Vorgestellt

Ohrenschmaus zum Anschauen

Der Karikaturist Oliver Schopf lässt sich von den Tonkünstlern immer wieder zu Zeichnungen inspirieren, die an scheidende Orchestermitglieder verschenkt oder für Publikationen des Orchesters genutzt werden

Ob Helmut Elsner in Bermuda-Shorts beim BAWAG-Prozess oder Karl-Heinz Grasser, der aus einem BUWOG-Haus grinst: Der Karikaturist Oliver Schopf ist dafür bekannt, mit scharfer Feder und satirischer Tiefe gesellschaftliche und politische Entwicklungen aufs Papier zu bringen, wie man seit vielen Jahren vor allem in der Tageszeitung «Der Standard» sehen kann. 

Ganz anders und doch nicht minder präzise und pointiert hat er aber auch für das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich gearbeitet. Ob Skizzen und Zeichnungen für eine Saisonbroschüre oder Blätter, die an scheidende Orchestermitglieder verschenkt werden und Musikerinnen und Musiker in Aktion zeigen: Wenn er beispielsweise Schlagwerker und Violin-Solisten mit all ihrer Energie aufs Papier bannt und Orchestermitglieder in voller Konzentration skizziert, beweist Schopf auch hier eine große Freude zum Detail und eine besonders genaue Beobachtungsgabe.

    «Hineindenker mit genialischem Kreativitätspotenzial»

    Eine Personalausstellung namens «Oliver Schopf. Nichts als die Wahrheit» stellt den Karikaturisten derzeit in den Fokus einer umfassenden Schau im Karikaturmuseum Krems. Dort kann man bis Jänner 2027 sehen, wie der Zeichner agiert, der hierzulande vor allem für seine Arbeiten in «Der Standard» bekannt wurde, der aber auch in «Die Zeit», in der «Süddeutschen Zeitung», in «Le Monde», «El País», «The Japan Times» und weiteren Titeln publiziert hat. 200 Originalarbeiten laden im Karikaturmuseum Krems zum Eintauchen in das Universum Schopf ein: Neben satirischer Kunst sind auch Aquarelle, Stillleben und Porträts zu sehen. Unter den Exponaten findet sich auch eine Zeichnung, in der Wladimir Putin Xi Jinping busselt, und eine, in der er mit Donald Trump tanzt. Und den Songcontest-Sieger JJ lässt Schopf mit «Wasted Words» kentern. Stets zeugen die Werke von besonderer Lebendigkeit – nicht grundlos wurde Schopf von einem ehemaligen Chefredakteur der «Süddeutschen Zeitung» einmal «ein Hineindenker mit genialischem Kreativitätspotenzial» genannt.

    Ausstellung im Karikaturmuseum Krems

    Proben mit dem Stift begleitet

    Mit den Tonkünstlern verbindet ihn mehr als die Tatsache, dass er vor einigen Jahren zahlreiche Proben begleitet hat, um sie mit seinem Bleistift auf gewohnt scharfsinnige Weise in Skizzen festzuhalten und diese anschließend als Aquarell auszuführen – ob er für die Broschüre zur Saison 19–20 nun den Gastdirigenten Krzysztof Urbański zeigte, wie er energiegeladen den Violinsolisten Augustin Hadelich «zähmte», oder ob er 2023 ein Konzert des Orchesters im Großen Saal des Musikvereins Wien aufs Papier übertrug, um dieses Kunstwerk dann als Abschiedsgeschenk für Orchestermitglieder immer wieder zu adaptieren.

    Vor allem diese intensive Beschäftigung mit der Arbeit der Musikerinnen und Musiker, die zu einigen ebenso witzigen wie bezeichnenden Karikaturen führte, zog nach sich, dass Oliver Schopf Abonnent beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich wurde: «Seit meiner Zusammenarbeit mit dem Tonkünstler-Orchester für die Saisonbroschüre 19–20 ist mir die Musik noch näher ans Herz gewachsen. Der Goldene Saal des Wiener Musikvereins wurde plötzlich zu einem ‹Wohnzimmer› mit der besten Stereoanlage, die ich jemals hatte. Die vielen Male, die ich wegen meiner Skizzen und Studien anwesend war, begeisterten mich so sehr, dass meine Partnerin und ich 2025 beschlossen, ein Abonnement zu nehmen.» Begeistert erzählt er von «unvergesslichen Abenden» und schwärmt: «Der Saal, die Akustik, die Meisterschaft der Künstlerinnen und Künstler faszinieren nicht nur die Augen des Zeichners, nein, vor allem unser beider Ohren. Es war immer ein emotionales Ereignis und ein Ohrenschmaus sowieso.» 

