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Interpreten

Programm

Fanfare tba
- Pause -
Felix Mendelssohn Bartholdy
«Hör mein Bitten, Herr» für Sopran, gemischten Chor und Orchester WoO 15
Igor Strawinski
Psalmensymphonie für Chor und Orchester

Vier Jahreszeiten an einem Sommerabend. Mit Antonio Vivaldis Meisterwerk eröffnen Sarah Chang und das Tonkünstler-Orchester das 13. Grafenegg Festival. Außerdem wird ein lang vergessenes Werk neu entdeckt: In viktorianischer Zeit gehörte Mendelssohn Bartholdys Hymne «Hör mein Bitten, Herr» zu den meistgespielten Werken – die finnische Sopranistin Camilla Nylund wird diese Hymne interpretieren. Passend dazu erklingt Igor Strawinskis «Psalmensymphonie». Textlich an Mendelssohn angelehnt, ist sie ein moderner Rückgriff auf Vivaldis Epoche des Barock. Composer in Residence Peter Ruzicka steuert die traditionelle Eröffnungsfanfare bei.

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Wiener Singverein

Biografie

Seit mehr als 150 Jahren beweist der Wiener Singverein, dass Amateure Musik auf höchstem Niveau machen können. Der Chor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zählt zu den besten Konzertchören der Welt. 1812 wurde die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ins Leben gerufen. Für die «Chorübungsanstalt» der jungen Gesellschaft wurde Antonio Salieri als Leiter verpflichtet.

1858 entschloss sich die Gesellschaft der Musikfreunde zu einer neuen Organisation ihres Musiklebens. Während die Instrumentalmusik in die Hände von Profis übergegangen war, sollte die Chormusik die Domäne der Liebhaber bleiben. So entstand der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien als Zweigverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Mit dem jungen Johann Herbeck am Pult erreichte der neu formierte Chor von Beginn weg ein Spitzenniveau, das ihn zum begehrten Interpreten bedeutender Uraufführungen machte. So hob der Singverein 1867 die ersten drei Sätze des Brahms-Requiems aus der Taufe, sang 1898 die erste vollständige Aufführung von Verdis «Quattro pezzi sacri» - mit der Uraufführung des «Ave Maria» - und war Premieren-Chor bei Bruckners «Te Deum», Mahlers achter Symphonie und Franz Schmidts «Buch mit sieben Siegeln».

Mit Herbert von Karajan trat der Singverein ins Medienzeitalter ein. Während der mehr als vier Jahrzehnte dauernden Partnerschaft sang der Chor unter Karajan rund 250 Konzerte und war exklusiver Partner bei Oratorienaufnahmen auf Schallplatte und Video.

Mit Johannes Prinz - Chordirektor seit 1991 - ging der Wiener Singverein ins 21. Jahrhundert. Der Chor arbeitet heute regelmäßig mit den international wichtigsten Dirigenten zusammen, darunter Daniel Barenboim, Bertrand de Billy, Riccardo Chailly, Gustavo Dudamel, Vladimir Fedosejev, Mariss Jansons, Zubin Mehta, Riccardo Muti, Seiji Ozawa, Georges Prêtre, Sir Simon Rattle und Christian Thielemann.

Unter Thielemann war der Chor 2010 Partner der Wiener Philharmoniker bei einer DVD-Neuproduktion der Beethoven-Symphonien. Weitere international beachtete Schallplattenaufnahmen des Wiener Singvereins entstanden zuletzt mit Mahlers zweiter und dritter Symphonie unter Pierre Boulez - letztere wurde mit dem Grammy ausgezeichnet. 2013 erschien der Livemitschnitt des Jubiläumskonzerts zum 200. Geburtstag der Gesellschaft der Musikfreunde: Unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt sang der Singverein Händels «Timotheus» in der Fassung von 1812. Auch diese CD wurde international ausgezeichnet.

In der Konzertsaison 15-16 ist der Chor in einem eigenen Singvereins-Zyklus der Gesellschaft der Musikfreunde im Musikverein zu hören. Daneben wird er regelmäßig zu internationalen Gastauftritten eingeladen. Bei den Salzburger Festspielen trat er 2013 unter Gustavo Dudamel und Riccardo Chailly auf, 2014 unter Daniel Barenboim. Höhepunkt seiner Tourneen in der Saison 13-14 waren Konzerte mit Beethovens neunter Symphonie in Japan, dirigiert von Christian Thielemann. Unter Thielemann sang er im Herbst 2010 auch Mahlers achte Symphonie in München.

