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Brett Dean

«Komarov's Fall» für Orchester

    Dauer

    7 Min.

    Entstehung

    2006

    Brett Dean ist der Composer in Residence des Grafenegg Festivals 2013. Aus Australien stammend, begann er seine musikalische Ausbildung mit einem Violastudium in Brisbane, von wo er in den 1980er Jahren nach Berlin übersiedelte. Ab 1985 war er 15 Jahre lang Mitglied der Berliner Philharmoniker, bevor er 2000 wieder nach Australien ging, um sich verstärkt seiner Arbeit als Komponist zuzuwenden. Als Orchestermusiker und Solist war er immer davon fasziniert, wie zeitgenössische Komponisten ihre neuen Werke einstudierten. In Brett Dean wuchs der Wunsch, selbst Musik zu schreiben. Erste Erfahrungen sammelte er als Arrangeur und bei Improvisationsprojekten. Ab 1988 entstanden seine ersten Werke. Heute zählt Brett Dean zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Generation. Seine Musik ist häufig von literarischen und visuellen Impulsen inspiriert, in seinem Schaffen finden sich auch Verweise auf politische und zeitgeschichtliche Ereignisse, mit denen er sich kritisch auseinandersetzt. Als Auftragswerk des Grafenegg Festivals entstand das Trompetenkonzert «Dramatis personae», das am 31. August uraufgeführt wird.

    «Komarov’s Fall» war ein Auftragswerk der Berliner Philharmoniker im Rahmen ihres «ad astra»-Projekts; einem Konzert, bei dem mehrere neue Werke zeitgenössischer Komponisten auf dem Programm standen. Das Werk ist dem Andenken an den sowjetischen Kosmonauten Wladimir Michailowitsch Komarov gewidmet, der starb, als er 1967 mit seiner Sojus-Kapsel wieder in die Erdatmosphäre eintrat. Er war der erste Mensch, der im Weltraum ums Leben kam und war gleichzeitig ein prominentes Opfer der politischen Machenschaften, die sich in den 1960er Jahren einen Wettlauf um die Vorherrschaft im Weltall lieferten. Nach Komarovs Tod kam ans Licht, dass das Sojus-I-Projekt von Anfang an mit Problemen behaftet und das Raumfahrzeug für bemannte Flüge nicht wirklich bereit gewesen war. Doch die Einwände der Ingenieure hatte man auf politischen Druck hin übergangen: Der großartige Weltraumflug musste zum Jahrestag von Lenins Geburtstag stattfinden.

    Als Brett Dean die Arbeit an diesem Auftragswerk begann, wurde zunächst die unheimliche, einsame Schönheit der Aufnahmen von Messsignalen aus dem Weltraum zur klanglichen Inspiration für sein Werk. Doch erst die zufällige Entdeckung einer Archivaufnahme von Komarovs letzten, verzweifelten Diskussionen von seinem Raumschiff aus mit dem Kontrollzentrum verlieh dem Werk seine eindringliche Dramatik, vor allem in den durchgängig hörbaren zerrissenen Sechzehntelrhythmen, die erstmals in den Holzblöcken auf den ersten Partiturseiten auftreten. Hartnäckigen Gerüchten zufolge starb Komarov, während er über die Fehlplanung der Ingenieure und Flugkontrolleure fluchte. Davor hatte man Komarovs Frau Valentina eingeladen, vom Kontrollzentrum aus zu ihrem Mann zu sprechen – in einem kurzen lyrischen Abschnitt in der Mitte des Stücks lebt die Vorstellung von ihrem Abschied auf, mitten in Komarovs fataler Situation. Das Werk wurde am 16. März 2006 von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle uraufgeführt.

    © Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H. | Alexander Moore