Details und Tickets

Interpreten

  • The Wave Quartet, Ensemble
  • Yutaka Sado, Dirigent

Programm

Isaac Albéniz
Tango aus der Suite «España» op. 165 (Bearbeitung für Orchester)
Arturo Márquez
- Pause -
Avner Dorman
«Spices, perfumes, toxins!» Fassung für vier Marimbas
Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Angefangen hat alles mit Bach! Bogdan Bacanu, einer der besten Marimbaspieler der Welt, wollte Bachs Cembalo-Doppelkonzert für das Marimbaphon adaptieren. Dafür holte er sich Christoph Sietzen an die Seite, und so entstand allmählich The Wave Quartet, ein Botschafter des besonderen Klangs. Gemeinsam mit dem Tonkünstler-Orchester unter Yutaka Sado entstehen neue sphärische und träumerische Musikwelten, die den Schlosspark durchwehen werden.

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Emmanuel Séjourné

«Gotan concerto» für vier Marimbas und Streichorchester

Sätze

  • Gotan

  • Serenity

  • Sahara

Dauer

27 Min.
Arturo Márquez

Danzón No. 2

Dauer

10 Min.

Was von außen als «Lateinamerikanische Musik» empfunden wird, ist fast immer eine Mischung aus verschiedenen Stilen, wobei die historischen Haupteinflüsse aus der Kolonialzeit, etwa ab dem 16. Jahrhundert, stammen. Dies schließt sowohl spanische bzw. europäische als auch afrikanische Formen mit ein. Letztere wurden im Zuge des Sklavenhandels, vor allem aus dem westlichen Afrika, in die «Neue Welt» transportiert.

Das Eröffnungsstück dieses Abends ist ein gutes Beispiel dafür, beherbergt es doch in seinem rhythmischen Kern einen kubanischen Tanz, der im Laufe der Zeit ins mexikanische Veracruz importiert wurde. Der Rhythmus der Danzón, wie er gleich zu Beginn deutlich zu hören ist, stellt eine charakteristische Form der «Claves» dar, den – wie es etwa der kubanische Bandleader Juan de Marcos González ausdrückte – Nukleus afro-kubanischer Musik. Über dieser prägnanten Time-line (ein Ausdruck für die Betonung bestimmter Teile eines durchlaufenden Grundpulses, wie auch weiter hinten im Text über die Bossa-Nova-Songs beschrieben) entfaltet sich eine hingebungsvolle Melodie. Diese zeigt natürlich vor allem die Erfindungsgabe des Komponisten Arturo Márquez, steht aber auch für den spanisch-europäischen Teil mexikanischer und lateinamerikanischer Musik. Überhaupt scheint es die Meisterschaft von Márquez zu sein, auf der einen Seite die Tradition zu berücksichtigen, und auf der anderen Seite eine eigenständige Sprache zu entwickeln. So verfügt auch die Danzón No. 2 über einen hohen Wiedererkennungswert, der die ungeheure Popularität dieser Komposition weit über Mexiko hinaus bewirkt hat.

Das Stück ist in einer Reihe von Danzóns zu sehen, die allesamt jene kubanische Tanzform inkorporieren. Weitere Kompositionen zeigen Arturo Márquez’ Interesse für originelle Besetzungen (z. B. «Son a Tamayo» für Harfe, Percussion und Tonband) aber auch klassische Herausforderungen wie ein Streichquartett, gewidmet dem brasilianischen Gitarristen & Komponisten Egberto Gismonti. Arturo Márquez wurde 1950 in Álamos, Sonora, Mexiko geboren. Seine musikalische Ausbildung begann er im benachbarten Kalifornien, in La Puente. Weiters studierte er dann Klavier und Musiktheorie am Konservatorium sowie Komposition am Institute of Fine Arts in Mexiko City. Die Einbindung traditioneller mexikanischer Musik in seine Kompositionen hat auch in seiner Familie einige Wurzeln: Márquez’ Großvater war ein bekannter Volksliedsänger und der Vater Mitglied einer Mariachi-Kapelle.

Die Danzón No. 2 entstand 1993. Nach der beschriebenen Einleitung erzielt Márquez mit gekonnter Steigerung sowohl an Intensität und Tempo einen gewaltigen Sog, dem man sich kaum entziehen kann und der das Stück zu einem der beliebtesten Werke mexikanischer Musik der letzten Jahrzehnte werden ließ. Natürlich hat auch die einprägsame Melodie ihren Anteil daran, dass hier beinahe eine Art zweite mexikanische Nationalhymne entstand. Zur Entstehungsgeschichte erzählt der Komponist, dass die Idee sowohl aufgrund mehrerer Ausflüge nach Veracruz, als auch inspiriert durch ein befreundetes Künstlerpaar «who are experts in salon dances with a special passion for the danzón» entstanden sei. «Ich lernte schrittweise die Rhythmen der Danzón und hörte die alten Aufnahmen von Acerinas Danzonera-Orchester. Fasziniert davon begann ich zu verstehen, dass die scheinbare Leichtigkeit der Danzón nur die Eintrittskarte zu einer Musik voller Sinnlichkeit und Ernsthaftigkeit ist.»

© Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H. | Albert Hosp

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Capriccio italien op. 45

Sätze

  • Andante un poco rubato ? Pochissimo più mosso ? Allegro moderato

Dauer

15 Min.

Entstehung

1879/80

Pjotr Iljitsch Tschaikowski zählt zu einer an Größe nicht zu unterschätzenden Gruppe von Komponisten, die uns mit einer vergleichsweise kleinen Auswahl ihres Gesamtwerks bekannt sind -
ein Umstand, der diesen Komponisten nicht immer zum Vorteil gereicht. In unverblümten und treffenden Worten beschrieb es der deutsche Musikwissenschaftler Attila Csampai: «Keinem anderen Komponisten hat die außergewöhnliche Popularität zahlreicher Werke insgesamt so geschadet wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski, der [...] den Ruf des pathologischen Romantikers und parfümierten Salonkomponisten bis heute nicht loswerden konnte.»
In der Tat, Tschaikowski ist uns im Konzertsaal durch drei Instrumentalkonzerte, einen kleinen Ausschnitt aus seinem symphonischen Oeuvre und eine Handvoll von Orchesterwerken bestens bekannt. Auf der Opernbühne erfreuen uns Ballettmusiken und zwei Opern («Pique Dame» und «Eugen Onegin»). Die zahllosen Meisterwerke im Bereich der Kammermusik, Lieder, Musik für Soloklavier und eine beachtliche Zahl von hierzulande selten bis nie gespielten Opern und vielen großen Orchesterwerken warten unerklärlicherweise auf ihre Wiederentdeckung.
Das heute gespielte Capriccio italien op. 45 hat in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung inne. Zum einen gibt es kaum ein Werk aus der Hochromantik, das an Leichtigkeit und unbelasteter Freude diesem Werk ebenbürtig wäre. Zum anderen reflektiert die Musik in keinem Takt die persönlichen Lebensumstände des Komponisten zur Zeit der Entstehung. Die späten 1870er Jahre waren für Tschaikowski keine leichte Zeit. Nach einer tiefen persönlichen Krise, die in einer überstürzt eingegangenen und kurz darauf gescheiterten Ehe mündete, suchte der Komponist Zerstreuung und Inspiration auf Reisen. Neben Aufenthalten in Frankreich und in der Schweiz stand auch Italien auf dem Reiseplan. Den Winter 1879/80 verbrachte Tschaikowski in Rom, wo er sein zweites Klavierkonzert instrumentierte. Hier entstand auch das Capriccio italien, zweifellos eine der berühmtesten Musik-Postkarte der Geschichte.
Das Stück beginnt mit einer Signalfanfare, die Tschaikowski nach eigenen Angaben regelmäßig aus einer nahegelegenen Kaserne hörte. In den Streichern erklingt eine etwas pathetisch anmutende, langsame Melodie, die von grollenden Bläserakkorden begleitet wird. Rasch entwickelt sich das Geschehen zu einem ersten Höhepunkt - immer noch lässt uns der Komponist im Glauben, es handle sich um etwas sehr Ernstes. Erst jetzt blitzen zwei Oboen mit dem italienischen Gassenhauer (das Wort Schlager wäre nicht verkehrt) «Babbo non vuole, mamma nemmeno, come faremo a fare all'amor» hervor. «Das Mädchen mit den blonden Zöpfen» (so in der Übersetzung) war eine damals ungeheuer populäre Melodie, die Tschaikowski lustvoll in sein Capriccio packte und damit der sangesfreudigen Lebenslust der Italiener seine Reverenz erwies. Die Melodie ist unschuldig, ausgelassen und hat beinahe etwas «Beschwipstes» an sich - ein idealer Ausgangspunkt für kompositorische Spielereien, die in einem Capriccio perfekt aufgehoben sind. Tschaikowski versteht es meisterhaft wie kein Zweiter, zwischen augenzwinkerndem Ernst und jubelnder Freude zu changieren und führt das Capriccio nach einer Reihe vergnüglicher Ausflüge zu einem fulminanten Abschluss in den «Heimathafen» zurück. Am 6. Dezember 1880 wurde das Capriccio italien in Moskau unter der Leitung von Nikolai Rubinstein mit großem Erfolg uraufgeführt und hat sich seither einen verdienten Platz in den Konzertprogrammen bewahrt.

© Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.H. | Alexander Moore