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Modest Mussorgski

«Lieder und Tänze des Todes» für Singstimme und Orchester (Instrumentierung: Edison Denissow)

Sätze

  • Wiegenlied

  • Ständchen

  • Trepak

  • Der Feldherr

Dauer

20 Min.

Entstehung

1875/77 (1983)

«Meine handelnden Personen sollen auf der Bühne sprechen, wie lebendige Menschen reden, aber dabei so, dass Charakter und Kraft der Intonation der handelnden Personen, gestützt vom Orchester, welches das musikalische Gewebe ihres Sprechens bildet, ihr Ziel direkt erreichen, d. h., meine Musik soll die künstlerische Nachbildung der menschlichen Rede in all ihren feinsten Biegungen sein, d. h., die Töne der menschlichen Rede als äußere Erscheinungsformen des Denkens und Fühlens, sollen, ohne Übertreibung und Zwang, zu einer wahrheitsgetreuen, genauen, aber künstlerischen, hochkünstlerischen Musik werden.» Was der 29-jährige Mussorgski 1868 im Hinblick auf die Oper geschrieben hat, gilt auch für die Charaktere in seinen Liedern.

Die «Lieder und Tänze des Todes» entstanden 1875 und 1877 parallel zur «Chowanschtschina» für Singstimme und Klavier nach Gedichten von Arseni Arkadjewitsch Golenischtschew- Kutusow. Der ursprünglich geplante Titel «Danses macabres» spielt auf die Totentanz-Zyklen der bildenden Kunst an, die im 14. Jahrhundert aufkamen. Sie zeigen, wie alle Menschen, von den Ärmsten der Armen bis zu den höchsten geistlichen und weltlichen Autoritäten, ungeachtet ihres Standes vom sprichwörtlichen Sensenmann geholt werden; außerdem dachte Mussorgski an eine größere Sammlung. Schließlich ist es bei vier Liedern geblieben - «balladeske Gesänge, deren jeder vom Sterben eines Menschen, der vierte vom Massensterben in der Schlacht handelt», schreibt der Lied-Experte Werner Oehlmann. Der Tod - in der russischen Sprache übrigens weiblichen Geschlechts - singt nacheinander ein krankes Kind in den ewigen Schlaf, er umwirbt ein junges Mädchen, das am Fieber zugrunde geht, er tanzt mit einem betrunkenen Bauern, der auf dem Heimweg vom Wirtshaus im Schnee erfriert, und «er befiehlt als Feldherr den Gefallenen des Schlachtfeldes», erläutert Oehlmann. Stets erscheint er dabei «in zweideutiger Gestalt als überredender Verführer und als harter, allmächtiger Triumphator, aber nicht eigentlich als böser, zerstörender Dämon, sondern trotz des Grauens, das ihn umgibt, als mitleidiger Erlöser, der die leidenden Menschen zur Ruhe führt.» Mussorgski kleidet das, eng an den Text angeschmiegt, in düstere Farben und unheimliche Wendungen, vermittelt aber auch einen tröstlichen Aspekt am Sterben, der selbst wieder Grauen verursachen mag. Der russische Komponist Edison Denissow hat die «Lieder und Tänze des Todes» 1983 in ein orchestrales Gewand gekleidet, das diese Intentionen einfühlsam und farbenreich verstärkt.

NÖ Tonkünstler Betriebgesellschaft m.b.H. | Walter Weidringer