Mann mit Dirigierstab und erhobenen Händen in einem Konzertsaal
© Johannes Strassl

Fabien Gabel folgte Yutaka Sado nach

Seit der Konzertsaison 25–26 ist Fabien Gabel Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich. Sein neues Amt trat er im Juni 2025 mit der traditionellen Sommernachtsgala Grafenegg an, dem musikalischen und medialen Großereignis, das europaweit Menschen vor die Fernsehbildschirme lockt und alljährlich die Sommersaison in Grafenegg eröffnet. Er löste damit Yutaka Sado ab, der seit 2015 an der Spitze des Orchesters stand und ihm auch künftig verbunden bleiben wird. Seinen Vertrag mit einer Laufzeit von zunächst vier Jahren hatte Gabel bereits im Juni 2023 in Wien unterzeichnet.

In seinen Konzertprogrammen mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich berücksichtigt Fabien Gabel neben dem Stammrepertoire von der Klassik über die Romantik nicht zuletzt die Werke der sogenannten Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg. Weiters pflegt er mit den Tonkünstlern die Musik von Komponisten wie Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Erich Wolfgang Korngold und Joseph Marx, die an der Grenze zwischen Spätromantik und Moderne wirkten und deren Schaffen eng mit Wien verbunden ist. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Werken französischer Komponisten von Hector Berlioz über Maurice Ravel und Claude Debussy bis hin zur klassischen französischen Moderne. Sein besonderes Augenmerk richtet der designierte Tonkünstler-Chefdirigent dabei auf die Verbindungen zwischen Wien und Frankreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Pro Saison dirigiert er fünf symphonische Abonnementprogramme mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und ist neben den Abonnementkonzerten in Wien und Niederösterreich auch in speziellen Konzertformaten zu erleben. Weiters engagiert er sich für die intensive Musikvermittlungsarbeit beim Tonkünstler-Orchester. Die Entscheidung für Fabien Gabel als Nachfolger von Yutaka Sado war das Ergebnis eines mehrjährigen Auswahlverfahrens und wurde in enger Abstimmung mit den Gremien des Orchesters getroffen.

Der 1975 in Paris geborene Gabel kehrt seit mehreren Jahren regelmäßig zum Tonkünstler-Orchester Niederösterreich zurück und stand unter anderem beim Osterkonzert 2023 in Grafenegg mit Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium «Paulus» am Pult des Orchesters. Sein Debüt bei den Tonkünstlern sowie im Musikverein Wien und im Festspielhaus St. Pölten hatte er im April 2019 unter anderem mit Erich Wolfgang Korngolds Sinfonietta für großes Orchester gegeben. «Da habe ich zum ersten Mal gespürt, dass die Chemie stimmt. Das Orchester gab mir genau den Klang, den ich für dieses Stück haben wollte», erinnert er sich. Bereits seit der Konzertsaison 23–24 leitete Gabel das Tonkünstler-Orchester wiederholt als designierter Chefdirigent, etwa in den Abonnementprogrammen in Wien und Niederösterreich sowie bei den Musikalischen Programmpräsentationen, zuletzt zur Saison 25–26 im März 2025 im Musikverein Wien und im Festspielhaus St. Pölten.

Fabien Gabel wird für seinen dynamischen Stil sowie seinen sorgfältigen Umgang mit der Partitur gelobt und ist für seine eklektische Repertoireauswahl bekannt, die neben dem symphonischen Kernrepertoire und der Neuen Musik auch Werke weniger bekannter Komponistinnen und Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts einschließt. Von 2012 bis 2021 wirkte er als Chefdirigent des Orchestre symphonique de Québec. Regelmäßig steht er am Pult internationaler Spitzenorchester, darunter das London Philharmonic Orchestra, das Orchestre National de France, das Oslo und das Helsinki Philharmonic Orchestra, das Cleveland Orchestra und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. In der Konzertsaison 24–25 kehrte er auch zum Chicago Symphony Orchestra, Luzerner Sinfonieorchester, Belgian National Orchestra, zum Malmö und zum Melbourne Symphony Orchestra zurück. Darüber hinaus trat er mit dem Sinfonieorchester Basel, der Orquesta Sinfónica de Castilla y León, der Orquesta Sinfónica del Principado de Asturias, dem Verbier Festival Chamber Orchestra beim Tongyeong International Music Festival und mit dem Aspen Festival Orchestra auf. Im Oktober 2025 debütierte er an der Metropolitan Opera in New York, wo er acht Vorstellungen von Georges Bizets Oper «Carmen» dirigierte.

In seiner Heimat arbeitet Gabel regelmäßig mit allen großen Orchestern in Paris und feierte in der Saison 22–23 ein hoch gelobtes Debüt an der Opéra national de Paris. Zu den jüngeren Projekten zählt die Aufnahme einer neuen Filmmusik für Abel Gances epischen Film «Napoléon» von 1927 mit dem Orchestre National de France und dem Orchestre Philharmonique de Radio France. Nach 16 Jahren Restaurierungsarbeit wurde der erste Teil des Films beim Festival de Cannes 2024 präsentiert und läuft seither in Kinos, im französischen Fernsehen und auf Netflix.

Nachdem Fabien Gabel 2004 als Gewinner des Donatella Flick Dirigierwettbewerbs internationale Aufmerksamkeit erregte, arbeitete er von 2004 bis 2006 als Assistenzdirigent des London Symphony Orchestra. Von 2012 bis 2021 war er Musikdirektor des Orchestre symphonique de Québec und von 2017 bis 2021 des Orchestre Français des Jeunes.

Geboren wurde Fabien Gabel in Paris als Sohn einer Musikerfamilie. Er begann im Alter von sechs Jahren mit dem Trompetenspiel und studierte am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris und an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Bevor er seine Karriere als Dirigent begann, spielte er in verschiedenen Pariser Orchestern unter der Leitung namhafter Dirigenten wie Pierre Boulez, Sir Colin Davis, Riccardo Muti, Seiji Ozawa, Sir Simon Rattle und Bernard Haitink.

2020 wurde er von der französischen Regierung zum «Chevalier» im «Ordre des Arts et des Lettres» ernannt. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Ministerium für Kultur und Kommunikation «Persönlichkeiten, die sich auf außergewöhnliche Weise durch ihr Wirken im künstlerischen bzw. literarischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Stärkung der Ausstrahlungskraft der Kultur in Frankreich sowie weltweit verdient gemacht haben». Sie gilt als höchste kulturelle Ehrung Frankreichs.

Saison 25–26 © Tonkünstler-Orchester

Fabien Gabel im Gespräch

Auf eine Melange mit unserem Chefdirigenten

Konzerte mit Fabien Gabel

  • Da JavaScript dekativiert ist, werden einige Inhalte nicht geladen.
  • Da dein Browser nicht supportet wird, werden einige Inhalte nicht geladen.
  • Auf Grund von zu geringer Bandbreite werden einige Inhalte nicht geladen.
  • Auf Grund von zu schwacher Hardware werden einige Inhalte nicht geladen.