ELECTRIC LIFE | Tanzperformance

St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

Details und Tickets

  1. St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

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Interpreten

  • Nolan Decreton, Tanz
  • Lauryn De Ruyck, Tanz
  • Kiko Labarque-Persyn, Tanz
  • Celien Mertens, Tanz
  • Louis Staquet, Tanz
  • Annabel Van Acker, Tanz
  • Tess Van der Sanden, Tanz
  • Maïté van Genugten, Tanz
  • Lennert Vanhove, Tanz
  • Alexandra Sebbag, Kostüme
  • Kurt Lefevre, Licht und Regie
  • Elisabeth Borgermans, Choreografie
  • Thomas Vantuycom, Choreografie
  • fABULEUS, Produktion
  • Brad Lubman, Dirigent

Programm

Alain Franco und Raphaël Hénard
Epilog

Als im frühen 20. Jahrhundert die Elektrifizierung ganze Straßenzüge veränderte und schließlich in die privaten Haushalte vordrang, beschleunigte sich das Leben der Menschen in nie dagewesener Geschwindigkeit. Dieses neue Lebensgefühl spiegelte Igor Strawinski in seinen kontrast- und temporeichen Kompositionen. Mehr als 100 Jahre nach der Uraufführung seines Balletts «Petruschka» wagen Elisabeth Borgermans und Thomas Vantuycom gemeinsam mit neun jugendlichen Tänzerinnen und Tänzern einen frischen Blick auf Strawinskis Werk und erkunden das Material im freien Spiel: ein außergewöhnlicher Tanzabend mit jungem Esprit und live gespielter Musik vom Tonkünstler-Orchester.

Eine Koproduktion von Perpodium, Brussels Philharmonic, Concertgebouw Brugge und STUK. Mit Unterstützung der Stadt Leuven, der Flämischen Gemeinschaft und des Tax Shelter der Belgischen Bundesregierung

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Igor Strawinski

«Petruschka» Burleske in vier Bildern (Fassung 1947)

Sätze

  • Jahrmarkt in der Fastnachtswoche

  • Bei Petruschka

  • Bei dem Mohren

  • Jahrmarkt und Tod Petruschkas

Dauer

35 Min.

Entstehung

1911/1947

Igor Strawinskis große Ballettkompositionen nahmen im Laufe ihres Daseins beinahe unbemerkt den direkten Weg von der Bühne in die Konzertsäle: Seien es «Der Feuervogel», «Le sacre du printemps» oder «Petruschka», um nur die populärsten drei zu nennen – sie existieren alle längst auch losgelöst von ihrer ursprünglichen Aufgabe als Tanzmusik und gelten uns als absolute Meilensteine der orchestralen Musikgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Ohne die Bemühungen des Impresarios Sergei Diaghilew jedoch, dem es in beispielloser Weise gelang, Choreographen, Komponisten und ausführende Künstler an sich zu binden, wäre es wohl gar nicht dazu gekommen: Nach politischen Unruhen in Russland war Diaghilew 1905 nach Paris gegangen, organisierte Ausstellungen sowie Konzerte und konzentrierte sich in der Folge auf Oper und Ballett; 1909 gründete er zusammen mit dem Choreographen Michel Fokine die Ballettkompanie «Ballets Russes». Nicht nur die großen Werke Strawinskis, auch Debussys «L’aprés midi d’un faune» und «Jeux», Ravels «Daphnis et Chloé», Richard Strauss’ «Josephs Legende», de Fallas «Der Dreispitz» und unzählige weitere gehen auf Diaghilews Initiative zurück.

Strawinski war erstmals beim Chopin-Ballett «Les Sylphides» an einem Projekt Diaghilews beteiligt, bevor ihn dieser mit der Vertonung des «Feuervogels» beauftragte: der Beginn einer lange währenden, erfolgreichen Zusammenarbeit. Nach der glanzvollen Premiere des «Feuervogels» im Juni 1910 in Paris, begann Strawinski schon im Juli desselben Jahres mit der Vertonung von «Le sacre du printemps», ein Stück, das ihn allerdings ob der Schwierigkeiten des Sujets noch zögern ließ. «Um mich abzulenken, wollte ich vorher ein Werk für Orchester komponieren, in dem das Klavier eine hervorragende Rolle spielen sollte – eine Art von ‹Konzertstück›. Bei dieser Arbeit hatte ich die hartnäckige Vision einer Gliederpuppe, die plötzlich zum Leben erwacht und durch das teuflische Arpeggio ihrer Sprünge die Geduld des Orchesters so sehr erschöpft, dass es sie mit Fanfaren bedroht. Daraus entwickelt sich ein schrecklicher Wirrwarr, der auf seinem Höhepunkt mit dem schmerzlich-klagenden Zusammenbruch des armen Hampelmanns endet.»

