Details und Tickets

Interpreten

  • Arcis Saxophon Quartett, Ensemble
  • John Axelrod, Dirigentin

Programm

Charles Ives
Variations on «America» (My Country, t'is of thee) (arr. for Orchestra: William Schuman)
Bob Mintzer
Rhythms of the Americas
- Pause -
Arturo Márquez
Duke Ellington
«Black, Brown and Beige»

Das musikalische Amerika, wie es leibt und lebt: John Axelrod, selbst in den USA geboren, dirigiert ein pulsierendes Programm, das sich von der Wiege des amerikanischen Musik-Idioms am Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu Bob Mintzers bunter Suite «Rhythms of the Americas» aus dem Jahr 2001 spannt. Um den amerikanischen Musik-Traum perfekt zu machen, gesellt sich das preisgekrönte Arcis Saxophon Quartett, das unter anderem am Campus Grafenegg ausgebildet wurde, zum Tonkünstler-Orchester. Gemeinsam lassen sie einen Strauss faszinierender Rhythmen, Klänge und Mythen aufblühen.

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Arturo Márquez

Danzón No. 2

Dauer

10 Min.

Was von außen als «Lateinamerikanische Musik» empfunden wird, ist fast immer eine Mischung aus verschiedenen Stilen, wobei die historischen Haupteinflüsse aus der Kolonialzeit, etwa ab dem 16. Jahrhundert, stammen. Dies schließt sowohl spanische bzw. europäische als auch afrikanische Formen mit ein. Letztere wurden im Zuge des Sklavenhandels, vor allem aus dem westlichen Afrika, in die «Neue Welt» transportiert.

Das Eröffnungsstück dieses Abends ist ein gutes Beispiel dafür, beherbergt es doch in seinem rhythmischen Kern einen kubanischen Tanz, der im Laufe der Zeit ins mexikanische Veracruz importiert wurde. Der Rhythmus der Danzón, wie er gleich zu Beginn deutlich zu hören ist, stellt eine charakteristische Form der «Claves» dar, den – wie es etwa der kubanische Bandleader Juan de Marcos González ausdrückte – Nukleus afro-kubanischer Musik. Über dieser prägnanten Time-line (ein Ausdruck für die Betonung bestimmter Teile eines durchlaufenden Grundpulses, wie auch weiter hinten im Text über die Bossa-Nova-Songs beschrieben) entfaltet sich eine hingebungsvolle Melodie. Diese zeigt natürlich vor allem die Erfindungsgabe des Komponisten Arturo Márquez, steht aber auch für den spanisch-europäischen Teil mexikanischer und lateinamerikanischer Musik. Überhaupt scheint es die Meisterschaft von Márquez zu sein, auf der einen Seite die Tradition zu berücksichtigen, und auf der anderen Seite eine eigenständige Sprache zu entwickeln. So verfügt auch die Danzón No. 2 über einen hohen Wiedererkennungswert, der die ungeheure Popularität dieser Komposition weit über Mexiko hinaus bewirkt hat.

Das Stück ist in einer Reihe von Danzóns zu sehen, die allesamt jene kubanische Tanzform inkorporieren. Weitere Kompositionen zeigen Arturo Márquez’ Interesse für originelle Besetzungen (z. B. «Son a Tamayo» für Harfe, Percussion und Tonband) aber auch klassische Herausforderungen wie ein Streichquartett, gewidmet dem brasilianischen Gitarristen & Komponisten Egberto Gismonti. Arturo Márquez wurde 1950 in Álamos, Sonora, Mexiko geboren. Seine musikalische Ausbildung begann er im benachbarten Kalifornien, in La Puente. Weiters studierte er dann Klavier und Musiktheorie am Konservatorium sowie Komposition am Institute of Fine Arts in Mexiko City. Die Einbindung traditioneller mexikanischer Musik in seine Kompositionen hat auch in seiner Familie einige Wurzeln: Márquez’ Großvater war ein bekannter Volksliedsänger und der Vater Mitglied einer Mariachi-Kapelle.

Die Danzón No. 2 entstand 1993. Nach der beschriebenen Einleitung erzielt Márquez mit gekonnter Steigerung sowohl an Intensität und Tempo einen gewaltigen Sog, dem man sich kaum entziehen kann und der das Stück zu einem der beliebtesten Werke mexikanischer Musik der letzten Jahrzehnte werden ließ. Natürlich hat auch die einprägsame Melodie ihren Anteil daran, dass hier beinahe eine Art zweite mexikanische Nationalhymne entstand. Zur Entstehungsgeschichte erzählt der Komponist, dass die Idee sowohl aufgrund mehrerer Ausflüge nach Veracruz, als auch inspiriert durch ein befreundetes Künstlerpaar «who are experts in salon dances with a special passion for the danzón» entstanden sei. «Ich lernte schrittweise die Rhythmen der Danzón und hörte die alten Aufnahmen von Acerinas Danzonera-Orchester. Fasziniert davon begann ich zu verstehen, dass die scheinbare Leichtigkeit der Danzón nur die Eintrittskarte zu einer Musik voller Sinnlichkeit und Ernsthaftigkeit ist.»

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