Liebeserklärung an die Natur

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Interpreten

  • Akiko Suwanai, Violine
  • Jun Märkl, Dirigent

Programm

Heitor Villa-Lobos
«Alvorada na floresta tropical» | «Dawn in a tropical rain forest» Ouvertüre für Orchester
Ralph Vaughan Williams
«The Lark Ascending» Romanze für Violine und Orchester
- Pause -
Igor Strawinski
«Le chant du Rossignol» Symphonische Dichtung

Er nannte sich selbst einen «schillernden Urwaldvogel vom Amazonas»: Musik des Brasilianers Heitor Villa-Lobos eröffnet dieses schwelgerische Programm, in dem die Gesänge verschiedener Vögel zum Symbol für eine unberührte, traumhaft schöne Natur werden. Jun Märkl, einer der bevorzugten Gastdirigenten der Tonkünstler, setzt seine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Orchester in einem gleichsam bunt gefiederten Kaleidoskop fort – mit einer englischen Lerche, österreichischen Schwalben und zwei Nachtigallen, einer franko-russischen und einer italienischen: große Musik, von kleinen Tieren inspiriert.

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Josef Strauss

Dorfschwalben aus Österreich, Walzer op. 164

Dauer

8 Min.

Entstehung

1864

Joseph Strauß hatte sich vorerst dagegen entschieden, seinem Vater und seinem älteren Bruder ins Familienorchester zu folgen. Er wollte nicht Musiker werden, sondern verfolgte eine Ausbildung als Architekt und Stadtplaner. Doch 1853 holte ihn die musikalische Welt wieder ein: Sein Bruder war erkrankt, und Joseph wurde bekniet, das Orchester zu leiten, und sei es auch nur für einen Teil der laufenden Saison. Pepi widersetzte sich zunächst diesem Begehr, doch am Ende gab er nach: «Das Un­ver­meidliche ist geschehen», schrieb er seiner Verlobten. Doch auch im folgenden Jahr erkrankte sein Bruder – und Joseph wid­me­te sein Leben von nun an der Musik. Eine wahre Pro­du­ktions­flut setzte ein, in nur 17 Jahren komponierte Joseph Strauß über 500 Werke: Dies war mehr als seine Brüder Johann und Eduard zu­sammen geschrieben hatten. Und doch stehen Josephs Werke noch immer im Schatten seines berühmten Bruders, der die Situation jedoch sehr gut beschrieben hatte: «Pepi ist der begabtere, ich bin halt populärer.» «Dorfschwalben aus Österreich» ist der früheste jener sechs Walzer Joseph Strauß’, die sich bis heute als unverkennbare Meisterwerke im Repertoire gehalten haben. Die anderen fünf sind «Geheime Anziehungskräfte» («Dynamiden»), «Delirien», «Sphärenklänge», «Aquarellen» und «Mein Lebenslauf ist Lieb’ und Lust». Strauß verwendete volksliedartige Melodien, die stark an den beliebten Ländler erinnerten. Die Anregung zu den Dorfschwalben stammte aus dem gleichnamigen Buch des österreichischen Salonpoeten August Silberstein (1827–1900), einer Sammlung ländlicher Geschich­ten, die seinerzeit sehr populär war. Der Walzer entspricht Silbersteins rustikaler Prosa und ist auch dem Dichter gewidmet. Das Werk wurde im September 1864 im Volksgarten uraufgeführt. Zur Imitation des Schwalbengezwitschers verwendete Joseph eine Vogelpfeife, eine wirkungsvolle Farbe, die sein Bruder Johann 1869 in seiner Polka «Im Krapfenwaldl» wieder aufgreifen sollte.

© Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Marie-Therese Arnbom

Ottorino Respighi

«Pini di Roma» Symphonische Dichtung

Sätze

  • I Pini di Villa Borghese (Die Pinien der Villa Borghese)

  • Pini presso una catacomba (Pinien bei einer Katakombe)

  • I Pini del Gianicolo (Die Pinien auf dem Gianicolo)

  • I Pini della Via Appia (Die Pinien der Via Appia)

Dauer

20 Min.

Ottorino Respighi ist uns in erster Linie für seine «Römische Trilogie» bekannt, zu denen neben den heute aufgeführten «Pini di Roma» auch noch die «Fontane di Roma» und die «Feste Romane» zählen. Alle drei symphonischen Dichtungen besingen in einer klassizistisch-romantischen Klangsprache die Schönheit der Stadt Roms und gemahnen, teils in einer schon zur Entstehungszeit nicht mehr angemessenen und rückwärts gewandten Ästhetik an Ereignisse aus der italienischen Geschichte.