Bei einem Treffen mit Diaghilew in Strawinskis damaligem Schweizer Wohnort Clarens stellte er diesem anstatt des begonnenen «Sacre» lieber seine Idee des «Petruschka» vor, wovon Diaghilew sogleich begeistert war und die Weiterführung des Projekts anregte: «Als Schauplatz wählten wir den Marktplatz mit seiner Menschenmenge, seinen Buden und den Zauberkünsten des Taschenspielers; die Puppen erwachen zum Leben – Petruschka, sein Rivale und die Ballerina –  das Drama der Leidenschaft läuft ab und endet mit dem Tode Petruschkas.» Claude Debussy war einer der Komponistenkollegen, die ihrer Überzeugung von der Qualität der «Petruschka»-Vertonung Ausdruck verliehen, und pries etwa den «genialen Sinn für Klang und Rhythmus» und konzedierte Strawinski selbst, er könne «stolz auf das sein» was er «mit diesem Werk erreicht» habe.

Daneben ist es die Verbindung russischer Volkslieder und urbaner Einflüsse (etwa das Motiv des Leierkastenspielers) mit fortschrittlichen Kompositionsmethoden, die «Petruschka» zu einem der großen Höhepunkte der Musikgeschichte machen. In den Jahren 1945/46 unterzog Strawinski «Petruschka» einer Revision und verkleinerte, fokussierte den Orchesterapparat. Die etwa von Ernest Ansermet hierbei festgestellte «Radikalisierung» des Klanges (Ansermet bevorzugte die Originalfassung) war Strawinski selbst später auch wichtig, um «Petruschka» stärker weg von den seinerzeitigen impressionistischen Einflüssen in Richtung einer größeren Klarheit und damit härteren, kantigeren Stilistik zu rücken.

1. Bild: Der Jahrmarkt Russland, St. Petersburg, um das Jahr 1830 am Admiralitätsplatz: Eine bunte Jahrmarktszene, aus der bald zwei Drehorgelspieler (hohe Holzbläser) herausleuchten, die schließlich gegeneinander spielen, bis zwei Trommler dreinschlagen: Drei Puppen erscheinen im Gauklertheater, die Ballerina, der Mohr und Petruschka; der Schaubudenbesitzer (Flöte) erweckt sie (mit einem dreimaligen, kurzen Signal) zum Leben und sie geben hölzern einen russischen Tanz zum Besten. Die Ballerina  umgarnt den Mohren, Petruschka hingegen buhlt (vergebens) zögerlich um die Gunst der Ballerina. Ein neuerliches Trommeln, und die Puppen erstarren, die Szene wechselt in die Puppenwelt.

2. Bild: Bei Petruschka Petruschkas Zimmer ist eine einfache Zelle mit schwarzen Wänden, die auf der einen Seite eine Tür zum Raum der Ballerina hat. Mittels Fußtritts findet sich Petruschka in seiner Kammer wieder und versucht, aus seinem dunklen Verlies zu entfliehen – vergeblich. Seine Niedergeschlagenheit verfliegt mit einem Mal, als die Ballerina den Raum betritt. Allerdings lässt sie sich von Petruschkas neuerlichem Werben nicht beeindrucken und verschwindet, worauf Petruschka nach nochmaligem Ausbruch resigniert zurückbleibt. Die Trommelschläger markieren den Wechsel in das Mohrengemach.

3. Bild: Bei dem Mohren Das Gemach des Mohren ist luxuriös gestaltet, eine Tür führt zum Zimmer der Ballerina. Der Mohr (Thema in Klarinette und Bassklarinette) versucht vergebens, eine Kokosnuss zu öffnen, die er daraufhin als machtvolles Wesen anbetet. Die Ballerina tanzt mit einem Cornet à piston (im Orchester von der Trompete gespielt) in den Raum; schon lässt der Mohr seine Nuss fallen, beobachtet entzückt die Ballerina und tanzt einen grotesken Walzer mit ihr (hier zitiert Strawinski unter anderem Joseph Lanners «Die Schönbrunner»). Plötzlich erscheint Petruschka, den der Mohr nach einem Kampf (die Ballerina verschwindet inzwischen) hinauswirft. Die Trommelschläger zeigen daraufhin den Wechsel von der Puppenwelt in die äußere an.

4. Bild: Jahrmarkt und Tod Petruschkas Wieder die Jahrmarktszene des ersten Bildes, allerdings ist es jetzt Abend und die Buden sind geschlossen. Dennoch herrscht buntes Treiben: Es tanzen neun Ammen; ein Bauer bläst auf seiner Schalmei (Klarinette) und zieht einen gutmütigen Bären (Tuba) hinter sich her; zwei Zigeunerinnen tanzen; fünf Kutscher und zwei Pferdeknechte führen einen Volkstanz vor, in den schließlich die neun Ammen mit einfallen. Die Szene wird zusehends grotesker – bis plötzlich Petruschka und der Mohr kämpfend die Szene betreten: Der Mohr ersticht Petruschka. Dieser stirbt wehklagend (das Tamburin fällt zu Boden); der Schaubudenbesitzer nimmt die leblose Holzpuppe auf und die Menschenmenge zieht erleichtert davon: Es war nur eine Puppe. Plötzlich erscheint dem Gaukler Petruschkas Geist und zeigt ihm eine lange Nase, worauf der erschrockene Mann die Puppe fallen lässt und leise verschwindet.

© Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H. | Markus Hennerfeind