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Sektionen

Archiv: Prélude

Grafenegg Schlosshof

Interpreten

  • Jugendsinfonieorchester Niederösterreich
  • Vladimir Prado, Dirigent

Programm

Antonín Dvořák
Slawischer Tanz e-Moll op. 46/2
Johannes Brahms
Ungarischer Tanz Nr. 5 g-Moll (Bearbeitung: Albert Parlow)
Johannes Brahms
Ungarischer Tanz Nr. 6 D-Dur

Dmitri Schostakowitsch

Festliche Ouvertüre für Orchester op. 96

Sätze

  • Allegretto

  • Presto

Dauer

10 Min.

Entstehung

1947
Antonín Dvořák

Slawischer Tanz g-Moll op. 46/8

Sätze

  • Presto

Dauer

4 Min.
Johannes Brahms

Ungarischer Tanz Nr. 1 g-Moll

Sätze

  • Allegro molto

Dauer

7 Min.
Johannes Brahms

Ungarischer Tanz Nr. 3 F-Dur

Sätze

  • Allegretto

Dauer

2 Min.
Johannes Brahms

Ungarischer Tanz Nr. 10 F-Dur

Sätze

  • Presto

Dauer

2 Min.
Johannes Brahms

Ungarischer Tanz Nr. 21 e-Moll (Instrumentierung: Antonín Dvorák)

Sätze

  • Vivace

Dauer

1 Min.
Béla Bartók

Rumänische Volkstänze

    Dauer

    20 Min.

    Béla Bartók war nicht nur ein genialer ungarischer Komponist - auch seine differenzierten musikethnologischen Studien und Transkriptionen der so genannten Bauernmusik Ungarns genießen heute noch hohes Ansehen in der Musikwissenschaft. Vor diesem Hintergrund sind 1915 seine «Rumänischen Volkstänze» entstanden, die in einzigartiger Weise traditionelle rumänische Folklore und die hohe Kompositionskunst Bartóks vereinen und zu einem neuen Ganzen zusammenfügen. Durch das genaue Studium und Transkribieren dieser «Bauernmusik» - Bartók nannte sie selbst so - erhoffte er sich neue Impulse für die Entwicklung der abendländischen Kunstmusik. Besonders fasziniert zeigte er sich von der Ungezwungenheit dieser Musik, was Takt und Tonalität betrifft: Taktwechsel und ungewöhnliche Taktarten standen in der Bauernmusik an der Tagesordnung und auch die Prinzipien des traditionellen Dur-Moll-Systems verloren gänzlich an Bedeutung. All diese Dinge beeindruckten Bartók zutiefst und er konnte nicht umhin die Rolle zu erkennen, die diese vordergründig primitive Musik spielt: «Denn der weitaus überwiegende und gerade wertvolle Teil des Melodieschatzes ist in den alten Kirchentonarten bzw. in altgriechischen und gewissen noch primitiveren (namentlich pentatonischen) Tonarten gehalten und zeigt außerdem mannigfaltigste und freieste rhythmische Gebilde und Taktwechsel, sowohl im Rubato- als auch im Tempo-giusto-Vortrag».
    Somit widmete sich Bartók zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkt dem Studium ungarischer und rumänischer Volksmusik, das er aber schließlich in den Jahren 1914/15 gezwungen war zu unterbrechen: Der Ausbruch des ersten Weltkriegs verhinderte jegliche Forschungstätigkeit, was Bartók, wie er in einem Brief zur Zeit des ersten Weltkriegs schrieb, schwer traf: «Ich erachte es als mein Lebensziel, mein Studium der rumänischen Volksmusik wenigstens in Siebenbürgen fortzusetzen und zu Ende zu führen...»
    Die rumänische Bauernmusik nahm tatsächlich, neben den Transkriptionen der Musik seines Heimatlandes Ungarn, einen wesentlichen Stellenwert ein: Über 3400 Transkriptionen umfasst seine Sammlung an rumänischen Volksliedern. Und auch die «Rumänischen Tänze» basieren auf solchen Transkriptionen von authentischer Volksmusik, die Bartók in den Jahren 1910-1912 rund um das rumänische Siebenbürgen für die Ewigkeit erhalten hat. Insgesamt besteht das Werk aus sieben unterschiedlichen Tänzen der rumänischen Folklore:
    Am Beginn steht der «Tanz mit dem Stabe» mit einer leicht dahintänzelnden Melodie, die immer wieder mit neckischen Verzierungen versehen ist. Darauf folgt ein Rundtanz genannt «Brâul», der sich durch immer wiederkehrende Staccato-Einwürfe als heiter dahinhüpfend präsentiert. Der nächste Tanz, ein so genannter «Stampfer» wird üblicherweise von einem Paar auf einer Stelle getanzt, wobei der Mann die Hände in die Hüften gestützt hat, und die Frau um seine Hals gelegt hat. Prägnant zeigt sich hier vor allem die immer wieder auftauchende Chromatik, die dem Ganzen etwas Exotisches und Fremdes verleiht. Dieser Charakter wird im folgenden «Tanz der Butschumer» durch interessante harmonische Wendungen, beispielsweise ins so genannte «Zigeunermoll» noch intensiviert. Eine Polka bringt anschließend neuen Frohmut und Heiterkeit ins Spiel - unaufhörlich schwankt sie zwischen 2er und 3er Takt und bildet somit das rhythmisch komplexeste Stück der Tänze.
    Im Finale rasen zwei «Maruntel», paarweise aufgeführten Gruppentänzen, mit atemberaubend schnellen Melodien daher. Heiter und unbeschwert zeigt sich die Meldodie des ersten Tanzes, aufgeregt verspielt die des zweiten.
    In seiner ursprünglichsten Form existieren Bartóks «Rumänische Volkstänze» eigentlich nur für Klavier, wobei im Laufe der Zeit Transkriptionen für Violine und Klavier, oder Orchester hinzugekommen sind, die sich alle großer Beliebtheit erfreuen. In Grafenegg wird eine einzigartige Bearbeitung für sechs Violoncelli von Martin Först, Cellist im Tonkünstler Orchester Niederösterreich zu hören sein.
    © NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H.