Stand

2016

Mitwirkend bei

Verdi: Requiem

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Verdi: Requiem

St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

Verdi: Requiem

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Yutaka Sado

Biografie

Yutaka Sado, in Kyoto geboren, gilt als einer der bedeutendsten japanischen Dirigenten unserer Zeit. Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich ist er seit der Saison 15-16. Ob Berliner Philharmoniker, Konzerthausorchester Berlin, Bayerisches Staatsorchester, die Symphonieorchester von BR, NDR, SWR und WDR, ob Gewandhausorchester Leipzig, Sächsische Staatskapelle Dresden, London Symphony Orchestra, Orchestre de Paris, Mahler Chamber Orchestra oder Santa Cecilia Rom: Die Liste der Orchester, die Yutaka Sado dirigiert hat bzw. wieder dirigieren wird, ist beeindruckend. Seine Karriere entwickelte sich außerhalb Japans zunächst vor allem in Frankreich, wo er 1993 Chefdirigent des Orchestre Lamoureux in Paris wurde.

Der langjährige Assistent von Leonard Bernstein und Seiji Ozawa gewann wichtige Preise wie den Premier Grand Prix des 39. Internationalen Dirigierwettbewerbs Besançon und den Grand Prix du Concours International L. Bernstein Jerusalem. Seine Verbundenheit zu Bernstein führte ihn als «Conductor in Residence» zum Pacific Music Festival in Sapporo. Seit 2005 ist Yutaka Sado Künstlerischer Direktor des Hyogo Performing Arts Center (PAC) und Chefdirigent des PAC-Orchesters. Sados Bekanntheitsgrad in Japan ist enorm, nicht zuletzt dank einer wöchentlichen TV-Sendung, in der er als Dirigent und Moderator Musikfreunden die Welt der klassischen Musik näherbrachte.

Stand

2016

Mitwirkend bei

Romeo & Julia

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Romeo & Julia

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Romeo & Julia

St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

Bruckner 8

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Bruckner 8

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Bruckner 8

St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

Verdi: Requiem

Wien Musikverein Großer Saal Musikverein | Großer Saal

Verdi: Requiem

St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

Verdi: Requiem

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Antonio Vivaldi

«Die vier Jahreszeiten» für Violine, Streicher und Basso continuo RV 315

Sätze

  • I. «La Primavera» op. 8/1

  • Allegro

  • Largo e pianissimo sempre

  • Allegro

  • II. «L'Estate» op. 8/2

  • Allegro non molto

  • Adagio - Presto

  • Presto

  • II. «L'Autunno» op. 8/3

  • Allegro

  • Adagio

  • Allegro

  • IV. «L'Inverno» op. 8/4

  • Allegro non molto

  • Largo

  • Allegro

Dauer

23 Min.

Entstehung

1725

Allegro - Largo e pianissimo sempre - Allegro
«L'Estate» 0p. 8/2
Allegro non molto - Adagio - Presto - Presto
«L'Autunno» 0p. 8/3
Allegro - Adagio - Allegro
«L'Inverno» 0p. 8/4
Allegro non molto - Largo - Allegro


Mit der Violine durch das Jahr

Der in Venedig als Lehrer und Kapellmeister am Ospedale della Pietà wirkende Antonio Vivaldi ließ keine Gelegenheit aus, um auch internationale Aufträge zu erfüllen und damit zu einer Verbreitung seiner Musik in ganz Europa, besonders in den Musikzentren von Frankreich, Deutschland und Österreich, beizutragen. Noch in hohem Alter zog es den Italiener nach Wien, wo er sein Glück als Hofkomponist versuchen wollte, aber inmitten der Wirren des österreichischen Erbfolgekrieges nicht mehr Fuß fassen konnte und in der Habsburger-Metropole verstarb, wo sein Begräbnis mit 28. Juli 1741 in das Totenbuch von St. Stephan eingetragen ist.
Knapp zwei Jahrzehnte davor schickte Vivaldi eine Sammlung von zwölf Konzerten unter dem Titel «Il cimento dell'armonia e dell'inventione», darunter die Konzerte «Le quattro stagioni» («Die vier Jahreszeiten»), an den böhmischen Grafen Wenzel von Morzin, der für sein in der Residenz von Lukavec und einem Stadthaus in Prag musizierendes Privatorchester nicht nur auf Kompositionen seines Kapellmeisters Johann Friedrich Fasch zurückgriff, sondern auch Aufträge an auswärtige Komponisten vergab. Vivaldi bezeichnete sich in seiner Widmungsschrift in der Konzertsammlung als Morzins «Maestro di Musica in Italia».
Vivaldis «Vier Jahreszeiten» entsprachen ideal der damals vorherrschenden Natur-Mode der höfischen Gesellschaft. Der französische Hochadel etwa vertrieb sich die Zeit durch Ausflüge in Landparks: in bäuerliche Kleidung gehüllt, Schäfer-Idylle inszenierend, Landwein trinkend und wilden Honig schleckend. Jean-Jacques Rousseau hatte zwar seine Aufforderung «Zurück zur Natur» wohl anders gemeint, aber seine Landsleute machten die Natur zum gesellschaftlichen Spielraum. Eine kritische Bilanz dieser Verquickung von Natur und höfischer Kultur lässt sich aus der von Rousseau 1750 publizierten Schrift «Discours sur le sciences et les arts» herauslesen, in welcher der französische Philosoph anmerkte, die Kunst (und die Wissenschaften) würde(n) die Menschen von ihrem natürlichen, naturnahen Urzustand entfremden.
In Paris hielten sich Vivaldis «Jahreszeiten» besonders lange in der Gunst des Publikums, ehe sie, wie die meiste Musik des Barocks, auch hier für beinahe zwei Jahrhunderte der Vergessenheit anheim fielen. 1927 machte ein italienischer Musikwissenschaftler, Alberto Gentili, einen der wohl bedeutendsten Funde der Musikgeschichte: In einem von Salesianermönchen vom Collegio San Carlo in San Martino zum Verkauf angebotenen Konvolut an Noten befanden sich Mappen, in denen gut 140 Instrumentalwerke, 30 Kantaten, ein Dutzend Opern und ein Oratorium von Vivaldi verwahrt waren. Mit Hilfe der Mönche stieß Gentili dann auf gut noch einmal so viele Vivaldi-Werke, die in der Bibliothek des italienischen Aristokraten Giuseppe Maria Durazzo lagerten. Es setzte eine Vivaldi-Renaissance ein, die durch italienische Kammerorchester auf Tourneen in aller Welt verbreitet wurde. Die «Vier Jahreszeiten» wurden zum wahrscheinlich meistaufgeführten Musikstück des Barocks; die Liste an Platten- und CD-Aufnahmen ist kaum mehr überschaubar.
Vivaldi hat jedem der vier «Jahreszeiten»-Konzerte Sonette und damit ein detailliertes Programm vorangestellt, auch in den Noten finden sich inhaltliche Hinweise:


La Primavera - Der Frühling
1. Satz: Frühlingserwachen - Gesang der Vögel - Die Quellen sprudeln - Donner - Gesang der Vögel.
2. Satz: Der schlafende Ziegenhirt - Rascheln des Laubes und der Pflanzen - Der Hund bellt.
3. Satz: Ländlicher Tanz.

L'Estate - Der Sommer
1. Satz: Mattigkeit infolge der Hitze - Der Kuckuck - Die Turteltaube - Der Stieglitz - Sanfte Zephire - Verschiedene Winde - Der Nordwind - Klage des jungen Bauern.
2. Satz: Fliegen und Brummer.
3. Satz: Stürmisches Wetter.
L'Autunno - Der Herbst
1. Satz: Tanz und Gesang der Landleute - Der Betrunkene - Der schlafende Zecher.
2. Satz: Die schlafenden Zecher.
3. Satz: Die Jagd - Das fliehende Tier - Flinten und Hunde - Das fliehende Tier verendet.

L'Inverno - Der Winter
1. Satz: Erstarrendes Schauern im eisigen Schnee - Entsetzlicher Sturm - Laufen und Trampeln mit den Füßen vor Kälte - Winde - Zähneklappern. 2. Satz: Regen.
3. Satz: Gehen auf dem Eise - Vorsichtiges und ängstliches Gehen - Hinfallen - Forsches Voranschreiten - Der Schirokko - Der Nordwind und alle übrigen Winde.


Aus Vivaldis Rückgriff auf die Sonette ergab sich eine poetische und effektvolle musikalische Ausdrucksweise. Oft entsteht der illustrative Charakter der Musik aus dem brillanten Wechselspiel von Soloinstrumenten und Orchester und raffinierten Spielfiguren. In ihrer Besetzung und Form unterscheiden sich die vier Concerti aber nicht von den vielen anderen Violinkonzerten Vivaldis: Die Solostimme wird von einem vierstimmigen Streichersatz und Basso continuo begleitet, die schnellen Ecksätze in der von Vivaldi ausgeprägten Ritornellform umschließen einen liedhaften langsamen Satz.
Im lautmalerischen Nachvollzug der Inhalte der Sonette konnte Vivaldi auf seine musikdramatischen Fähigkeiten, die er sich als Opernkomponist erworben hat, zurückgreifen. Ob ein Gewitter, eine Jagd, der Gesang von Vögeln, das Säuseln des Windes, der Tanz von Landleuten oder die Schlaftrunkenheit von Hirten - Vivaldi hatte für alle geforderten Stimmungen, Situationen und Szenen die passenden musikalischen Affekte parat. Von der «Danza pastorale» bis zur «Tempesta» beherrschte er alle musikalischen Charakterstücke, die er in den «Vier Jahreszeiten» treffsicher und wirkungsvoll einsetzte.

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Rainer Lepuschitz