsmotivs noch um eine halbe Note verlängert. Normale Zeitabläufe werden dadurch außer Kraft gesetzt. Wenn das Schicksal anklopft, ist «die Zeit gekommen» und dadurch verändern sich die Dinge einschneidend.In einer anderen Passage des ersten Satzes scheint Beethoven die Zeit anzuhalten und eine Melodie überhaupt aus dem existentiellen Ringen heraustreten lassen zu wollen: Das Oboen-Rezitativ am Beginn der Reprise im Adagio-Tempo wird von zwei Fermaten eingerahmt. Beethoven blendet dieses Oboensolo aus dem Geschehen aus. Hier erhebt über die Allgemeinheit hinweg ein einzelnes Individuum, als direkt Betroffener, von Leiden erfüllt seine Stimme. Als Hörer wird man zum Mitbetroffenen.

Dem unerbittlichen c-moll-Kopfsatz folgt ein nach C-Dur aufgehelltes Andante con moto, in dem sich ein zuversichtlich einherschreitendes Thema zwischendurch einem Triumphzug anschließt, sich dann aber wieder der Beschäftigung mit inneren Werten zuwendet. Die Apotheose des Finales klingt in den Forte-Passagen des Orchesters bereits prophetisch an.

Bevor aber der Schlussjubel ungehemmt ausbrechen kann, führt die Musik im Scherzo (Allegro) noch einmal in bedrohliche, düstere, unheimliche Sphären, in denen auch das «Klopf-Motiv» widerhallt. Im Trioteil ergreifen die Bässe und Violoncelli mit einem energischen Thema die Initiative, aber der Durchbruch zum Licht gelingt erst nach einer totalen Zurücknahme der Dynamik, aus der sich eine grandiose Steigerung entwickelt. Ein letztes Mal mahnt sogar in diesem jubelnden Finale (Presto) das «Klopf-Motiv», doch schließlich reiht sich auch das Schicksal in den nicht enden wollenden Triumphzug ein.

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Rainer Lepuschitz