    Alberto Ginastera

    Tänze aus dem Ballett «Estancia»

    Sätze

    • Los trabajadores agrícolas (Die Landarbeiter)

    • Danza del trigo (Wetter-Tanz)

    • Los peones de hacienda (Die Viehtreiber)

    • Danza final (Malambo)

    Dauer

    12 Min.

    Entstehung

    1941

    Alberto Ginastera, geboren 1916 in Buenos Aires und gestorben 1983 in Genf, gilt nicht von Ungefähr neben dem Brasilianer Heitor Villa-Lobos als der vielleicht bedeutendste und originellste Komponist Südamerikas im 20. Jahrhundert. Als Sohn einer italienischen Mutter und eines katalanischen Vaters bevorzugte der Argen-tinier übrigens zeitlebens die katalanische Aussprache seines Familiennamens (etwa: «Dschinastera» statt des spanischen «Chinastera»). Er studierte am Konservatorium von Buenos Aires, bevor er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einige Jahre in den USA verbrachte, wo er in Tanglewood bei Aaron Copland studierte. Nach Buenos Aires zurückgekehrt, machte er sich um das Musikleben seiner Heimat verdient und ging verschiedene Lehrverpflichtungen ein. Schließlich zog es Ginastera aber erneut in die Ferne: 1968 bis 1970 lebte er erneut in den USA, um sich zuletzt in Europa niederzulassen, woher seine Eltern ursprünglich gekommen waren. Sein Schaffen umfasst Werke in allen Gattungen – von drei Opern über Ballette und Orchesterwerke hin zu je zwei Klavier- und Cellokonzerten sowie je einem Konzert für Harfe und Violine, Chorwerken, Liedern, Kammer- und Solomusik für Klavier oder Orgel.

    Ginasteras Bekanntheit jenseits eines «klassischen» Kernpublikums verdankt sich der britischen Gruppe Emerson, Lake & Palmer, die ja immer wieder Musik von Johann Sebastian Bach bis Friedrich Gulda für ihre Neuinterpretationen im Sinne des «Progressive Rock» herangezogen haben. Ihre 1973 erstellte Version des Finales aus Ginasteras Erstem Klavierkonzert (1961) stieß auf große Begeisterung beim Komponisten, der sinngemäß meinte, dass niemand bisher den Kern seiner Musik so genau getroffen hätte wie sie.

    An seinem eigenen Schaffen nahm Ginastera drei Perioden wahr, die er mit den Schlagworten «Objektiver» und «Subjektiver Nationalismus» sowie «Neo-Expressionismus» bedachte. Etliche seiner bis heute populärsten Werke, etwa auch die heute auf dem Programm stehenden Tänze aus dem Ballett «Estancia», stammen aus der ersten Periode (etwa 1937 bis 1948), in der er die Volksmusik seiner Heimat auf unmittelbare Weise in seine Kompositionen einfließen ließ. Der Ballett-Impresario Lincoln Kirstein hatte 1936 die «American Ballet Caravan» gegründet, um jungen amerikanischen Choreographen Gelegenheit zu geben, den Tanz aus der klassischen russischen Tradition zu befreien und neue Themen und Ausdrucksgebiete zu erobern. Einer der großen Erfolge der Compagnie war 1938 Coplands «Billy the Kid» gewesen, in dem das Leben in der nordamerikanischen Prärie gefeiert wird. Kirstein beauftragte nun anlässlich einer Lateinamerika-Tournee Ginastera mit der Komposition eines Ballett-Einakters in fünf Szenen, der das argentinische Landleben zum Inhalt haben sollte. Die mit einer Choreographie von George Balanchine für New York geplante Uraufführung des noch 1941 entstandenen «Estancia» konnte jedoch vorläufig nicht realisiert werden, weil sich die «American Ballet Caravan» kurz darauf auflöste. So kam es, dass das Werk zunächst in jener Gestalt bekannt wurde, die Sie heute erleben: als Suite für den Konzertsaal. Im Mai 1943 im Teatro Colón in Buenos Aires mit größtem Erfolg uraufgeführt, ebnete die Ginasteras Ruf befestigende Suite den Weg zur ersten Produktion des kompletten Balletts, die 1952 im Teatro Colón stattfand, choreographiert von Michael Borowski und ausgestattet von Dante Ortolani. Das Sujet, nämlich ein einzelner Tag im Leben der Gauchos auf einer Rinder-farm in der Pampa, der Grassteppe zwischen Anden und Atlantik, gab Ginastera Gelegenheit, einer Landschaft seinen musikalischen Tribut zu zollen, die ihn von Kindesbeinen an fasziniert hatte: «Immer wenn ich durch die Pampa gekommen war oder eine Weile in ihr gelebt hatte, fühlte sich mein Geist von wechselnden Eindrücken überflutet, manche fröhlich, manche melancholisch, die einen voller Euphorie, die anderen getränkt mit tiefer Ruhe – alles hervorgerufen durch die grenzenlose Weite des Landes und die Verwandlung, welche es während eines Tages durchmacht.» Die vier Tänze der Suite beschreiben nacheinander die Feldarbeiter, einen Getreidetanz, die Tagelöhner der Hacienda und zum Abschluss den typischen Tanz der Gauchos, den Malambo.

    © NÖ Tonkünstler Betriebsges.m.b.H. | Walter Weidringer