Respighi ist aber mehr als «nur» ein Bewahrender. Neben seinen «römischen» Werken ist er auch für sein gregorianisches Schaffen bekannt. Dazu gehören etwa die vier sinfonischen Impressionen «Antiche Danze ed Arie per liuto» (1917, 1924, 1932), das «Concerto Gregoriano» (1921) und die Oper «Lucrezia» (1937), die mit ihren dramatischen Rezitativen entfernt an Monteverdi erinnert. Anders als bei Debussy wurde Ottorino Respighi die Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt. 1879 als Sohn eines Klavierlehrers in Bologna geboren, erhielt er bereits als Kind Violin- und Klavierunterricht. Von 1891 bis 1899 studierte er am Liceo musicale in Bologna Violine und Viola bei Federico Sarti sowie Komposition bei Luigi Torchi und Giuseppe Martucci. Nach seinem Abschluss am Liceo hatte er eine kurze Anstellung als Bratschist im Orchester der Stadt Bologna und nahm dann 1900/01 und nochmals 1902/03 ein Engagement an die Opera Italiana im Theater in Sankt Petersburg an. Dort begegnete er Nikolai Rimski-Korsakow, bei dem er einige Kompositionsstunden nahm und dessen farbige Orchesterbehandlung ihn stark beeinflusste. 1902 studierte er außerdem kurz bei Max Bruch in Berlin. Von 1903 bis 1908 arbeitete er wieder als Orchestermusiker in Bologna und trat dabei zunehmend mit eigenen Kompositionen sowie mit Bearbeitungen barocker Werke hervor. Ein zweiter Aufenthalt in Berlin 1908/09, wo er seinen Lebensunterhalt als Pianist in einer Gesangsschule verdiente, weitete seinen musikalischen Horizont nochmals und brachte ihm erste kompositorische Anerkennung außerhalb Italiens ein. Mit der Aufführung seiner Solokantate «Aretusa» 1911 wandte sich Respighi verstärkt der Klavierbegleitung zu. Da seine Hoffnung auf eine feste Anstellung am Liceo musicale in Bologna nicht in Erfüllung ging, nahm er 1913 eine Professur für Komposition am Liceo musicale di Santa Cecilia in Rom an. Zu seinen Schülern gehörte ab 1915 die Komponistin und Sängerin Elsa Olivieri Sangiacomo, die Respighi 1919 heiratete. Sie dürfte ihn beflügelt haben: 1916 schaffte er den Durchbruch als Komponist – mit den «Fontane di Roma». Vor allem sein in Koloristik und Instrumentation virtuoser Orchesterstil, der auch zarte Stimmungen und expressive Ausbrüche ermöglicht, wurde immer wieder gerühmt - etwa von Altmeister Giacomo Puccini. Seine Kunst verstand er in einer nationalen, nicht aber nationalistischen Weise, was sich in der Verwendung alter Volksthemen zeigt. Außerdem steht sie für eine Abwendung vom Verismo in Italien. Gemeinsam mit Alfredo Casella, Ildebrando Pizzetti und Gian Francesco Malipiero entsteht eine zeitgenössische Musikkultur, die Einflüsse aus ganz Europa verarbeitet. In seinen späteren Jahren unternahm Respighi zahlreiche Reisen im In- und Ausland zur Aufführung seiner Werke, wobei er sowohl als Dirigent als auch als Klavierbegleiter (meist seiner Frau), gelegentlich auch als Solopianist auftrat. Seine Musik erfreute sich auch bei der faschistischen Regierung großer Beliebtheit, ohne dass sich Respighi jedoch enger mit ihr einließ. Ab 1933 konnte Respighi aus gesundheitlichen Gründen keine neuen Originalwerke mehr vollenden. Er starb im Alter von knapp 57 Jahren an einem Herzleiden. Seine Frau Elsa überlebte ihn um 60 Jahre und kümmerte sich während dieser Zeit intensiv um die Pflege seines musikalischen Erbes. Die «Pini di Roma» («Römische Pinien») entstanden 1923/24 als zweiter Teil seiner «Römischen Trilogie» und bestehen aus vier ineinander übergehenden Stimmungsgemälden, die aber inhaltlich kontrastieren: Das erste Bild, die «Pinien der Villa Borghese», zeigt Kinder, die im Borghese-Garten (einer Parkanlage in Rom, Anm.) spielen, die Musik macht ihr Getrappel und Geblödel hörbar. Das zweite Bild hat einen melancholischeren Anstrich: Die «Pinien in der Nähe der Katakomben» werden zu Wächtern des Todes, die zwei Tenor-Posaunen und die Bass-Posaune singen wie Priester. Das dritte Bild, «Pinien des Gianicolo» liefert nächtliche Stimmung: Es ist in der Nähe des Janus-Tempels am Gianicolo angesiedelt – Janusköpfige Götter öffnen Türen und Tore und markieren damit den Beginn eines neuen Jahres. Eine Nachtigall kräht – von einer CD, zur Zeit der Entstehung von einer anderen künstlichen Schallquelle. Respighi war der erste, der einen Tonträger in seine Komposition einbaute - und die Klangmalerei kurzerhand zur Klangfotografie machte. Das vierte Bild, «Pinien der Via Appia» beginnt im Morgengrauen: Römische Legionäre ziehen im Gefunkel der Morgensonne über die einstige römische Schicksalsstraße. Trompeten ertönen und die Armee zieht triumphierend auf das Capitol. © Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H. | Daniela Tomasovsky (Bearbeitung: Alexander Moore)