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Wolfgang Amadeus Mozart

Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur KV 271 «Jenamy»

Sätze

  • Allegro

  • Andantino

  • Rondeau:Presto

Dauer

32 Min.

Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur KV 271 «Jenamy» kann man ohne zu übertreiben als ein Wunder musikalischer Originalität bezeichnen. In der Meisterschaft seiner Orchestrierung, seiner stupenden innovativen Energie und seiner Wirkung trotz beschränkter instrumentaler Mittel hat dieses Werk in seinem Genre keine Vorgänger. Es ist Mozarts erste wirklich bedeutende Komposition, «seine Eroica», wie Alfred Einstein meinte, «die er später wohl erreicht, aber nie mehr übertroffen hat». Mozart sprengt hier alle bisherigen Konventionen und zeigt bereits im Jahr 1777 jene Meisterschaft, die seine Klavierkonzerte der Wiener Jahre auszeichnet.

Formale Überraschungen, wie der ungewöhnliche Einsatz des Solisten bereits im zweiten Takt des Allegros, werden mit mehreren Themen kombiniert. Dazu kommen opernhafte Effekte und eine durch alle Sätze reichende Tendenz zum Cantabile, so zum Beispiel der lange Triller beim zweiten «wirklichen» Einsatz des Klaviers als eine Art «messa voce», ein Seitenthema, dessen Umkehrung Jahre später als Cherubinos «Non so più» wiederkehren wird, und nicht zuletzt die quasi-rezitativischen Passagen im Klavier. Der zweite Satz, ein Andantino mit gedämpften Streichern, ist Mozarts erster Konzertsatz in einer Molltonart. Er kulminiert in einer von der Opera seria inspirierten Szene, in der Mozart die tragische, vom Klavier verkörperte Heldin die schönsten vokalen Auszierungen singen lässt. Das Rondo-Thema des Finalsatzes, dessen Melodie in der linken Hand an die Arie des Monostatos? «Alles fühlt der Liebe Freuden» erinnert, lässt die Virtuosität jener Pianistin erahnen, für die das Konzert geschrieben wurde. Auch hier ist Mozart mit seinen überraschenden Ideen noch nicht am Ende. Nach einer Kadenz beginnt in der Subdominante As-Dur ein langsames Menuett, das die heitere Stimmung des Finales elegant veredelt. Dieses sehr effektvolle Mittel, einem Schlusssatz durch einen Tempowechsel musikalisches Gewicht zu verleihen, begegnet uns in den Klavierkonzerten KV 415 und KV 482 wieder.

Der traditionelle Name «Jeunehomme-Konzert» ist ein reines Fantasieprodukt der Nachwelt. Am 11. September 1778 nennt Mozart die Auftraggeberin in einem Brief «die jenomy». In seiner Mozart-Biografie bezeichnete Otto Jahn 1856 das Werk als «Klavierconcert für die Jenomy». Dichtung und Wahrheit vermischten sich 1912 in der Studie «W.-A. Mozart: Sa vie musicale et son oeuvre» von Théodore de Wyzewa und Georges de Saint-Foix. In der Annahme, Mozart habe mit «Jenomy» einen im Original französischen Namen italienisiert, erklärten diese Autoren die unbekannte Musikerin für «eine der berühmtesten Virtuosinnen ihrer Zeit», und da «jeune homme» ? zu Deutsch «junger Mann» ? ihre Lieblingsbezeichnung für Mozart war, kamen sie auf die kuriose Idee, der Pianistin einfach den Namen «Jeunehomme» zu geben. Eine Legende war geboren, und in der Folge schrieb ein Autor diesen Namen vom anderen ab. Seit 2004 kennen wir die Wahrheit: «Madame Jenomy» war das älteste Kind des Tänzers Jean Georges Noverre. Sie wurde am 2. Jänner 1749 in Straßburg geboren und auf die Namen «Louise Victoire» getauft. Im Sommer 1767 kam sie mit ihrem Vater nach Wien, der hier bis 1774 als Ballettmeister tätig sein sollte. 1768 heiratete sie in Wien den Kaufmann Joseph Jenamy.

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Dr. Michael Lorenz