Wasser.Fest

St. Pölten Festspielhaus Großer Saal Festspielhaus | Großer Saal

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    Abgesagt

Interpreten

  • Axel Petri-Preis, Konzeption
  • Norbert Chmel, Lichtdesign
  • Bibiana Nwobilo, Sängerin
  • Kai Strobel, Schlagzeug
  • Kiril Stankow, Dirigent

Programm

Johanna Doderer
«Der große Regen» für Orchester
Sven Daigger
«Meeresbrandung» für Sopran und Orchester

In diesem multimedialen Konzerterlebnis dreht sich alles um das Wasser und die Naturgewalten! In Johanna Doderers Komposition «Der große Regen» ist das Wasser ein innerer Regen, ein alles überschwemmender musikalischer Gedanke. Der junge deutsche Komponist Sven Daigger vertonte ein Gedicht von Christian Morgenstern, das die zerstörerische Kraft des Meeres heraufbeschwört. Und Avner Dorman, einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Musik Israels, widmete sein spektakuläres Schlagzeugkonzert «Frozen in Time» der Entstehung der Kontinente. Umrahmt wird das Programm von Projektionen und Lichteffekten, die das Festspielhaus in einen audiovisuellen Erfahrungsraum verwandeln.

Aufgrund der geltenden Verordnungen zur Covid-19-Prävention sind auch unsere Konzertprogramme Änderungen unterworfen. Anstelle von Tan Duns «Water Concerto» gelangt Avner Dormans Konzert für Schlagzeug und Orchester «Frozen in Time» zur Aufführung. Sven Daiggers «Meeresbrandung» für gemischten Chor und Orchester wird durch sein Stück «Meeresbrandung» für Sopran und Orchester ersetzt.

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Avner Dorman

«Frozen in Time» Konzert für Schlagzeug und Orchester

Sätze

  • I. Indoafrica. Allegro

  • II. Eurasia. Adagio

  • III. The Americas. Presto, exuberant

Dauer

25 Min.

Entstehung

2006/07

Avner Dorman kam 1975 in Tel Aviv zur Welt und hat sich rasch zu einem der weltweit anerkanntesten und meistgespielten israelischen Komponisten entwickelt. Nach Studien in seiner Heimatstadt machte er sein Doktorat an der Juilliard School in New York und schloss daneben auch noch im Fach Mathematik ab. Sowohl in Israel als auch in den USA wurde er mit namhaften Preisen ausgezeichnet und erhielt etwa schon mit 25 Jahren den begehrten Prime Minister’s Award des Staates Israel zugesprochen – als jüngster Preisträger in der Geschichte. In seinen Werken vereint Dorman eine enorme Fülle musikalischer Interessen, deren vermeintliche Widersprüche er mit technischer Versiertheit zu überbrücken oder aufzuheben versteht: Einflüsse traditioneller Musik verbinden sich mit avancierten Strömungen ebenso wie mit Elementen von Pop und Rock. So komponierte er etwa ein Konzert für Violine und Rockband, lässt in einem Klavierkonzert den Solisten erst durch eine Art musikalischer Séance beschwören und durch Erinnerungen an Bach, Art Tatum, Messiaen, Lutoslawski, Ravel, Ligeti, Sweelinck oder Gershwin flanieren. Die Musikgeschichte weder als Bürde noch als Selbstbedienungsladen zu begreifen, sondern vielmehr als ständigen Auftrag, durch die kreative Auseinandersetzung mit den Werken der Vergangenheit etwas Neues, Eigenes in der Gegenwart schaffen zu können. Jüdische, arabische, afrikanische oder ostasiatische Musik kann ihm ebenso als Anregung dienen wie Tango, Salsa oder kubanischer Jazz. Das Schlagzeugkonzert «Frozen in Time» entstand auf Initiative des österreichischen Virtuosen Martin Grubinger, der das Werk im Dezember 2007, begleitet von den Hamburger Philharmonikern unter Simone Young, aus der Taufe gehoben und seither schon mehr als zwanzig Mal mit verschiedenen Partnern aufgeführt hat.