    Der Saal, die Akustik, die Meisterschaft der Künstlerinnen und Künstler faszinieren nicht nur die Augen des Zeichners, nein, vor allem unser beider Ohren.
    Oliver Schopf
    © Oliver Schopf

    Von der Musik inspiriert

    Diese Begeisterung lässt sich auch aus den von Schopf angefertigten Werken herauslesen – wenn er darin beispielsweise rund um die Instrumente des Schlagwerks Wolken von Intensität skizziert und einem Violin-Solisten zahlreiche Geigenbögen hinzufügt: Stets spürt man in seinen Zeichnungen, welche Energie von den Musikerinnen und Musikern ausgeht. Auch Tonwerte und musikalische Stimmungslagen nimmt er in seinen Skizzen und in eines seiner Aquarelle auf, wie es etwa der ehemalige Chefdirigent Yutaka Sado nach zehn gemeinsamen Jahren mit dem Orchester als digitalen Unikatdruck erhielt.

    Über diese intensiven Musikerlebnisse hinaus, die ihn so sehr für Arbeiten auf dem Papier inspirieren, schätze er «auch die Einführungsgespräche, weil sie uns anleiten und Informationen geben, was wie entstand und zu Musik wurde», sagt Schopf. «Für mich sind sie besser als jedes Programmheft, zumal viele Komponisten anwesend sind und über ihre Stücke sprechen. Das ist überaus lebendig und macht große Lust auf das, was dann im Konzert zu hören sein wird.» 

    Auch die Konzerte in Grafenegg in den Sommermonaten besucht er sehr gern: «Zur Musik kommen dann noch die laue Sommernachtsstimmung und die freie Natur hinzu. Wo hat man das, außer mit den Tonkünstlern?» Alles in allem nennt sich Schopf einen «begeisterten Zeichenkünstler, den stets die Musik begleitet und inspiriert – auch beim Arbeiten.» Und er kündigt an: «Wir werden unser Abonnement für die Saison 26–27 verlängern. Und ziemlich sicher auch darüber hinaus!»

    Theresa Steininger

    Auf einen Blick

    Oliver Schopf: Live-Zeichner, politischer Karikaturist, Illustrator und Cartoonist
    © Kunstmeile Krems

    Oliver Schopf wurde 1960 in Kitzbühel geboren. Bereits während der Schulzeit begann er als politischer Karikaturist für die Zeitung «präsent» zu arbeiten. Neben seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien arbeitete er für die «Wochenpresse», «Presse» und «Neue Kronen Zeitung». Seit 1988 ist er als ständiger Karikaturist, Illustrator und Gerichtszeichner für den «Standard» aktiv. Auch für «CartoonArts International», «Cartoon Movement», «Nebelspalter», den Zürcher «Tages-Anzeiger» und die «Süddeutsche Zeitung», wo er eine wöchentliche Karikatur für die Kommentarseite schuf, sowie für weitere Medien hat er gearbeitet.

    Schopf ist Preisträger mehrerer internationaler Cartoonwettbewerbe und gestaltete zahlreiche Ausstellungen. 

    Etliche Exponate befinden sich in bedeutenden Cartoonmuseen, privaten Sammlungen und privatem Besitz. Er hat mehrere Bücher illustriert und kreierte 1994 eine gezeichnete Porträtsammlung bedeutender Europäer, die vergriffen ist. 2013 erschien eine umfassende Werkschau der vorangegangenen 20 Jahre in Buchform unter dem Titel «Beim Schopf gepackt». 2018/19 experimentierte er erstmals mit Live-Zeichnungen, zuerst bei einem Interview mit dem Quantenphysiker Anton Zeilinger und bald danach für das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich. 

    In den vergangenen Jahren konzentriert sich der Künstler auf die Kunstform des Comics, wobei er nach eigener Aussage Beobachtungen aus Gesellschaft und Politik, aber auch aus Wirtschaft, Wissenschaft, Religion in Beziehung stellt und aus historischer Sicht aufarbeitet.

    oliverschopf.com

    © Oliver Schopf
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