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Alexander Glasunow

Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 82

Sätze

  • Moderato - Andante sostenuto - Più animato - Allegro

Dauer

37 Min.

Entstehung

1904

Alexander Glasunow war zu Lebzeiten eine gefeierte Größe, sein Name war gleichbedeutend mit musikalischer Meisterschaft ersten Ranges und ein geflügelter Begriff in der europäischen Musikwelt. Von seinem fulminanten Erstlingserfolg mit seiner ersten Symphonie (1880-82), die er mit nur 16 Jahren komponierte, bis zu seinen Spätwerken in den frühen 1930er-Jahren zieht sich eine kometenhafte Karriere als Komponist und Pädagoge, ferner auch als Pianist und Dirigent. In eine wohlhabende Familie hineingeboren, erhielt Glasunow nie eine formale Musikausbildung. Die sonntägliche Einzelstunde bei Nikolai Rimski-Korsakow genügte, um das große Talent des jungen Alexander zur Entfaltung zu bringen. Ins Konservatorium seiner Heimatstadt St. Petersburg trat Glasunow später doch ein, dann aber gleich als Professor; in der Folge leitete er das Institut mehr als 20 Jahre lang. Noch als Gymnasiast wurde der junge Komponist in den Kreis des «Mächtigen Häufleins» aufgenommen, um dort dem früh verstorbenen Modest Mussorgski nachzufolgen. Gemeinsam mit Mili Balakirew, Nikolai Rimski-Korsakow, Alexander Borodin und César Cui setzte sich Glasunow für eine eigenständige russische Musik ein, die sich unbeeindruckt von westeuropäischen Einflüssen entwickeln sollte. Das war freilich leichter theoretisch formuliert als praktisch komponiert. Vor allem Glasunow gelang jedoch die gewünschte Synthese aus Heimatverbundenheit und musikalischer Finesse auf höchstem Niveau. In seinen späteren Jahren erinnerte sich Igor Strawinski an seine Jugendtage: «Ich teilte diese allgemeine Begeisterung damals vollständig und war ein verzauberter Bewunderer der Meisterschaft dieses Weisen.» Später sollte Glasunows Schüler Dmitri Schostakowitsch feststellen, dass sein sehr verehrter Lehrer vor dem Hintergrund jüngerer Entwicklungen in der russischen Musik schließlich wirkte «wie ein altslawischer Schrank unter anderen Großstadtmöbeln», was seiner Wertschätzung freilich keinen Abbruch tat.

Das Konzert für Violine und Orchester op. 82 entstand 1904, als Glasunow eine bestimmende Größe im Musikleben seiner Heimat war. Gewidmet ist das Werk dem berühmten Geiger Leopold Auer (der viele Jahre zuvor Tschaikowskis Violinkonzert für unspielbar erklärt hatte), der das neue Werk von Glasunow am 15. Februar 1905 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte ? nur wenige Wochen nach dem «Blutsonntag», der den Anfang der russischen Revolution markierte. Von politischen Unruhen ist in Glasunows Konzert freilich nichts zu bemerken: Äußerlich erscheint es wie aus einem Guss - doch lassen sich Abschnitte festmachen, die der traditionellen Dreisätzigkeit des Instrumentalkonzerts entsprechen. Der erste Satz (Moderato) eröffnet mit einer melancholischen Träumerei; die Violine zieht singend ihre Kreise und spinnt musikalische Gedanken fort, ohne auf technische Brillanz zu verzichten. Der glänzende Orchestrator Glasunow verstand sich wie kaum jemand darauf, Orchestersoli wie selbstverständlich kunstvoll und behutsam mit dem Soloinstrument zu verknüpfen.

Erinnerte die chromatische Färbung der Themen im Kopfsatz an slawische Weisen, so klingt das nahtlos an die Eröffnung anknüpfende Andante zunächst romantisch-schwelgerisch. Eingebettet in den Mittelsatz ist auch die Solokadenz, die Glasunow ebenfalls selbst komponierte, obwohl nach Angaben der Nachwelt seine virtuosen Fähigkeiten auf der Geige nicht an die des Widmungsträgers Leopold Auer heranreichten. Das Ende der Kadenz (Più animato) bilden schnelle himmelwärts schießende Trillerläufe über dem bebenden Orchester, bevor mit einem reizvollen Fanfarenmotiv (Trompeten und Solovioline) das Finale (Allegro) eröffnet wird. Die ausgelassene Stimmung des Schlusssatzes wird getragen von Anspielungen auf ländliche Feste, man hört die Imitation eines Dudelsacks und deutliche Anklänge an die russische Balalaika. In kräftigen Orchesterfarben zieht es die muntere Jagdgesellschaft zu einem imaginären Festplatz hin, von dem aus die Solovioline mit einem letzten virtuosen Höhenflug ein herrliches Feuerwerk aufsteigen lässt.

NÖ Tonkünstler Betriebgesellschaft m.b.H. | Alexander Moore