«Der Titel ‘Frozen in Time’», verrät Avner Dorman selbst, «bezieht sich auf imaginäre Schnappschüsse der geologischen Entwicklung der Erde von prähistorischen Zeiten bis zum heutigen Tag. Obwohl wir nicht sicher sein können, wie die Erde vor Millionen Jahren ausgesehen hat, stimmen die meisten Wissenschaftler überein, dass die einzelnen Kontinente früher einen einzigen Mega-Kontinent gebildet haben (so wie die meisten der Ansicht sind, dass die Menschheit von einem Schoß abstammt). Jeder Satz stellt sich die Musik eines großen prähistorischen Kontinents zu einem bestimmten Zeitpunkt vor.

I. Indoafrica: Das Stück beginnt mit einer großen Geste, wie eine Lawine, der ein Einfrieren der Zeit folgt. Das Hauptthema des ersten Satzes basiert auf südindischen rhythmischen Zyklen (Talas) und Tonleitern. Das Thema zieht immer weitere Kreise, genau wie bei einer klassischen indischen Improvisation. Das zweite Thema fußt auf dem inneren Rhythmus des Tala, wie man es auch in manchen Traditionen westafrikanischer Musik finden kann. Wenn der Schlagzeug-Solist das Thema auf Marimbaphon und Cencerros (einem Kuhglockenspiel) zu musizieren beginnt, gewinnt es Ähnlichkeit mit südostasiatischer Gamelan-Musik. Wenn sich der Solist dann wieder dem Drum-Set zuwendet, führt er die Musik zurück zu ihren afrikanischen Wurzeln und steuert einen ekstatischen Höhepunkt an. In diesem Moment kehrt die eröffnende Lawine zurück – mehr als Gefühlsausbruch denn als Naturphänomen. Nach einer kurzen Kadenz schließt der Satz mit einer Fuge, welche die Themen des ersten Abschnitts wiederholt.

II. Eurasia: Der zweite Satz ist eine Erkundung der dunkleren Seiten des Mega-Kontinents Eurasien, wo die Emotionen tief empfunden, aber unterdrückt werden; er befasst sich hauptsächlich mit den Traditionen von Zentraleuropa sowie von Zentral- und Ostasien. Der eröffnende Rhythmus der Basstrommel (welcher der Siciliana entlehnt ist) und die langen hohen Töne der Streicher trennen diesen mittleren von den äußeren Sätzen hinsichtlich Geographie und Klima. Außerdem macht der Umstand, dass der Solist hier ausschließlich Metallinstrumente verwendet, den Satz im Charakter kälter und nordischer. Das melodische Material ist von Mozarts Siciliano-Sätzen inspiriert, die in einigen seiner intimsten und bewegendsten Werke auftreten (dem Klavierkonzert KV 488, der Sonate KV 280, dem Rondo KV 511 und der Arie «Ach, ich fühls» aus der «Zauberflöte»). Man kann hören, dass den ganzen Satz lang Krieg unter der Oberfläche brodelt, obwohl er nur kurz ausbricht – in Form von mittelasiatischen Glocken und Modi, welche über die Stimmung der Siciliana herfallen. Der Satz endet mit einer langen Meditation über das Eröffnungsthema – mit vielen Momenten, in welchen die Zeit stillsteht.

III. The Americas: Der letzte Satz ist ein Schnappschuss der Gegenwart (Nord- und Südamerika sind ja immer noch ein einziger Kontinent). Mehr noch, die Vermischung der Kulturen hält das moderne Amerika zusammen. Dieses Finale ist als Rondo aufgebaut. Der Refrain repräsentiert den Mainstream amerikanischer Stile (beim ersten Mal den Broadway, amerikanischen symphonischen Stil beim zweiten Auftritt, Mellow Jazz beim dritten und Grunge Music – Seattle Style Rock – bei der letzten Wiederholung). Die Episoden dazwischen erkunden andere Klänge aus Nord- und Südamerika: den Tango, afro-kubanischen Jazz, Swing und Minimalismus. Da amerikanische Musik von Natur aus integrativ ist, schließt der Satz auch eine Wiederkehr afrikanischer, europäischer und asiatischer Musik mit ein und verknüpft damit nochmals das ganze Stück.»

© NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Walter Weidringer