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Joseph Haydn

Konzert für Oboe und Orchester C-Dur Hob. VIIg:C1

Sätze

  • Allegro spirituoso

  • Andante

  • Rondo. Allegretto

Dauer

23 Min.

Die Solokonzerte von Joseph Haydn sind bis heute ein großes Rätsel. Dutzende von Werken für Soloinstrument mit Orchester werden unter seinem Namen geführt, darunter auch das Konzert für Oboe und Orchester C-Dur, das im Hoboken-Verzeichnis unter der Nummer VIIg:C1 katalogisiert ist. Von etlichen Konzertkompositionen Haydns weiß man, dass es sie geben oder gegeben haben muss, doch ging das Notenmaterial über die Jahrhunderte verloren. So stehen in der Liste der möglichen Solokonzerte Haydns neben den bekannten Werken für Violoncello, Klavier, Violine und Trompete mit Orchester auch solche für Horn, Orgel, Kontrabass, Baryton, Flöte und Radleier - was für eine Vielfalt!

Bekanntermaßen war Joseph Haydn ein ungemein fleißiger Komponist. Viele Solokonzerte schrieb er als Gelegenheitskompositionen für einen bestimmten Anlass oder eine bestimmte Aufführung. Die Solopartien der Violinkonzerte beispielsweise spielte Luigi Tomasini, Konzertmeister der Hofkapelle am Fürstenhaus Esterházy, in dessen Diensten Haydn als Kapellmeister etwa drei Jahrzehnte lang stand. «Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als Chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den Eindruck hervorbringt, und was ihn schwächt, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen. Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selber irre machen und quälen, und so mußte ich original werden», notierte Haydn zurückblickend. Mag es auch zu seinen Aufgaben als Kapellmeister gehört haben, das musikalische Leben am Hof mit Solokonzerten zu bereichern, nicht zuletzt, um die solistischen Qualitäten seiner Musiker zu präsentieren und zu fördern: Seine größten Verdienste erwarb Haydn mit dieser musikalischen Gattung nicht. Seine Leistungen auf dem Gebiet der Symphonie, des Streichquartetts, der Klaviermusik und der Klavier-Kammermusik sind, musikgeschichtlich gesehen, ungleich umfassender und richtungsweisender für nachfolgende Komponistengenerationen - was der Qualität seiner Solokonzerte freilich in keiner Weise abträglich ist, ebenso wenig wie der Freude, die sie für Publikum und Ausführende etwa 250 Jahre nach ihrer Entstehung bereithalten.

Doch stammen all diese Solokonzerte wirklich von Haydn? Nein, etliche sind es nicht. Haydns Urheberschaft der beliebten Cellokonzerte in C-Dur und in D-Dur etwa ist gesichert. Ebenso gesichert ist, dass das Oboenkonzert C-Dur nicht von Haydn stammt, obschon es im Konzertleben nach wie vor unter seinem Namen firmiert. Gleichwohl stellt das an kontrastierenden Stimmungen überaus reiche und auch ansonsten recht üppig ausgestattete Werk eine wundervolle Aufgabe für jeden Solo- Oboisten dar und erweist sich der Wiedergabe allemal als würdig: mit Haydns geschätzter Autorenschaft ebenso wie ohne sie. Überdies erfreut der Bläsersatz mit zwei zusätzlichen Oboen, Hörnern und Trompeten, die Spieldauer von mehr als 20 Minuten gründet vor allem im ausschweifenden langsamen Satz.

Der Kopfsatz, Allegro spiritoso, sprüht vor Einfallsreichtum, erfinderischer Prägnanz und Melodienseligkeit und verzaubert mit seinem ebenso schlichten wie zu Herzen gehenden Melos, mit raffinierter Orchesterbehandlung und kurzweiligen, mitunter überraschenden harmonischen Wendungen. Der Mittelsatz wird praktisch komplett von der Oboe bestritten. Das nachhaltig berührende Andante mit seinem elegischen Thema gehört mit Sicherheit zum Ergreifendsten, was jemals für die Oboe komponiert worden ist. Mit Rondo. Allegretto ist der dritte Satz überschrieben, ein Variationssatz im Menuett-Charakter, formal dem Rondo nahestehend. Das schlichte, volksliedhafte Thema wird zunächst von der Oboe vorgetragen und anschließend in mehreren Abwandlungen zwischen Orchester und Soloinstrument hin und her gespielt, durch die Tonnein ;o)arten jongliert, in Triolen gekleidet und einmal sogar nach c-Moll verschoben, wobei die Oboe auch hier die mit Abstand virtuoseste Rolle innehat. Wer auch immer jener Zeitgenosse Haydns war, dem d eses Konzert aus der Feder floss: Er hat sein Fach meisterlich beherrscht.

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Ute van der Sanden